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20.06.2011

09:54 Uhr

Versicherer

Warum Munich Re mit Ergo nie glücklich wurde

VonThomas Schmitt

Der Skandal um Sex-Partys und zu teuer berechnete Riester-Verträge bei Ergo erreicht die Konzernmutter Munich Re. Wie die Firmen zusammenhängen und warum Ergo seine groß angelegte Werbekampagne stoppte.

Ergo-Zentrale in Düsseldorf. Quelle: dapd

Ergo-Zentrale in Düsseldorf.

FrankfurtErgo als Unternehmen gibt es erst seit 1997. Doch die Geschichte der Versicherungsgruppe beginnt eigentlich 1992. Damals ordnete die Münchener Rück, die sich heute Munich Re nennt, ihre Beteiligungen an verschiedenen Versicherern. Die Münchener übernahmen unter anderem die Mehrheit an dem Lebensversicherer Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG, also jener Gesellschaft, deren Vertreter im Juni 2007 eine Sex-Party in Budapest, feierten.

Ende der neunziger Jahre bildete die Hamburg-Mannheimer mit der Werbefigur „Herr Kaiser“ einen der Grundpfeiler der Ergo. Um das Geschäft mit Privatkunden besser zu steuern, sammelte Munich Re alle seine Versicherungen unter einem Dach – der Ergo. An der neuen Gruppe hielt der Rückversicherer zunächst gut die Hälfte der Aktien. Nach und nach wurde die Beteiligung aufgestockt, erst 2010 Jahr wurden die verbliebenen Minderheitsaktionäre hinausgedrängt.

Der Name Ergo spielte gut ein Jahrzehnt jedoch so gut wie keine Rolle, verkauft wurden die Versicherungen der Gruppe weiter unter den etablierten Markennamen. Dazu zählt in der Krankenversicherung die DKV. Sach- und Lebensversicherungen bot die Ergo auch unter dem Label Victoria an, Rechtsschutzversicherungen vertrieb die DAS.

All diese Unternehmen und ihre Vertriebe agieren im Massengeschäft mit Privatkunden, während ein Rückversicherer traditionell nur mit einer vergleichsweise übersichtlichen Zahl von Firmenkunden zusammenarbeitet. Von Anfang an nannte das Management Risikostreuung als wichtigen Grund für die Expansion in das Geschäft mit Privatkunden. Schließlich kann eine einzige große Katastrophe wie zuletzt in Japan einem Rückversicherer schnell die Bilanz verhageln.

Richtig glücklich wurde Munich Re mit der Ergo aber nie. Betrachtet man den Umsatz, so ist Ergo nach der Allianz und der Generali Deutschland die Nummer drei im deutschen Markt. Bezieht man das Auslandsgeschäft mit ein, so darf sich Ergo als zweitgrößter deutscher Erstversicherer bezeichnen. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 50 000 Menschen und nimmt im Jahr über 20 Milliarden Euro an Prämien ein.

Kommentare (1)

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Sylvia

20.06.2011, 12:45 Uhr

Hauptsache, Großfirma kauft sich größer und größer.

Wie viele Fusionen richten denn längerfristig mehr Schaden als Nutzen an? Ich erinnere mich da an Statistiken von um die 80% versagender Fusionen? Sofern man die Folgekosten alle auch später zu den korrekten Erlöskonten verbucht? Und daraus resultierende Provisionen und Boni dann nachträglich entsprechend kürzen würde?

Warum kann man nicht wachsen, indem man in Vorhandenes, Funktionierendes reinvestiert? In Neuerungen zum Kundennutzen, nach Kundenwunsch? Warum kann man nicht mit echter Qualität Mehrnutzen UND Umsatzplus erzeugen?

Weil eine profitierende Minderheit auf völlig überzogene Managergehälter, Dividenden und Boni nicht verzichten will?

Irgendwann folgen nachhaltig vergraulte Kunden ... und dann ist das Jammern groß. Dazu gab es vor einigen Wochen in noch lesenswerten Zeitschriften bereits ansetzendes Klagen, dass nun in Deutschland die Markentreue ach so leide.

Woher das wohl kommt? Ein Endverbraucher, dem Staat schon immer weniger in der Tasche lässt, wird vermehrt seine Lieferanten auch nach realem Leistungs- / Preisverhältnis selektieren.Das richtet dann u. U. auch keine noch so teuere Marketing-Kampagne mehr.

Dreimal, viermal billig aufgrund deutlich verkürzter Nutzungsdauer der Produkte statt einmal solide Ware? Also ich persönlich kann mir ersteres nicht leisten. Zumal die ständigen Ersatzkäufe einiges an Ärger und Zeit kosten.

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