Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.06.2016

15:31 Uhr

Unwetter kosten Versicherer Milliarden

Teure Fluten

VonKerstin Leitel

Die heftigen Unwetter in Deutschland haben am Dienstag zumindest kurz pausiert und gaben Zeit für eine Bilanz. Auf die Versicherer kommt nach Hochrechnungen von Experten ein Milliardenschaden zu.

Aufräumarbeiten in Simbach am Inn (Bayern): In der Stadt im Landkreis Rottal-Inn hatte eine Flutwelle mehrere Todesopfer gefordert und große Schäden angerichtet. dpa

Aufräumarbeiten nach dem Unwetter im bayerischen Simbach

Aufräumarbeiten in Simbach am Inn (Bayern): In der Stadt im Landkreis Rottal-Inn hatte eine Flutwelle mehrere Todesopfer gefordert und große Schäden angerichtet.

MünchenÜber Bayern strahlt die Sonne – dabei herrscht in manchen Orten des Bundeslandes Chaos: Straßenzüge sind von dickem, stinkendem Schlamm bedeckt, Menschen schaufeln und versuchen, ihr Hab und Gut von dreckigem Morast zu befreien. Gut eine Woche, nachdem zahlreiche Wohngegenden durch Wassermassen verwüstet wurden, laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Viele freiwillige Helfer sind im Einsatz, sogar die Bundeswehr ist mit Baggern und Schaufeln angerückt.

Die Helfer sind schockiert von dem Anblick, der sich ihnen bietet. „So stellt man sich den Krieg vor“, schildert ein junger Mann im Örtchen Simbach dem Bayerischen Rundfunk. Auch die wirtschaftlichen Schäden der Unwetter sind beträchtlich: Nach Einschätzung der Versicherungsexperten der Ratingagentur Fitch haben die Unwetter der vergangenen zwei Wochen versicherte Schäden von bis zu einer Milliarde Euro verursacht.

Die meisten Schäden werden ihren Prognosen zufolge auf Gebäude-, Hausrat- und Kraftfahrzeugversicherungen sowie in geringerem Umfang die Betriebsunterbrechungsversicherung zukommen. Besonders tief in die Tasche greifen müssen vermutlich die öffentlichen Versicherer, und damit besonders die Versicherungskammer Bayern sowie die SV Sparkassenversicherung, in deren Geschäftsgebiet die von den Unwettern am stärksten heimgesuchten Regionen liegen, wie die Experten sagen. Die SV Sparkassenversicherung rechnet allein mit einer Schadenhöhe im zweistelligen Millionenbereich, wie ein Sprecher dem Handelsblatt sagte.

Dabei kommt die Versicherungsbranche nur für einen Teil der Schäden auf, der gesamte Schaden der Wassermassen dürfte wesentlich höher liegen.

Die größten Versicherer Europas (Beitragseinnahmen 2014)

Platz 10

Mapfre (Spanien)
Beitragseinnahmen 2014: 22,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,6 Prozent
Quelle für alle Angaben: Übersicht von Mapfre.

Platz 9

Aviva (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 27 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 4,1 Prozent

Platz 8

Talanx (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 29 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 3,0 Prozent

Platz 7

Crédit Agricole Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 29,4 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 14,3 Prozent

Platz 6

CNP Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 30,5 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 11,4 Prozent

Platz 5

Zurich (Schweiz)
Beitragseinnahmen 2014: 39,5 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 1,1 Prozent

Platz 4

Prudential (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 40,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 14 Prozent

Platz 3

Generali (Italien)
Beitragseinnahmen 2014: 70,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 6,9 Prozent

Platz 2

Allianz (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 73,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,5 Prozent

Platz 1

Axa (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 86,3 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 0,9 Prozent

Schäden an Gebäuden und am Hausrat, die durch Überschwemmungen oder Hochwasser entstehen, werden als Elementarschäden bezeichnet. Dafür benötigen Immobilienbesitzer eine eigene Elementarschadenversicherung, die mit der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden kann. Nur jede dritte Gebäudeversicherung umfasst auch Elementarschäden.

Aber da viele der nun verursachten Flutschäden in Gegenden verursacht wurden, die nicht als Hochrisikozone angesehen werden, dürften viele Hausbesitzer einfach und zu günstigen Konditionen ihr Hab und Gut versichert haben, meinen die Experten von Fitch. „Insofern könnte der Anteil der versicherten Schäden bei der jetzigen Flut- und Regenwelle höher sein als bei der letzten großen Flutkatastrophe 2013.“ Schäden in der von ihnen erwarteten Größenordnung würden zwar die Gewinne aus dem Versicherungsgeschäft der deutschen Schaden-/Unfallversicherer schmälern, „aber eigentlich keine Bedrohung für die Kreditwürdigkeit darstellen“, schlussfolgert Fitch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×