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19.09.2011

08:03 Uhr

Teldafax-Connection

Kunden sind empört über Verivox

VonSönke Iwersen, Jürgen Flauger

ExklusivIn der Strombranche schlug die Meldung ein wie ein Blitz: Das vermeintlich unabhängige Internetportal Verivox soll mit dem Skandalanbieter Teldafax gemeinsame Sache gemacht haben. Nun drohen Konsequenzen.

Der Vergleichsdienst Verivox soll nach Aussagen von Insidern den heute insolventen Stromanbieter Teldafax über die Preisstrategie der Konkurrenz informiert haben. dpa

Der Vergleichsdienst Verivox soll nach Aussagen von Insidern den heute insolventen Stromanbieter Teldafax über die Preisstrategie der Konkurrenz informiert haben.

HeidelbergStromanbieter und Verbraucherschützer kritisieren das Vergleichsportal Verivox heftig. Wie das Handelsblatt am Freitag berichtete, soll Verivox nach Aussagen von Insidern den heute insolventen Stromanbieter Teldafax über die Preisstrategie der Konkurrenz informiert haben. Als Gegenleistung soll Verivox von Teldafax ungewöhnlich hohe Provisionen kassiert haben. Verivox ist mit monatlich mehr als vier Millionen Besuchern auf seiner Internetseite eines der größten Vergleichsportale. Das Portal wirbt damit, unabhängig und neutral zu sein. Nun ist die Energiebranche in Aufruhr.

„Ich bin entsetzt und enttäuscht“, sagt Robert Mundt, Gründer und Vorstandschef von Flexstrom. „Verivox wurde von der Stiftung Warentest noch kürzlich mit ‚sehr gut’ ausgezeichnet. Dieser Fall zeigt, dass im Namen des Verbraucherschutzes oft intransparent gearbeitet wird. Hier muss sich dringend etwas ändern!“ Flexstrom werde nun viele unbequeme Fragen stellen.

Verivox bestreitet die Weitergabe von Daten. Über die Höhe der von Teldafax erhaltenen Provisionen wollte das Unternehmen aber auf Nachfrage keine Angaben machen. Dies sei Geschäftsgeheimnis.
Doch die Anbieter auf dem hart umkämpften Strommarkt wollen sich damit nicht abspeisen lassen und fordern ein Umdenken bei den Vergleichsportalen. „Wir haben bereits vor Monaten vor einer Fehlentwicklung gewarnt“, sagt Thomas Mecke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Lekker Energie. Aspekte wie Kundenzufriedenheit, Sicherheit, Service und Vertragsbedingungen würden von den Vergleichsportalen zu wenig berücksichtigt Mecke: „Die Portale liefern den Stromanbietern vor allem Anreize, allein den Preis zu optimieren. Das muss sich ändern.“

Verbraucherschützer monieren, die Nutzer der Vergleichsportale wüssten gar nicht, dass die Portale für jeden vermittelten Kunden Provisionen von den Stromanbietern kassieren. „Vor allem ist nicht klar, dass die Unternehmen den Portalen unterschiedliche Provisionen zahlen und dass Anbieter, die keine Provisionen zahlen, in den Ranglisten gar nicht auftauchen“, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Hier sei mehr Ehrlichkeit nötig.

Kommentare (22)

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Zaungast

19.09.2011, 08:32 Uhr

machen wir es kurz: was die Ratinggagenturen im Großen sind
die Stromvergleichs-Portale im Kleinen.

Die Stromversorger zahlen Provisionen und verlangen dafür
Gegenleistungen.

Doch verivox dürfte nicht das alleinige schwarze Schaf sein.
Ich hatte meinen Gasvertrag bei goldgas gekündigt, weil deren Preis und dem der Grundversorger lag. goldgas antwortete, sie hätte sehr gute Bewertungen bei check24.
Ich sah nach ... und tatsächlich.

Was lernen wir daraus? Jeder möge sich seinen Reim darauf machen. Ich fühle mit dem Krückstock, dass die Kommentare
nicht koscher sind.

poolliter

19.09.2011, 08:41 Uhr

Wenn das mit Schadenersatzansprüchen klappen würde, hätte sich das Thema Verivox ganz schnell erledigt.
Auch Stiftung Warentest macht dabei keine gute Figur und sollte quasi als Entschuldigung Musterklagen führen oder unterstützen.

Zaungast

19.09.2011, 08:55 Uhr

Korrektur Schreibfehler:

... weil deren Preis ü b e r dem der Grundversorger lag.
(also noch teurer war!)

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