Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2015

11:30 Uhr

Totes Kind im TV

Super-Bowl-Clip erzürnt die Zuschauergemeinde

VonTina Halberschmidt

Die amerikanische Versicherungsgesellschaft „Nationwide“ hat mit einem Werbevideo für Aufsehen gesorgt: Während des Super Bowl zeigte das Unternehmen einen Spot mit einem toten Kind. Viele Zuschauer reagierten verstört.

Über 100 Millionen Menschen verfolgten am Wochenende den Super Bowl. Das Finale der US-amerikanischen American-Football-Profiliga NFL vereint Jahr für Jahr die Massen vor den TV-Geräten. Dabei stehen neben dem sportlichen Ereignis die oft spektakulären (und immer spektakulär teuren) Clips im Vordergrund, die in den Werbepausen gezeigt werden.

In den sozialen Netzwerken sorgte in diesem Jahr vor allem ein Video für Aufsehen – und das war ausnahmsweise nicht von Budweiser, Snickers oder T-Mobile ins Rennen geschickt worden.

Fakten zum Super Bowl

Zuschauer

Allein in den USA saßen im vergangenen Jahr im Schnitt 111 Millionen Menschen vor dem Fernseher. Den Spitzenwert erzielte dabei die Halbzeitshow mit Bruno Mars – mit 115 Millionen Zuschauern. In Deutschland sahen 980.000 Leute bei Sat.1 zu.

Werbespots

Für 30 Sekunden Werbung zahlen die Unternehmen 2015 satte 4,5 Millionen Dollar. Das sind nochmal 500.000 Dollar mehr als noch im Vorjahr.

Deutschland

In Deutschland wird auch in diesem Jahr Sat.1 den Super Bowl übertragen. Kick-off ist um 00:30 Uhr deutscher Zeit.

Der Spielerort

Gespielt wird in Glendale im Bundesstaat Arizona – im University of Phoenix Stadium. Das fasst aktuell 63.400 Zuschauer und wurde ab dem Jahr 2003 für knapp 455 Millionen Dollar gebaut. Die Arena verfügt, wie die Arena in Gelsenkirchen, über ein schließbares Dach und ein fahrbares Spielfeld mit Naturrasen.

Die Vorjahreschampions

Die Seattle Seahawks gehen als Titelverteidiger in den Super Bowl. Star des Teams ist Quarterback Russell Wilson.

Der Star

Russell Wilson hat in seiner NFL-Karriere schon 1877 Yards selbst erlaufen und elf Touchdowns erzielt. Damit gilt er als Musterbeispiel der neuen Generation der Quarterbacks, die ein eigenes Laufspiel entwickelt haben und sich nicht auf das Werfen der entscheidenden Bälle beschränken.

Die Herausforderer

Im vergangenen Jahrzehnt waren die New England Patriots so etwas wie der FC Bayern des American Footballs. In 2001, 2003 und 2004 gewann das Team um Quarterback Tom Brady den Super Bowl.

Der Star

Tom Brady könnte sich mit einem Sieg in diesem Jahr bereits seinen vierten Super-Bowl-Ring sichern. Das haben vor ihm nur die Legenden Joe Montana und Terry Bradshaw geschafft.

Unter dem Motto „Make Safe Happen!“ präsentierte die amerikanische Versicherungsgesellschaft „Nationwide“ einen 50 Sekunden langen Clip, der unter die Haut geht: Zu sehen ist ein kleiner Junge, der erzählt, was er alles nicht erleben wird, zum Beispiel Fahrrad fahren oder heiraten. Alles ganz süß und harmlos – bis dem Zuschauer plötzlich bewusst wird, dass der Junge einen Unfall hatte und gestorben ist.

Mit dem Clip will „Nationwide“ auf die Gefahren aufmerksam machen, denen Kindern im Haushalt ausgesetzt sind: Eine mit Wasser randvoll gefüllte Badewanne könne ebenso zur tödlichen Falle werden wie ein riesiges TV-Gerät, das keinen sicheren Stand habe, appelliert „Nationwide“ im Film. Man wolle Eltern sensibilisieren und die Welt für Kinder sicherer machen.

Ein an sich wohl ehrbares Vorhaben – aber der Spot kam in den sozialen Netzwerken überhaupt nicht gut an. Super Bowl ist vor allem Spaß und Party – nicht Tod und Teufel. Bei Twitter beschwerten sich deswegen viele Nutzer über den „total deprimierenden“ Clip und zogen das Video durch den Kakao.

Der Auswertung einer Digitalen Marketing-Agentur zufolge hatten 64 Prozent aller Erwähnungen des Films im Social Web einen negativen Ton, nur zwölf Prozent waren positiv. Vielfach wurde kritisiert, dass auch die beste Versicherung nicht vor einem Unfall schützen könne.

Tatsächlich starb laut „Consumer Reports“ im Jahr 2012 alle drei Wochen ein Kind in den USA, weil es unter einem Mega-Fernsehgerät begraben wurde. Nur ein Viertel der Erwachsenen würden dafür Sorgen tragen, dass der Bildschirm so befestigt sei, dass dieser nicht umfallen und ein kleines Kind verletzen könne.

Genau deswegen habe man den Spot zur besten Sendezeit gebracht, rechtfertigte sich „Nationwide“ in einer Erklärung. Die meisten Amerikaner wüssten nicht, wie gefährlich Kinder im eigenen Haushalt lebten. „Wir wollen auf die Gefahren aufmerksam machen und eine Debatte starten, keine Versicherungen verkaufen.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

real. ist

02.02.2015, 12:41 Uhr

Die Reaktionen auf den gutgemeinten Werbespot zeigen doch, dass die Menschen für die Realität gar nicht empfänglich sein wollen.

Die Versicherung wird niedergeschrien, wie bei uns pauschal Menschen niedergeschrien werden, die friedlich auf der Straße auf etwas aufmerksam machen wollen, was ebenso existent und eine tägliche Bedrohung für uns ist.

Herr Arthur Dent

02.02.2015, 14:14 Uhr

@real. Bleiben Sie beim Thema statt von Pegida zu raunen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×