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03.11.2014

23:28 Uhr

US-Versicherungskonzern

Neuer AIG-Chef Hancock startet mit Gewinnsprung

Dank eines starken Kerngeschäftes legte der US-Versicherungskonzern AIG robuste Geschäftszahlen hin. Der neue Chef Peter Hancock bringt den harten Sanierungskurs seines Vorgängers weiter voran - mit guten Ergebnissen.

Starke Zahlen: US-Versicherer AIG legte einen soliden Quartalsbericht vor. Reuters

Starke Zahlen: US-Versicherer AIG legte einen soliden Quartalsbericht vor.

New YorkDer neue AIG-Chef Peter Hancock kann zum Einstand einen soliden Geschäftsbericht vorlegen. Der US-Versicherer verdiente im dritten Quartal unter dem Strich 2,2 Milliarden Dollar (1,7 Mrd Euro), wie er am Montag in New York mitteilte. Das Ergebnis fiel damit um ein Prozent höher aus als im Vorjahreszeitraum und übertraf die Prognosen der Analysten. Der Umsatz kletterte um zwei Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar und lag ebenfalls etwas über den Erwartungen.

AIG kündigte zudem eine Ausweitung der Aktienrückkäufe um 1,5 Milliarden Dollar an. Die Papiere stiegen nachbörslich leicht. Hancock hatte den Spitzenjob Anfang September von Robert „Bob“ Benmosche übernommen, der das in der Finanzkrise beinahe kollabierte Unternehmen mit einer harten Sanierung wieder auf Kurs gebracht hatte.

Das Milliardengrab AIG

2007:

Vor der Krise war AIG Ende 2007 mit einer Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Dollar der größte Versicherer der Welt. Zum Vergleich: Die Allianz-Gruppe hatte zur gleichen Zeit einen Marktwert von 85 Milliarden Dollar, die Axa-Gruppe von 70 Milliarden Dollar. Mit über 100.000 Mitarbeitern und Vermögenswerten im Wert von mehr als 1 Billion US-Dollar schien AIG nahezu unantastbar.    

2008:

Für das 4. Quartal 2007 muss AIG als Folge der Subprime-Krise rund 11 Milliarden  Dollar auf das Kreditversicherungsportfolio abschreiben. Der Versicherer fährt einen Quartalsverlust von 5,3 Milliarden Dollar ein.

14. September 2008:

AIG bittet die US-amerikanische Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar, um die sonst drohende Abstufung des AIG-Ratings zu verhindern.

16. September 2008:

Die Fed gewährt dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug übernimmt der Staat fast 80 Prozent der AIG-Anteile.

9. Oktober 2008:

AIG bekommt weitere Rettungsgelder vom US-Staat im Wert von 37,8 Milliarden Dollar. Als Sicherheit erhält die Fed festverzinsliche Anleihen im gleichen Wert.

Dezember 2008:

Der Verkauf profitabler AIG-Teile geht voran. Am 22. Dezember 2008 kauft beispielsweise die Münchener Rück den Spezialversicherer HSB Group, einen der Marktführer bei Versicherungen gegen den Ausfall von Maschinen oder technischen Anlagen.

März 2009:

Der Versicherer meldet mit minus 61,7 Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust eines amerikanischen Unternehmens aller Zeiten. Wieder muss der Staat ran: Diesmal gibt es bis zu 30 Milliarden Dollar, dafür bekommt der Staat Anteile an lukrativen Unternehmenssparten von AIG. Im Gesamtjahr habe sich das Minus sogar auf 99,3 Milliarden Dollar belaufen.

Juli 2009:

Der Spiegel bezeichnet AIG als „Die gefährlichste Firma der Welt“ und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, „Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb“. 

März 2011:

Die amerikanischen Steuerzahler mussten mit 182 Milliarden Dollar einspringen - die teuerste Rettungsaktion in der Finanzkrise. Im November hatte das Finanzministerium das ausstehende Investment des Staates auf 120,6 Milliarden Dollar beziffert. Neben dem Ministerium hatte auch die US-Notenbank dem Versicherungskonzern unter die Arme gegriffen.

AIG machte im letzten Quartal vor allem Schlagzeilen durch einen Gerichtsprozess, den der ehemalige Chef Maurice „Hank“ Greenberg gegen das Unternehmen führt. Er fühlt sich als Großaktionär durch die Teilverstaatlichung des Konzerns in der Krise enteignet. Das Unternehmen wurde während der Finanzkrise 2008 von der US-Regierung mit 182 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch gerettet. Die Schulden sind mittlerweile beglichen.

Greenberg ist es nach langen Anstrengungen gelungen, den Fall vor die Richter zu bringen. In den USA ist das öffentliche Interesse groß, angehört wurden unter anderem die wichtigsten Krisenmanager von damals - Ex-Notenbankchef Ben Bernanke und die ehemaligen Finanzminister Henry Paulson und Timothy Geithner.

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