Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2015

20:42 Uhr

Versicherer und Solvency II

Auf dem Weg in eine neue Welt

VonAnke Rezmer

Ab 2016 gelten für Versicherer neue Regeln. Sie müssen ihre Investments mit mehr Kapital unterlegen als bisher. In Zeiten niedriger Zinsen heißt das: Sie müssen stärker in alternative Anlagen und Aktien investieren.

Zwei Drittel der deutschen Versicherer wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr in alternative Anlagen investieren. Knapp die Hälfte plant, mehr Aktien zu kaufen. ap

Andere Richtung

Zwei Drittel der deutschen Versicherer wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr in alternative Anlagen investieren. Knapp die Hälfte plant, mehr Aktien zu kaufen.

FrankfurtFür Versicherer wird sich die Welt vom kommenden Jahr an ein wenig anders drehen. Doch sind die Unternehmen auf die immensen Herausforderungen, auf die sie sich einstellen müssen, nicht gut vorbereitet. Den höheren Kapitalanforderungen nach neuen EU-Vorgaben und Kosten für die Umstellung sehen sich viele bisher nicht gewachsen. Das ergibt eine Umfrage unter 200 Versicherern aus neun Ländern des französischen Vermögensverwalters Natixis Global Asset Management (NGAM).

Im Spannungsfeld strengerer Auflagen und niedriger Kapitalmarktzinsen suchen die Versicherer angestrengt nach akzeptablen Renditen für ihr Vorsorgekapital, ohne ihr Verlustrisiko zu stark erhöhen zu müssen. Das treibt die Geldmanager vor allem in alternative Anlagen, aber auch in Aktien.

Die größten Lebensversicherer in Deutschland (nach Bruttobeiträgen)

Platz 10

Nürnberger Versicherung

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 9

Bayern-Versicherung

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 8

Axa

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 7

Ergo

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 6

Generali

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: fünf Prozent)

Platz 5

Debeka

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 4

Zurich

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 3

Aachen Münchener

Marktanteil 2014: sechs Prozent (2013: fünf Prozent)

Platz 2

R+V

Marktanteil 2014: sechs Prozent (2013: sechs Prozent)

Platz 1

Allianz

Marktanteil 2014: 21 Prozent (2013: 19 Prozent)

Quelle

Quelle: Map-Report

Alle Angaben beziehen sich auf die verdienten Bruttobeiträge im Lebensversicherungsgeschäft.

Die neuen Kapitalregeln für Versicherer der EU nach der sogenannten Solvency II-Richtlinie sind eine „dynamische Reform“, nicht einfach ein neuer Blick auf die Bilanz, erklärt Fabrice Chemouny, Vertriebschef für institutionelle Kunden bei NGAM. Daher müsse das Risikoprofil der Versicherer neu bemessen werden: Wenn etwa die Kapitalmarktzinsen innerhalb eines Jahres abrupt steigen würden, hätte das massive Folgen für deren Bilanzen und deren Kapital, wie er sagt. Versicherer müssten im Prinzip die Entwicklung der Risiken abschätzen können, meint Chemouny.

Überschussbeteiligung sinkt: Allianz-Lebensversicherungen werfen weniger ab

Überschussbeteiligung sinkt

Allianz-Lebensversicherungen werfen weniger ab

Die Allianz hält nicht mehr viel von der klassischen Lebensversicherung, die lange Jahrzehnte der Verkaufsschlager der Branche war. Und die Kunden müssen sich von der Vier vor dem Komma bei der Verzinsung verabschieden.

Von 2016 an müssen Versicherer ihre Kapitaldecke stärker an den Risiken in ihrer Bilanz ausrichten und damit tendenziell höhere Kapitalrücklagen bilden. Formal gilt allerdings eine Übergangsfrist von 16 Jahren.

Zwei Drittel der befragten Versicherer aus Europa und den USA meinen, nicht genügend darauf vorbereitet zu sein. In den USA und Großbritannien halten sich sogar drei Viertel der pro Land befragten 40 Assekuranzen für nicht gut präpariert, in Deutschland 60 Prozent. Das betrifft die härteren Kapitalauflagen sowie Kosten für strengeres Risikomanagement oder Berichtswesen.

Angesichts der neuen Auflagen und der anhaltend niedrigen Zinsen findet eine große Mehrheit der Befragten es immer schwieriger, ausreichend Rendite zur Finanzierung ihrer Verpflichtungen gegenüber den Versicherten zu erzielen. Als Ausweg wollen die Versicherer deutlich mehr Kapital in sogenannte alternative Anlagen investieren.

Gefragt sind nach Aussage von Natixis-Mann Chemouny vor allem Private Equity, Infrastrukturanlagen und Hedgefonds. Innerhalb der Anlageklasse Anleihen versuchten sie, höhere Renditen mit Hochzinspapieren, Schwellenländerbonds oder Firmen-, Infrastruktur- oder Immobilienkrediten zu erreichen, sagt er. Das gelinge aber nicht, ohne ihr Risikobudget zu erhöhen, mahnt er.

Nominalzins vs Realzins

Nominalzins

Der nominale Zins beschreibt die Zinszahlung im Verhältnis zum Nennwert.

Ein Beispiel: 1000 Euro (Nennwert) plus 1 Prozent (Nominalzins auf den Nennwert) = 1010 Euro.

Der gezahlte Nominalzins beträgt 10 Euro.

Realzins

Der reale Zins zieht die Entwicklung der Inflation in Betracht – steigen die Preise für Güter und Dienstleistungen, haben erzielte Zinsen einen geringeren Wert.

Nährungsweise ergibt sich der Realzins aus der Differenz des Nominalzinses und der Inflation.

Beispiel: 1000 Euro (Nennwert) + 1 Prozent (Nominalzins auf den Nennwert) - 0,8 Prozent Inflation = 1000 Euro + 10 Euro - 8 Euro = 1002 Euro.

Der reale Zins beträgt 0,2 Prozent.

58 Prozent der Versicherer wollen in den kommenden zwölf Monaten alternative Anlagen ausbauen, in Deutschland sogar zwei Drittel. Und knapp die Hälfte plant, mehr Aktien zu kaufen. Den der Anlageklasse der globalen Aktien trauen die Versicherer im kommenden Jahr die höchsten Renditen zu.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×