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13.08.2013

14:42 Uhr

Ungewünschte Aufmerksamkeit

Ein Werbeplakat schockt Altenpfleger

VonJonas Jansen, Till Simon Nagel

Ein Plakat der Deutschen Familienversicherung sorgt für Empörung. Dem Unternehmen ist die missverständliche Botschaft peinlich, doch die Entrüstung ist kaum aufzuhalten. Dabei hing die Werbung wohl nur in einer Filiale.

Sorgte für mächtig Ärger: Das Plakat der Familienversicherung Foto: Caritas-Berufsfachschule Bamberg

Sorgte für mächtig Ärger: Das Plakat der Familienversicherung Foto: Caritas-Berufsfachschule Bamberg

DüsseldorfEs gehört zum guten Ton im Bundestagswahlkampf, mehr Personal für die Pflegebranche zu fordern und für mehr Anerkennung des Pflegeberufs zu werben. SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück lässt das bei kaum einem Auftritt derzeit aus. Er fordert höhere Löhne für die Beschäftigten in Altenheimen und bei Pflegediensten, denn aufgrund geringer Attraktivität des Berufs gebe es häufig keine Bewerber. Auch die Berufsverbände pochen vehement auf solche Verbesserungen. Eine Petition an Gesundheitsminister Bahr fordert „mehr Respekt, Anerkennung und Würde“, zahlreiche Altenpfleger haben in den vergangenen Monaten für mehr Lohn demonstriert.

Die Deutsche Familienversicherung hat sich daher mit einem Werbeplakat auf dünnes Eis begeben. Seit Sonntag macht das Reklameposter die Runde durchs Netz und erntet in großer Zahl böse Kommentare. Der Tenor reicht von Enttäuschung über Verärgerung bis hin zur blanken Wut und Boykottaufrufen gegen das Versicherungsunternehmen. So schreibt etwa Nutzerin Wenke Rost: „Ich kann mir nicht vorstellen das ihrer Firma die Solidarität der gesamten Pflege und somit die Größe der Berufsgruppe nicht bewusst sein sollte. Ich kann als Krankenschwester nur sagen...Sie kommen als Versicherer für mich und meine Familie nicht mehr in Frage!“

Der Grund? Ein Werbeplakat der Familienversicherung, auf dem steht: „Soll Ihre Tochter Altenpflegerin werden oder freie Berufswahl haben?“ Es klingt wie eine Kampagne gegen den Beruf des Altenpflegers. Zuerst gepostet wurde ein Foto der Werbung auf der Facebook-Seite der Caritas-Berufsfachschule für Altenpflege in Bamberg. Eine ehemalige Schülerin hatte das Plakat im Schaufenster eines Versicherungsmaklers entdeckt, dann verärgert ein Foto geschossen und es in das Soziale Netzwerk eingestellt. Eindrucksvoll zeigt sich daran die virale Macht von Bildern im Netz: Die lokale Facebook-Seite hat 170 Fans, ihr Facebook-Post wurde jedoch 1755 Mal geteilt (Stand 13.8.). Auch auf Twitter macht das Bild die Runde:

Und zieht wütende Kommentare nach sich. So schreibt etwa @fraeuleinoy: „Das ist ein ehrenhafter und schwerer Beruf. Die Leute, die das machen, sollten viel mehr gewürdigt werden.“ Das Foto verbreitet sich rasant, da kaum ein Thema so emotional diskutiert wird wie die Frage der Pflegereform und die Anerkennung der Pfleger. Klaus Buck, stellvertretender Direktor der Berufsfachschule für Altenpflege in Bamberg kontaktierte den Bamberger Versicherungsmakler und veröffentlichte die Kommunikation. Er verlieh der digitalen Lawine noch mehr Schwung.

Allerdings ist er selbst überrascht, dass das Foto so weit verbreitet wurde. Dabei kann er die Aufregung verstehen: „Mir ist schon klar, dass man da auch etwas ganz Anderes hinein interpretieren kann“, sagt Buck. „Aber auf den ersten Blick schockt es und wirkt diskriminierend.“ Vielen Bekannten, Schülern und Kollegen sei es ähnlich gegangen. „So etwas kann wirklich nur jemand schreiben, der keine Ahnung vom Beruf des Altenpflegers hat und nicht weiß, was er damit anrichtet“, so Buck.

Kommentare (32)

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Account gelöscht!

13.08.2013, 15:14 Uhr

Ist ja wieder ein Aufreger.

Hab' die Botschaft schon verstanden.

Wer will schon gerne Altenpfleger werden?

Das sind zumeist auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Behörde, in die man als Dauerarbeitsloser reingedrückt wird.

Manche Leute kehren da lieber Straße.

Almoehi

13.08.2013, 15:19 Uhr

Entschuldigung....ich bin einer der unqualifizierten Altenpfleger. Ich verstehe das Plakat, wie alle anderen. Welche ursprüngliche Intention sollte dieses Plakat denn haben? Mit der Bitte um Aufklärung.
Danke

Christine

13.08.2013, 15:28 Uhr

Die Firmenphilosophie der Deutschen Familienversicherung ist eindeutig.

Was ist schon peinlich; Ist uns Sixt mit der Mollath-Werbung peinlich, oder unser Innenminister, der Kanzleramtschef, der Mainzer Bahnhof ...

Manchmal frage ich mich, warum wir nicht schon längst auf der Straße sind und ich wär gern der Hoffnung, dass es die Typen bereuen würden, wenn sie auf "Teufel komm raus" aus Umsatz, Rendite und Machtmissbrauch aus sind

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