Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2017

10:15 Uhr

Tool der Woche – Lebensversicherung

Auf der Suche nach Wasser in der Zinswüste

VonCarsten Herz

Wer eine Lebensversicherung hat, bekommt 2017 weniger auf die angesparten Beträge gutgeschrieben. Es ist ein Trend, der unverkennbar ist und sich weiter fortsetzen wird. Das drückt nicht nur das Portmonee der Kunden.

Klassische Lebensversicherungen werfen immer weniger ab. dpa

Unklare Aussichten

Klassische Lebensversicherungen werfen immer weniger ab.

FrankfurtEs ist nur eine kleine Ziffer – aber ihre Bedeutung ist erheblich. Im kommenden Jahr fällt die laufende Verzinsung in der deutschen Lebens- und Rentenversicherung aus Garantiezins und Überschüssen mehrheitlich weiter auf durchschnittlich rund 2,57 Prozent nach unten: Die Millionen von Policen in Deutschland werfen damit immer weniger ab. Der Branchenführer Allianz machte es bereits Mitte Dezember mit der Ankündigung vor, die laufende Verzinsung im kommenden Jahr von 3,1 auf 2,8 Prozent zu reduzieren.

Inzwischen haben es die meisten Konkurrenten dem Giganten aus München gleichgetan. 42 von 44 Unternehmen, die ihre Überschussbeteiligung bisher veröffentlicht haben, senken die laufende Verzinsung für das kommende Jahr. Die Renditen der privaten Rentenversicherungen – die populärste Form der Lebensversicherung – schmelzen dahin wie Schnee in der Morgensonne.

Die größten Versicherer Europas (Beitragseinnahmen 2014)

Platz 10

Mapfre (Spanien)
Beitragseinnahmen 2014: 22,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,6 Prozent
Quelle für alle Angaben: Übersicht von Mapfre.

Platz 9

Aviva (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 27 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 4,1 Prozent

Platz 8

Talanx (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 29 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 3,0 Prozent

Platz 7

Crédit Agricole Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 29,4 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 14,3 Prozent

Platz 6

CNP Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 30,5 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 11,4 Prozent

Platz 5

Zurich (Schweiz)
Beitragseinnahmen 2014: 39,5 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 1,1 Prozent

Platz 4

Prudential (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 40,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 14 Prozent

Platz 3

Generali (Italien)
Beitragseinnahmen 2014: 70,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 6,9 Prozent

Platz 2

Allianz (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 73,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,5 Prozent

Platz 1

Axa (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 86,3 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 0,9 Prozent

Schärfere Eigenkapitalregeln, niedriger Leitzins, unter Druck stehende Gewinne: Die Lage der Versicherungsbranche ist schwierig und das bekommen auch immer mehr die Kunden zu spüren – mit sinkenden Renditen. Das Dilemma der Branche: Die Lebensversicherer haben in der Vergangenheit Verträge mit einer garantierten Verzinsung von bis zu vier Prozent verkauft. Die Altlasten sorgen für große Probleme, weil die Zinsen so niedrig sind. Denn der Hauptgrund für die mageren Zeiten sind die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten. Diese bleiben das größte Problem für die gesamte Branche. Im Neugeschäft suchen die Gesellschaften darum Alternativen ohne feste Zinsgarantie zu verkaufen, bei der Allianz ist es die „Perspektive“.

Im privaten Neugeschäft machen die alten Verträge schon weniger als zehn Prozent der Abschlüsse aus, verkünden sie bei der Allianz beinahe mit einem gewissen Stolz. „Wie lange wir unser Klassik-Produkt noch anbieten werden, hängt von der Nachfrage der Kunden ab. Im Moment empfehlen wir es nicht mehr, da es in puncto Verzinsung keine guten Aussichten für Kunden bietet“, begründete Alf Neumann, Vorstandsmitglied bei Allianz Leben, die Strategie. Andere Versicherer wie Zurich haben die Variante schon vor Jahren ganz abgeschafft. Welche Lebensversicherung für Sie die richtige ist, können Sie mit diesem Tool leicht prüfen.

Doch zaubern können die Assekuranzen auch bei den neuen Verträgen nicht. Die Verträge ohne garantierten Zins werfen zwar eine etwas höhere Rendite ab. Allerdings sinkt die laufende Verzinsung bei dem „Perspektive“ genannten Vertrag der Allianz ebenfalls um 0,3 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent. Mehr als 300.000 Kunden haben sich den Angaben zufolge seit der Einführung 2013 für einen solchen Vertrag entschieden, über 100.000 Abschlüsse gab es allein in den ersten drei Quartalen 2016. Genaue Zahlen über die Neuabschlüsse lege die Allianz erst mit ihrer Jahresbilanz vor, so ein Sprecher.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Jürgen Diamant

03.01.2017, 16:08 Uhr

Bitte liebe Leute sagt den Lesern, dass es sich bei den 2,8% um eine nebulöse Verzinsung auf den Sparanteil und nicht auf das Geld des Kunden handelt. Ich verkaufe diese Produkte schon seit über 10 Jahren nicht mehr. Auch die Perspektive ist keine Perspektive. Kann sein, dass ein schlecht informierter Kunde solche Produkte nachfragt, dann gehört er aufgeklärt und nicht den Weg des geringsten Widerstandes gehen.
Viele Grüße Jürgen Diamant / Diamant und Partner
Finanz- und Versicherungsmakler

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×