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24.11.2015

10:10 Uhr

Strategie der Allianz bis 2018

Allianz-Chef trimmt Konzern auf mehr Gewinn

Vorstandschef Oliver Bäte nimmt Zukäufe ins Visier und stellt den Versicherer digitaler auf. Das Unternehmen will gemeinsam mit dem Internetgiganten Baidu in den chinesischen Online-Versicherungsmarkt einsteigen.

Er will den Versicherer auf mehr Effizienz trimmen. dpa

Allianz-Chef Oliver Bäte

Er will den Versicherer auf mehr Effizienz trimmen.

FrankfurtDer neue Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte will Europas größten Versicherer auf mehr Effizienz trimmen. Die Allianz müsse vor allem auf den Trend zur Digitalisierung des Versicherungsgeschäfts reagieren, hieß es in einer Mitteilung zum Allianz-Investorentag am Dienstag in München, auf dem Bäte und seine Vorstandskollegen die Strategie bis 2018 vorstellen wollen.

Dazu gehören offenbar auch Zukäufe: Die Allianz werde "in vielversprechende Geschäftsmodelle investieren und strategisch passende Konsolidierungschancen wahrnehmen". Das soll sich auch für die Aktionäre auszahlen: Das Ergebnis je Aktie soll bis 2018 jedes Jahr im Schnitt um fünf Prozent steigen. Im vergangenen Jahr hatte es bei 13,71 Euro gelegen.

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"Die Allianz ist gut aufgestellt und kann diesen Transformationsprozess anführen, indem wir uns noch stärker an unseren Kunden orientieren, unsere Leistung weiter steigern und in die Digitalisierung investieren", fasste Bäte seine Strategie zusammen. Bis 2018 sollen die jährlichen Kosten dadurch um eine Milliarde Euro gesenkt werden. Das eingesparte Geld solle in IT, Personal und zusätzliches Wachstum investiert werden. Von einem Stellenabbau ist in der Mitteilung nicht die Rede.

Bäte will dabei auch im Beteiligungsportfolio der Allianz ausmisten. Der Versicherer setze auf Größenvorteile. Töchter, die bereits gut liefen, sollen - möglicherweise auch durch Zukäufe - gestärkt werden, kleinere sollen ausgebaut werden, wenn sie gute Ergebnisse erzielen. Töchter, die weniger Gewinn abwerfen, müssen dagegen mit weniger Kapital auskommen. "Die Allianz wird entschlossen handeln, um ihr Geschäftsportfolio zu optimieren, Wachstum und Produktivtiät zu verbessern und weniger rentable Einheiten neu aufzustellen", hieß es in der Mitteilung.

Die zehn größten Versicherer Europas

Allianz

Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

Axa

Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

Generali

Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

Aviva

Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

Zurich Financial

Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

Munich Re

Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

CNP

Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

Credit Agricole

Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

ING

Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

Prudential

Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Ziel sei es, rund fünf Millionen neue Kunden zu gewinnen und 6,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Beitragseinnahmen zu erzielen, erklärte die Allianz. Das soll nicht zu Lasten der Schaden-Kosten-Quote in der Schaden- und Unfall-Sparte gehen, die der Versicherer bei maximal 94 Prozent halten will. Die Eigenkapitalrendite will Bäte bis 2018 in der Gruppe bei 13 Prozent halten, die unter Druck stehende Lebensversicherung soll mindestens zehn Prozent abwerfen.

Zudem will der Versicherer in den chinesischen Online-Versicherungsmarkt einsteigen. Dazu wird ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Internetsuchmaschinen-Betreiber Baidu und dem Finanzinvestor Hillhouse Capital gegründet. Ziel sei der landesweite Vertrieb von Lebens- und Sachversicherungen.

Die Aktionäre der Allianz können auch künftig auf steigende Dividenden hoffen. Finanzvorstand Dieter Wemmer bekräftigte am Dienstag auf dem Investorentag, dass der Versicherer regulär 50 Prozent seines Nettogewinns ausschütten wolle. Sinken soll die Dividende dabei in keinem Fall. Der Münchener Versicherer hat sich vorgenommen, den Gewinn je Aktie in den nächsten drei Jahren im Schnitt um je fünf Prozent zu steigern. 2014 hatte er bei 13,71 Euro gelegen.

Das Geld, das die Allianz für Zukäufe zurückgelegt, aber nicht gebraucht hat, soll alle drei Jahre an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Allein seit Anfang 2014 seien von dem Budget 1,8 Milliarden Euro übrig. Vorstandschef Oliver Bäte hat angekündigt, auch künftig "mit Disziplin" Gelegenheiten für Zukäufe zu nutzen.

Von

rtr

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