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21.10.2014

16:33 Uhr

Unregelmäßigkeiten

Britische Ergo-Tochter DAS beurlaubt Chef

Wieder Ärger bei der Ergo-Versicherung: Wegen einer nicht näher konkretisierten „Untersuchung“, wurde der der Chef der britischen Tochter DAS beurlaubt. Eine Wirtschaftsprüfergesellschaft wurde eingeschaltet.

Der in der Vergangenheit wiederholt in die Schlagzeilen geratene Versicherer Ergo, hat den Chef der britischen Tochter DAS beurlaubt. dpa

Der in der Vergangenheit wiederholt in die Schlagzeilen geratene Versicherer Ergo, hat den Chef der britischen Tochter DAS beurlaubt.

DüsseldorfDer Versicherer Ergo hat den Chef seiner britischen Tochtergesellschaft DAS Legal Expenses Insurance, Paul Asplin, beurlaubt. Bei der britischen Tochter laufe eine interne Untersuchung, teilte der zur Münchner Rück gehörende Versicherungskonzern am Dienstag weiter mit. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sei eingeschaltet worden, es gehe auch um Beziehungen zu einem Dienstleister.

„Die Untersuchung, die wir selbst angestoßen haben, steht derzeit noch am Anfang“ sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Versicherers. Über Dauer und Ausgang könnten noch keine Angaben gemacht werden. DAS-Manager Paul Timmins rücke vorübergehend an die Spitze der britischen Tochter, die rund 700 Mitarbeiter beschäftigt, bis die Untersuchung abgeschlossen sei. Eine Stellungnahme Asplins war zunächst nicht zu erhalten.

Ergo: Chronik eines Skandals

19. Mai

Das Handelsblatt berichtet über die Sex-Reise der Hamburg-Mannheimer (HM) nach Budapest. Die Ergo-Sprecherin Alexandra Klemme räumte daraufhin ein: "Es ist richtig, dass es im Juni 2007 eine Incentive-Reise des HMI-Vertriebs nach Budapest gegeben hat. Unsere Recherchen haben ergeben, dass bei einer Abendveranstaltung im Rahmen dieser Reise ca. 20 Prostituierte anwesend waren. Von öffentlichen Sexdarbietungen ist uns nichts bekannt."

19. Mai

Ergo richtet eine Task-Force zur Aufklärung der Vorgänge ein. Sie wächst im Laufe der kommenden Wochen auf mehr als 100 Mitarbeiter an.

22. Mai

Die "Bild am Sonntag" zeigt Bilder und ein Video von vermeintlich koksenden Versicherungsvertretern der Hamburg-Mannheimer.

23. Mai

Die Ergo erklärt: "Die Berichterstattung in der "Bild"-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sogenannten Top-5-Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase."

24. Mai

Fußballtrainer Jürgen Klopp lässt seinen Werbevertrag mit Ergo (HMI) ruhen. "Was man von dieser Reise liest, kann man nur aufs Schärfste verurteilen", sagt sein Berater Marc Kosicke.

25. Mai

Ergo gibt bekannt, seine Werbekampagne, die allein im Jahr 2010 mehr als 50 Millionen Euro kostete, zu reduzieren.

26. Mai

Auf Youtube taucht eine Parodie auf die jüngste Ergo-Werbekampagne auf. Der Spot wurde bislang fast 200 000-mal angeklickt - vier mal so oft wie das Original.

29. Mai

Die "Welt am Sonntag" berichtet, Ergo habe die Sex-Reise von der Steuer abgesetzt.

1. Juni

Fußballtrainer Jürgen Klopp kündigt seinen Vertrag mit Ergo (HMI).

8. Juni

Der Ergo-Aufsichtsrat tagt und beschließt härtere Compliance-Richtlinien.

9. Juni

Das "Handelsblatt" berichtet, Ergo habe Tausenden von Kunden mit fehlerhaften Riester-Verträgen einen Millionenschaden zugefügt.

10. Juni, morgens

Ergo dementiert das Handelsblatt. Ergo-Sprecher Alexander Becker: "Ein systematischer Fehler hätte sicherlich zu massiven Kundenbeschwerden im Anschluss an die Aushändigung der Policen geführt. Diese sind aber nicht erfolgt. Wir gehen deswegen davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt."

10. Juni, nachmittags

Ergo nimmt das Dementi zurück, löscht die morgendliche Presseerklärung aus dem Netz und gibt zu, dass es bei den Riester-Verträgen einen massiven Fehler gegeben habe.

10. Juni

Ergo-Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Munich Re, Nikolaus von Bomhard, spricht von einem "gravierenden Fehler" und kündigt an, Munich Re werden bei der Aufklärung helfen.

17. Juni

Ergo beziffert die Zahl der geschädigten Kunden auf 14000. Sie sollen jetzt nachträglich entschädigt werden.

Ergo war zuletzt aufgrund von Geschäftsbeziehungen zu dem skandalumwitterten Finanzdienstleister Infinus in die Schlagzeilen geraten. Dies rief auch den Mutterkonzern Münchner Rück auf den Plan: Dass Ergo die Verbindung zu Infinus nicht sofort nach Anzeichen von Unregelmäßigkeiten abgebrochen habe, sei „enttäuschend“, hatte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard gesagt.

Ergo war in der Vergangenheit auch schon aufgrund von Luxusreisen und Bordell-Besuchen seiner Versicherungsvertreter in die Kritik geraten.

Von

rtr

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