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09.11.2012

08:30 Uhr

Überschuss deutlich gesteigert

Allianz nach Gewinnzuwachs selbstbewusst

Voller Stolz über ein gutes Ergebnis hatte der Versicherungskonzern Allianz schon Ende Oktober erste Eckdaten zum Quartal gegeben. Doch die Diskussion über angeschlagene Lebensversicherer könnte den Ausblick vermiesen.

Die Allianz konnte den Gewinn von Juli bis September deutlich steigern. dapd

Die Allianz konnte den Gewinn von Juli bis September deutlich steigern.

MünchenStarke Zuwächse in der Vermögensverwaltung sowie der Lebens- und Krankenversicherung haben die Allianz im dritten Quartal 2012 angetrieben. In beiden Sparten seien operative Ergebnisverbesserungen von knapp 60 Prozent erzielt worden, teilte Europas größter Versicherer am Freitag mit. Der Umsatz legte knapp fünf Prozent auf 25,2 Milliarden Euro zu. Der Konzern bekräftigte daher seine kürzlich erhöhte Gewinnprognose – trotz voraussichtlicher Belastungen aus dem US-Hurrikan „Sandy“.

Die Lebensversicherung profitierte von einem wesentlich höheren Anlageergebnis. „Im anhaltend schwierigen Marktumfeld für das Lebens- und Krankenversicherungssegment konzentrieren wir uns weiter auf die Qualität unseres Portfolios”, sagte Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte. In dieser Woche hatte die Diskussion die Runde gemacht, dass die anhaltend niedrigen Zinsen einige Lebensversicherer in Deutschland gefährden könnten.

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Viele Lebensversicherer stehen vor ernsten Probleme. Den Schwachen gehen die Reserven aus. Auch die Kunden sind betroffen. Welche Lebensversicherung gut durch die Krise kommt - und welche nicht.

Die Bundesregierung sorgt sich um deren Stabilität. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dem „Handelsblatt“ vorliegt, wird die Schieflage von Instituten nicht ausgeschlossen. Im Falle einer Inflation bestehe sogar die „Gefahr eines Runs“ - eines Wettlaufs aus den dann unattraktiven Policen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten“, heißt es in dem fünfseitigen Protokoll einer Expertenrunde im Finanzministerium.

Die zehn größten Lebensversicherer im Bilanzcheck

Allianz

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 16,004 Milliarden Euro (absolut), 11,1 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 4,799 Milliarden Euro, 259 Prozent der Überschussbeteiligung

Bayern-Versicherung

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,986 Milliarden Euro (absolut), 9,5 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 561 Millionen Euro (absolut), 268 Prozent der Überschussbeteiligung

R+V AG

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 2,694 Milliarden Euro (absolut), 7,1 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 1,951 Milliarden Euro (absolut), 318 Prozent der Überschussbeteiligung

Württembergische

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,652 Milliarden Euro (absolut), 6,6 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 609 Millionen Euro (absolut), 285 Prozent der Überschussbeteiligung

Axa

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,218 Milliarden Euro (absolut), 6,1 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 424 Millionen Euro (absolut), 209 Prozent der Überschussbeteiligung

Ergo

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,995 Milliarden Euro (absolut), 5,1 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 593 Millionen Euro, 152 Prozent der Überschussbeteiligung

Zurich Deutscher Herold

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,466 Milliarden Euro (absolut), 5,0 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 373 Millionen Euro (absolut), 146 Prozent der Überschussbeteiligung

Debeka

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 319 Millionen Euro (absolut), 0,9 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 825 Millionen Euro (absolut), 142 Prozent der Überschussbeteiligung

AachenMünchener

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 139 Millionen Euro (absolut), 0,7 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 229 Millionen Euro (absolut), 91 Prozent der Überschussbeteiligung

Generali

Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): -160 Millionen Euro (absolut), -0,4 Prozent aller Kapitalanlagen

Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 462 Millionen Euro (absolut), 97 Prozent der Überschussbeteiligung

Insgesamt musste die Allianz von Juli bis September deutlich weniger Wertberichtigungen von 56 (Vorjahr 931) Millionen Euro verkraften. Sowohl bei festverzinslichen Wertpapieren als auch Aktien verbesserte sich die Lage spürbar. Die Vermögensverwaltung mit Investments von 1,8 Billionen Euro verdankte ihren Erfolg dem US-Staatsanleihenhändler Pimco, der weltweit wächst.

Im Kernsegment Schaden/Unfall-Versicherung kam die Allianz auf ein operatives Ergebnisplus von gut vier Prozent, weil größere Belastungen durch Naturkatastrophen ausblieben. Die Schaden/Kosten-Quote verbesserte sich um 1,3 Punkte auf 96,3 Prozent. Bei Werten von unter 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und die Verwaltung noch durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Der Versicherer hatte bereits Ende Oktober veröffentlicht, den operativen Quartalsgewinn auf 2,5 (1,9) Milliarden und den Überschuss auf 1,4 Milliarden (258 Millionen) Euro gesteigert zu haben. Die Münchner hatten zudem die Jahresprognose erhöht und rechnen im Tagesgeschäft nun mit mehr als neun Milliarden Euro Gewinn - nach den ersten neun Monaten sind es 7,22 Milliarden. Daran werde voraussichtlich auch der Hurrikan „Sandy“ nichts ändern, hieß es. Eine konkrete Schätzung gab es aber nicht.

Der Wirbelsturm wird den weltgrößten Rückversicherer Munich Re und viele lokale Assekuranzen an der US-Ostküste hart treffen. „Sandy“ hatte auf einer ungewöhnlich breiten Front gewütet und vor allem im gut versicherten New York immense Schäden verursacht.

Von

rtr

Kommentare (6)

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vandale

09.11.2012, 08:03 Uhr

Eine Geldpolitik mit Niedrigstzinsen unter der Inflationsrate war eine Erfindung der Amerikaner zur Bezahlung der Weltkriegskosten. Hierbei werden die künftigen Rentner als Pensionskassenmitglieder, oder Lebensversicherte zu Lasten der Staatsschulden teilweise enteignet.
Die EZB verfolgt mit Unterstützung von Fr. Merkel eine Politik der finanziellen Repression zugunsten der noch höher verschuldeten Staaten Südeuropas.

Die Lebensversicherer die ihren Kunden Zinsgarantien gegeben haben, kommen jetzt in eine kritische Situation. Der Staat kann, sofern er diese Entschuldung zulasten der Sparer weiterführen möchte, die Lebensversicherer opfern mit dem Nachteil, dass diese Kapitalsammelstellen ruiniert werden, er kann die Gesetzgebung zulasten der Versicherten ändern, oder eine Mischung aus Beidem anstreben.

Vandale

meyer2011

09.11.2012, 09:14 Uhr

Ist ja immer wieder bemerkenswert, welchen Blödsinn man hier in Kommentaren lesen musss - und das immer von den gleichen Leuten.

Falsche Aussagen werden nicht richtiger, je öfter man sie verbreitet.

hermann.12

09.11.2012, 10:32 Uhr

Die Politik der niedrigen Zinsen geht zu Lasten aller Geldvermögen, großen wie kleinen.
Und irgenwie muss ja der Geldüberhang abgebaut werden.
Da es alle Geldvermögen gleichermaßen trifft, wird lediglich das abgebaut, was ohnehin nur auf dem Papier existierte.
Das mag so manchem die Erwartungen und Illusionen rauben, ändert aber wenig an den Tatsachen.
Es ist daher auch völliger Unsinn wegen niedriger Zinsen nicht zu sparen oder deshalb Lebensversicherungen zu meiden.
Dahinter steckt der verständliche Versuch sich von der Wertberichtigung der gesamten Volkswirtschaft abzukoppeln.
Das ist allerdings völlig unrealistisch.
Letztlich kann diese Wertberichtigung nicht unterbleiben, sie kommt entweder kontrolliert oder unkontrolliert.
Die Lamentiererei über zukünftige Altersarmut kann ich schon nicht mehr hören, schließlich haben die gleichen Leute in den letzten 40 Jahren alle Warnungen in den Wind geschlagen und fleißig bei Wahlen auf immer höhere versprochene Leistungen gesetzt und jede Konsolidierung verhindert.
Nun ist Zahltag.
Das ist nicht mehr zu ändern. Beeinflussen können wir lediglich nur unsere relative individuelle Situation in der Gesellschaft. Wer mehr zurückgelegt hat, der wird weniger Probleme bekommen als die, die weniger zurückgelegt haben.
Die massive Kritik stellt nur den Versuch dar, an das verbliebene Geld der Sparer heranzukommen, sonst gar nichts.
Denn die Banken und Investmentfonds brauchen Liquidität, die Kritik an den Lebensversicherern dient nur diesem Zweck. Denn wohin sollte das Geld denn sonst fließen?

H.

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