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13.08.2014

07:59 Uhr

Übernahme von Corpus Sireo

Swiss Life kauft in Deutschland zu

Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life wächst auf dem Heimatmarkt – und geht nun auch in Deutschland auf Einkaufstour. Die Schweizer übernehmen den Kölner Immobilien-Dienstleister Corpus Sireo.

Die Schweizer Lebensversicherung Swiss Life steigt durch die Übernahme von Corpus Sireo zum wichtigsten deutschen Immobilien-Dienstleister auf. dpa

Die Schweizer Lebensversicherung Swiss Life steigt durch die Übernahme von Corpus Sireo zum wichtigsten deutschen Immobilien-Dienstleister auf.

ZürichIn der Schweiz ist die Welt der Lebensversicherer noch in Ordnung. Swiss Life kann im ersten Halbjahr gute Zahlen präsentieren: Die Prämieneinnahmen legen in den ersten sechs Monaten des Jahres um fünf Prozent auf 10,8 Milliarden Franken zu. Der Reingewinn erhöhte sich um drei Prozent auf 487 Millionen Franken (400 Millionen Euro). In Deutschland gingen sie zwar um acht Prozent zurück.  Doch im Heimatmarkt wuchsen die Prämieneinnahmen um satte zwölf Prozent.

Mit dem guten Ergebnis im Rücken verkünden die Schweizer nun einen Kauf in Deutschland. Für 210 Millionen Euro übernehmen sie den Kölner Immobiliendienstleister Corpus Sireo rückwirkend zum 1. Januar – und steigen damit zum größten Immobilien-Asset-Manager Deutschlands auf. Bisher gehören die Kölner noch der Sparkasse Köln-Bonn (50 Prozent), der Stadtsparkasse Düsseldorf (25 Prozent) und der Frankfurter Sparkasse (25 Prozent). Stimmen die Kartellbehörden zu, soll der Verkauf im zweiten Halbjahr über die Bühne gehen.

Die wichtigsten Fragen zur Lebensversicherung

Wie funktioniert die Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung soll dagegen zugleich auch Altersvorsorge sein. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist die Bewertungsreserve?

Kauft eine Versicherung von den Kundenprämien eine Aktie für 100 Euro, bleibt ihr Buchwert in der Bilanz auch fünf Jahre später bei 100 Euro, auch wenn der Kurs auf 120 Euro gestiegen ist. Die 20 Euro Differenz zwischen Marktwert und Kaufwert ist die sogenannte Bewertungsreserve oder stille Reserve. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen die Hälfte der Bewertungsreserve an ihre Kunden auszahlen, deren Verträge auslaufen.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher haben sich auch deshalb für Kapitallebensversicherungen entschieden, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent, ab 1.1.2015 nun wird er auf 1,25 Prozent gesenkt.

Früher lag der Satz deutlich höher, in den 90er Jahren teils bei vier Prozent. Seit 2000 geht es bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen investieren. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber sehr niedrig.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen. Zu beachten ist, dass Bestandskunden in der Regel von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen – und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer dagegen stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. Ob diese Verluste von einer jetzt eventuell noch höheren Beteiligung an den Bewertungsreserven ausgeglichen werden, muss im Einzelfall berechnet werden. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat.

„Mit diesem Kauf gelingt uns in einem unserer strategischen Kernbereiche ein wichtiger Schritt, um uns neben der Schweiz und Frankreich auch in Deutschland als ein führender Anbieter zu positionieren“, kommentiert Swiss-Life-Chef Patrick Frost den Zukauf. Tatsächlich gehört Corpus Sireo schon heute zu den großen der Branchen und verwaltet Immobilien für Dritte, deren Wert sich auf rund 16 Milliarden Euro summiert. An den elf Standorten in Deutschland und Luxemburg erwirtschaftet das Unternehmen mit 550 Mitarbeitern einen Umsatz von 160 Millionen Euro. Zu seinen Kunden gehören Investoren, Banken und Unternehmen mit eigenen Immobilienbeständen.

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