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02.01.2015

13:21 Uhr

Sturm, Starkregen, Flut

Unwetter kosten Versicherer Milliarden

Zwei Milliarden Euro – so viel kosteten Unwetter deutsche Versicherer im zurückliegenden Jahr. Auch wenn das Hochwasserjahr 2013 deutlich krasser ausfiel, gehört auch 2014 zu den folgenschwersten Jahren seit 1998.

Heftige Schäden: Das Sturmtief „Ela“ wütete an Pfingsten und war für die Versicherungen besonders teuer. dpa

Heftige Schäden: Das Sturmtief „Ela“ wütete an Pfingsten und war für die Versicherungen besonders teuer.

FrankfurtDie deutschen Versicherer sind 2014 trotz einiger teurer Wetterkapriolen mit einem blauen Auge davongekommen. Insgesamt zahlten sie rund zwei Milliarden Euro für Sachschäden, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Freitag mitteilte.

Das war deutlich weniger als im Hochwasserjahr 2013, das am Ende knapp sechs Milliarden Euro gekostet hatte. Trotzdem zählte 2014 nach den bisherigen Schätzungen zu den fünf folgenschwersten Sturm- und Hageljahren seit 1998, wie der GDV vorrechnete.

„Allein zwei Naturereignisse haben Schäden in Höhe von über 500 Millionen Euro verursacht“, erklärte GDV-Präsident Alexander Erdland. So kostete das Anfang Juli über Rhein und Ruhr tobende Sturmtief Ela mit 250.000 Schadensfällen rund 400 Millionen Euro und war damit der zweitteuerste Sturm der vergangenen 15 Jahre. Weitere 140 Millionen Euro verursachte ein Starkregen Ende Juli vor allem in Münster. Dort fielen binnen weniger Stunden 292 Liter Regen auf einen Quadratmeter, es kam zu 30.000 Schadensereignissen. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landesumweltamtes war die dort beobachtete Regenmenge einer der höchsten, die je in Deutschland aufgetreten ist. Der Rekord kam 2002 in Zinnwald im Erzgebirge zustande, wo damals bei einem Starkregen im August 312 Liter Wasser pro Quadratmeter herunter kamen.

Sturmtief „Ela“

Tote und Verletzte

Allein in Nordrhein-Westfalen starben durch das Unwetter sechs Menschen. Mehr als 67 Personen wurden verletzt, davon mindestens elf schwer.

Kosten

Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Versicherer richtet der Sturm allein in Nordrhein-Westfalen Schäden in Höhe von rund 600 Millionen Euro an.

Schadensmeldungen

Bereits am Tag nach dem Unwetter in NRW wurden über 14.000 Schäden gemeldet.

Feuerwehr-Einsätze

Feuerwehr und Polizei beziffern die Zahl der Einsätze in NRW auf 17.000. Landesweit waren 14.000 Helfer der Feuerwehr, Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks im Einsatz.

Verkehrschaos - Bahn - Bundesgebiet

Im gesamten Bundesgebiet sorgte „Ela“ für ein Verkehrschaos. Die Fernverkehrsstrecke Hamburg-Berlin musste tagelang gesperrt werden. Noch immer stecken 16 evakuierte Züge auf den Strecken fest.

Verkehrschaos - Bahn - NRW

Der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen ist erheblich gestört. An den Bahnhöfen in Essen, Bochum, Duisburg und Dortmund fahren keine Zuge mehr.

Verkehrschaos - Straße

Motorsägen statt Verkehrslärm: Allein in der Landeshauptstadt Düsseldorf waren mehrere wichtige Verkehrsachsen blockiert. Die Störungen im Bahnverkehr sorgten für 350 Kilometer Stau auf den Autobahnen.

Bäume

Vielerorts bedeckten umgefallene Bäume Straßen und Wege. Schätzungen des NRW-Umweltministeriums zufolge entwurzelte das Unwetter mehr als 80.000 Bäume in dem Bundesland.

„Unwetterfrei“

In mehreren Ruhrgebietsstädten fiel als Folge der Unwetter die Schule aus. In Essen, Bochum, Castrop-Rauxel, Mülheim, Herne, Neuss, Recklinghausen und Gelsenkirchen blieben die Kinder zu Hause

Der GDV warnt schon länger vor einer Häufung von Wetterkatastrophen in den nächsten Jahrzehnten. Nach einer gemeinsamen Studie von Versicherern und Klimaforschern könnten sich Flutschäden bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln, Sturmschäden könnten um mehr als 50 Prozent zunehmen. Bereits auf ihrer Naturgefahrenkonferenz im Juni 2014 hatten die deutschen Versicherer eine breite Information über Naturgefahren gefordert und der Politik ihre fachliche Unterstützung angeboten. Im Oktober 2014 hat sich auch die Umweltministerkonferenz für ein solches Portal ausgesprochen und der Bundesregierung empfohlen, eine bundesweite Elementarschadenkampagne durchzuführen.

Video

Wer zahlt bei Unwetterschäden?

Video: Wer zahlt bei Unwetterschäden?

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rtr

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