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31.10.2013

18:45 Uhr

Unerlaubte Wettbewerbsvorteile

Debeka-Mitarbeiter bestachen jahrelang Beamte

ExklusivDer Versicherungsbranche droht ein Korruptionsskandal. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, haben Mitarbeiter der Debeka im großen Stil Adressen von Beamten gekauft. Der Konzern zieht nun Konsequenzen.

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen: Sein Unternehmen hat zugegeben, dass Mitarbeiter der Debeka Adressen von angehenden Beamten gekauft haben. dpa

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen: Sein Unternehmen hat zugegeben, dass Mitarbeiter der Debeka Adressen von angehenden Beamten gekauft haben.

DüsseldorfDie traditionsreiche Debeka Versicherung steht vor einem möglichen Korruptionsskandal. Wie das Handelsblatt (Freitagausgabe) von Unternehmensinsidern erfuhr, sollen Debeka-Vertreter jahrelang unter dubiosen Umständen die Adressen von angehenden Beamten angekauft und sich so einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschafft haben. Nach Aussagen von Beteiligten fand die Bestechung auch zwischen 1994 und 1998 statt, als der heutige Vorstandsvorsitzende Uwe Laue den Vertrieb der Debeka leitete.

Auf eine entsprechende Anfrage des Handelsblattes reagierte Debeka am Donnerstag mit einer Pressemitteilung. Vorstandschef Laue gab darin zu, dass „in den 1980er und 1990er Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden.“ Weiter sagte Laue: „Auch der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik. Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein.“

Auf die Frage, ob Laue damit zugebe, dass er Bestechung von Beamten geduldet habe, sagte ein Debeka-Sprecher: „Nein“. Er musste allerdings einräumen, dass es bei der Debeka keinerlei Sanktionen gegen diejenigen gab, die mit Adressen handelten. „Ein solches Fehlverhalten war aber von der Debeka zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen“, sagte der Sprecher. Es sei zu keinem Zeitpunkt zu einem Ankauf von Adressdaten durch die Debeka selbst gekommen.

Die größten privaten Krankenversicherer - Platz 10 bis 1

Barmenia

versichert 306.265 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Seit 2000 hat der Versicherer 1960 Mitgliedern verloren.

HUK-Coburg

versichert 374.021 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 0,93 Milliarden Euro. Seit 2000 hat der Versicherer 156.973 neue Mitglieder anwerben können.

Continentale

versichert 385.600 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Seit 2000 konnten die Versicherer einen Zuwachs von 14.949 neuen Mitgliedern verbuchen.

Versicherungskammer Bayern

versichert 500.496 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 2,05 Milliarden Euro. Die Versicherer konnten seit 2000 einen Zuwachs von 83.375 neuen Mitgliedern verbuchen.

Central

versichert 508.990 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 2,16 Milliarden Euro. Die Mitgliederzahl ist seit 2000 um 123.395 gewachsen.

Signal Iduna (mit Deutscher Ring)

versichert 595.764 Mitglieder und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 2,65 Milliarden Euro. Die Mitgliederzahl ist seit 2000 um 79.636 gewachsen.

Allianz Private

versichert 694.010 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Der Versicherer hat seit 2000 214.066 Mitglieder verloren.

Axa

versichert 737.573 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 2,28 Milliarden Euro. Seit 2000 stieg die Mitgliederzahl um 280.089.

DKV

versichert 911.298 Mitglieder und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 4,76 Milliarden Euro. Seit 2000 haben die Versicherer einen Zuwachs von 54.528 neuen Mitgliedern verbucht.

Debeka

versichert 2.148.964 Mitglieder voll und kassiert Beiträge in Höhe von insgesamt 4,69 Milliarden Euro. Seit 2000 konnte der Versicherer einen Zuwachs von 233.150 Mitgliedern verzeichnen.

Mehrere ehemalige Mitarbeiter der Debeka bezeichneten gegenüber dem Handelsblatt den Adressenkauf als gängige und vertraute Praxis. Einer erklärte an Eides statt, er habe elf Jahre lang Beamtenadressen von seinem Vorgesetzten gekauft. „Ob das legal war oder nicht, habe ich nicht gefragt. Die Adressen kamen ja von meinem Chef. Die waren für uns wie Gold.“

Debeka gab am Donnerstag bekannt, mit sofortiger Wirkung einen neuen Verhaltenskodex für ihre 17.000 Mitarbeiter einzuführen. Die Versicherung bezeichnete die neuen Verhaltensregeln als „zeitgemäß und notwendig – auch weil es in der Vergangenheit zu Verfehlungen kam“.

Die Versicherung hat 1,87 Millionen vollkrankenversicherte Beamte und Angehörige in ihrem Bestand. Die 1905 als Krankenunterstützungskasse für die Gemeindebeamten der Rheinprovinz gegründete Versicherung zählt insgesamt 6,6 Millionen Kunden und verbuchte im vergangenen Jahr 12,8 Milliarden Euro an Beiträgen. Laue leitet er den Vorstand der Debeka seit elf Jahren und feierte vor kurzem sein 40. Dienstjubiläum. Im Juli wurde er Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV).

Von

iw

Kommentare (22)

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Ehmaliger

31.10.2013, 19:51 Uhr

Mich wundert das nicht. Hatte mal eine zeitlang für eine Versicherung - Deutsche Beamtenversicherung - gearbeitet. Wie Mitarbeiter dort mittels Wettbewerb (nicht anders wie in der DDR!) unter Druck gesetzt wurden und bei fehlenden Abschlussvorgaben auch psychisch fertig gemacht wurden war schon skandalös. Wer Geld verdienen wollte mußte skrubellos sein! Und das wird in KEINER Versicherung anders sein! Deshalb ja auch die hohe Fluktation der Aussendienstmitarbeiter. Das halten auf Dauer nur abgebrühte, geldgeile Leute durch. Man musste den Kunden belügen, um zu entsprechend vielen Abschlüssen zu kommen. Den Kunden unsinnige Versicherungen aufschwatzen, nur um Abschlüsse zu tätigen. Mit Seriösität hatte das alles nix mehr zu tun.

Und das Versicherungenskonzerne Adressen kaufen, war kein Geheimnis.

Ich hab da jedenfalls schnell wieder die aufgehört. Ehrlichkeit wurde nämlich nicht belohnt!

FortsetzungsSkandal

31.10.2013, 20:10 Uhr

"Im Juli wurde er Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV)"

Diese Story hat offenbar sogar eine Fortsetzung.

ALGII-Empfänger ohne Krankenversicherungsschutz werden neuerdings nicht mehr automatisch durch die ARGE bei einer gesetzlichen Krankenversicherung als angestellt Versicherte angemeldet.

Das muß man jetzt selbst auf eigene Haftung machen. Und darf DANACH aktiv bei der ARGE einen Halbe-Halbe-Zuschuß dafür beantragen. Die andere Hälfte muß man sich wortwörtlich vom Mund absparen, weil dafür nichts im Futtersack vorgesehen ist.

Mir wurde durch den Leistungs-Sachbearbeiter meines ALGII-Antrags als schuldlos verarmter Gewerbetreibender im Rahmen der mündlichen Erst-Bearbeitung meines Antrags in 10/2013 offenbar routinemäßig der Abschluß einer privaten Krankenversicherung empfohlen.

NUR der Abschluß einer PKV!

Ich bin fünfzig. Das sieht auch jeder, der mir gegenübersitzt und in seinem Beruf täglich mit Menschen umgeht! Außerdem bin ich Krebsveteran, für eine PKV also in Sachen Risiko herzlich uninteressant.

Wohl aber höchst lukrativ für astronomische PKV-Beiträge.

Hauptverkaufsargument für die PKV: Die PKV berechne HartzIV-Empfängern für die Zeit ihrer Bedürftigkeit ja nur den halben Mindestbeitrag. Sei also in diesen meinen Zeiten finanzieller Not durchaus erschwinglich.

Als Grundsicherung im Krankheitsfall.

Also im Grunde auch nur kein Versicherungsschutz. Aber immerhin, dumm,dümmer, deutsch, mit regelmäßig unerbittlichen Beitragszahlungen zugunsten Dritter...

Daß man einmal in die PKV-Falle eingetreten aus dem Vertrag nie wieder friedlich 'rauskommt, hat der Herr lediglich mit den unkenden Worten "Na gut, das ist dann aber ganz alleine IHR Risiko!" kommentiert.

HerrMueller

31.10.2013, 20:57 Uhr

Meine Meinung: Das System private Versicherung für Privatkunden hat versagt. Zu oft werden Kunden übervorteilt. Meine Meinung - Es macht wenige reich: DVAG, AWD, HMI, MEG und wie sie alle heißen.

Ich glaube ein staatliches System würde besser funktionieren. Eventuell tut es auch mehr und ernsthaftere Regulierung und echte Bestrafung von Fehlverhalten.

Ich glaube man sollte den Versicherungen auch die Benutzung des Begriffs beraten verbieten: beraten heißt dort eigentlich verkaufen. Vermögensberater sind schlicht Versicherungsvertreter. Das was dort unter Beratung läuft sind nichts anderes als Darbringen von Verkaufsargumenten.

[...]

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