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24.08.2012

15:24 Uhr

Studie der Munich Re

Die Kosten des Klimawandels

VonAxel Höpner, Ozan Demircan

In den letzten Jahren hat sich die Zahl extremer Wetterphänomene wie Dürren oder Wirbelstürme in den USA verfünffacht. Einer Studie zufolge wird die Zahl weiter steigen. Die Schäden gehen schon jetzt in die Milliarden.

Die Zahl der Naturkatastrophen steigt, wie etwa von Wirbelstürmen. ap

Die Zahl der Naturkatastrophen steigt, wie etwa von Wirbelstürmen.

Frankfurt, München„Die ganze Natur ist eine Melodie, in der eine tiefe Harmonie verborgen ist“, sagte Johann Wolfgang von Goethe. Was er verschwieg: Die Natur besitzt auch große Zerstörungskraft, ihre Melodie klingt zuweilen wie das Tosen eines Hurrikans.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat in einer 250 Seiten umfassenden wissenschaftlichen Analyse, die dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt, diese lebensfeindliche Seite der Natur untersucht. Unter dem Titel „Wetterrisiko Nordamerika“ kamen die Forscher zu einem alarmierenden Ergebnis: Allein im ersten Halbjahr 2012 kosteten Hurrikans und Gewitterstürme in den USA die Versicherer 8,8 Milliarden Dollar. Die Studie setzt im Jahr 1980 an und belegt, dass es die höchsten Schäden innerhalb der vergangenen fünf Jahre gab.

Die Prognose für die USA fällt düster aus: „Nordamerika ist allen Wetterrisiken ausgesetzt, und sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität extremer Wetterphänomene werden weiter zunehmen“, heißt es in der Studie. Auch für den Versicherer selbst hat das harte Konsequenzen: „Auf lange Sicht wird das zu wachsenden wirtschaftlichen und Versicherungsschäden führen.“

Nicht nur die Schadenssumme, sondern auch die Zahl der schweren Stürme ist deutlich gestiegen. Waren es früher im Schnitt 50 pro Jahr, stieg die Zahl in den vergangenen Jahren auf 100 bis 150. Im ersten Halbjahr 2012 zählten die Forscher bereits 61.

Derzeit ist es im Mittleren Westen der USA aber vor allem die Dürre, die in den vergangenen Wochen einst fruchtbare Felder in trostlose Wüstenlandschaften verwandelte. Die bisherigen Ernteausfälle schätzen Experten auf zehn Milliarden Dollar. Die Wirbelstürme Beryl und Debby lösten im Frühjahr schwere Überschwemmungen in Florida aus.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

Diese Naturereignisse treten zudem in immer kürzeren Abständen auf. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl extremer Wetterphänomene wie Wirbelstürme, Überflutungen oder Dürren in den USA fast verfünffacht. „Es gibt keinen anderen Kontinent, auf dem das so stark nach oben geht“, sagte Peter Höppe, Chef der globalen Risikoforschung der Munich Re.

Die Häufung extremer Wetterereignisse trifft damit ausgerechnet jenes Land, das nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen ist. Und ein Land, das sich ebenfalls mit der Volksrepublik gegen ein verbindliches internationales Klimaschutzabkommen sperrt. „Die Bedeutung des Klimawandels gerade für Nordamerika ist nicht bis zu den Politikern vorgedrungen“, sagt Risikoforscher Höppe.

Dabei war der demokratische US-Präsident Barack Obama Anfang 2009 nicht zuletzt mit dem Wahlversprechen angetreten, ein Klimaschutzgesetz zu verabschieden. „Jetzt ist der Moment, an dem wir gemeinsam diesen Planeten retten müssen“, sagte Obama. Er scheiterte an den Republikanern - und stellte seinen Ehrgeiz anschließend hintenan.

Katastrophenforscher Höppe urteilt streng: „In den USA werden Stimmen, die vor der Erderwärmung warnen, zu wenig gehört.“

Kommentare (7)

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bjarki

24.08.2012, 15:59 Uhr

Diese Studie dient sich nur selbst. Die Zahl hat sich nicht verfünffacht,es gibt keineswegs ständig sich verstärkende Wetterphenomene. Die Klimalüge wird irgendwann Vergangenheit sein, dann wird man wohl eine Kometenabwehrabgabe fordern. Ich kann diesen Mist nicht mehr hören.

ElNino

24.08.2012, 17:08 Uhr

Dazu Vahrenholt hier im HB: "Wir befinden uns in einem El-Nino-Jahr. Alle paar Jahre tritt dieses Wetterphänomen auf, das eine enorme Hitzewelle in den USA erzeugt. Auch wenn oft behauptet wird, Hurrikans und Stürme nähmen zu - es stimmt nicht. Wir hatten einen Anstieg bei den Hurrikans, aber seit Ende der 1990er-Jahre sind sie zurückgegangen. Auch das hängt mit der atlantischen Strömung zusammen."

easyway

24.08.2012, 18:28 Uhr

So viele Lügen, und am Ende glaubt euch keiner mehr, nicht mal, wenn's die Wahrheit ist.

Die Natur ist auch gar nicht lebensfeindlich, der Mensch ist es. Schließlich hat die Natur die Artenvielfalt hervorgebracht, die seit dem Auftreten des Unternehmergeistes rapide schrumpft.

Abkommen sind geduldig, vor allem, wenn sie von denen unterzeichnet werden, die der Industrie freien Lauf lassen. Da darf zum Beispiel an BP erinnert werden und das Aktienspiel der Spekulanten.

Es wird erst Ruhe einkehren, wenn's denn Menschen nicht mehr gibt.





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