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10.06.2016

12:43 Uhr

Strategiewechsel

Zurich Versicherung erfindet sich neu – schon wieder

VonOzan Demircan

Der neue Vorstandschef Mario Greco verpasst dem strauchelnden Versicherer eine neue Struktur und will Kosten sparen. Zu den Programmen der Vergangenheit verliert Greco kein Wort – ebenso wie zum Freitod seines Vorgängers.

Der Konzern führt die neue Funktion eines Chief Operating Officers ein. Reuters

Altes Zurich-Logo am Hauptsitz

Der Konzern führt die neue Funktion eines Chief Operating Officers ein.

ZürichMario Greco muss lachen. Eine solche Frage könne er natürlich noch nicht beantworten. Ein Journalist wollte zuvor vom Vorstandschef der Zurich Versicherung wissen, ob der Konzern denn auch im kommenden Jahr noch eine Dividende von 17 Franken pro Aktie auszahlen werde, trotz Umbauprogramm. Eine Antwort könne er dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben, antwortete Greco – und ging über zur nächsten Frage.

Der neue Zurich-Chef will dem Versicherungskonzern eine einfachere Struktur verschaffen. Das Lebens- und Schadensversicherungsgeschäft sollten künftig weltweit von einem Team mit einem einzigen Bereichsleiter im Vorstand geführt werden, erklärte der Italiener am Freitag vor Journalisten. „Der neue Chef dieser Einheit wird nur an mich berichten“, sagte Greco und ergänzte: „Die Struktur ist so simpel.“

Zudem führe der Konzern künftig die neue Funktion eines Chief Operating Officers ein, die Zurich-Manager Kristof Terryn übernehme. Der für Technologie zuständige Vorstand Robert Dickie scheide aus dem Gremium aus, hieß es in einer Medienmitteilung des Konzerns.

Die größten Versicherer Europas (Beitragseinnahmen 2014)

Platz 10

Mapfre (Spanien)
Beitragseinnahmen 2014: 22,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,6 Prozent
Quelle für alle Angaben: Übersicht von Mapfre.

Platz 9

Aviva (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 27 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 4,1 Prozent

Platz 8

Talanx (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 29 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 3,0 Prozent

Platz 7

Crédit Agricole Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 29,4 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 14,3 Prozent

Platz 6

CNP Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 30,5 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 11,4 Prozent

Platz 5

Zurich (Schweiz)
Beitragseinnahmen 2014: 39,5 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 1,1 Prozent

Platz 4

Prudential (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 40,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 14 Prozent

Platz 3

Generali (Italien)
Beitragseinnahmen 2014: 70,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 6,9 Prozent

Platz 2

Allianz (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 73,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,5 Prozent

Platz 1

Axa (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 86,3 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 0,9 Prozent

Greco begründete den Schritt damit, dass die Kunden eine einheitliche Anlaufstelle im Konzern benötigten. „Zu viele verschiedene Anlaufstellen funktionieren nicht mehr“, sagte der Vorstandschef.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Konzern neu erfindet. Schon im Jahr 2010 gab das Unternehmen unter Ex-Chef Martin Senn neue Strategieziele bekannt, die drei Jahre später zum Teil wieder einkassiert werden mussten.

Damals hieß es bereits, die Struktur des Unternehmens müsse vereinfacht werden. Fortan unterteilte der Konzern seine Kunden in Private, kleine Firmenkunden und Großkonzerne. Diese vertikale Ausrichtung sollte den Bedürfnissen der Klienten Rechnung tragen. Außerdem waren neue Profitabilitätsziele herausgegeben worden.

Ziele, die der Konzern jedoch nur zum Teil erfüllen konnte. Nach der Bekanntgabe schwacher Ergebnisse im Herbst vergangenen Jahres musste Zurich-Chef Senn schließlich gehen. Von seiner Entlassung durch den Verwaltungsratschef Tom de Swaan erfuhr Senn, der Zurich seit 2009 geführt hatte, aus der Zeitung.

Der stocksolide Schweizer Finanzexperte Senn hatte es zwar geschafft, den Konzern sicher durch die Finanzkrise zu bringen. Doch das war nicht genug gewesen. Die Investoren wollten mehr.

Der Verwaltungsrat des Unternehmens, ähnlich dem Aufsichtsrat in deutschen Konzernen, erhöhte daher bereits vor Jahren den Druck. Allen voran: Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, damals Chef des Verwaltungsrats. Er forderte mehr Rendite auf die Kapitalanlagen und tadelte das Management oftmals als zu risikoscheu und behäbig.

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