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30.09.2011

15:18 Uhr

Versicherer

Wohin mit dem ganzen Geld?

VonMichael Detering

In der Schuldenkrise wird es für die Versicherer immer schwerer, sichere Anlagen für die Gelder ihrer Kunden zu finden. Deshalb müssen sie ihre Strategien überdenken. Ist das Geld bei Firmen oder Staaten anzulegen?

Die Tresore der Versicherer sind zwar inzwischen deutlich sicherer als dieses historische Modell - dafür lässt die Sicherheit der Anlagen zu wünschen übrig. AFP

Die Tresore der Versicherer sind zwar inzwischen deutlich sicherer als dieses historische Modell - dafür lässt die Sicherheit der Anlagen zu wünschen übrig.

FrankfurtDie Versicherer bewegen Geld, viel Geld. Rund 1,4 Billionen Euro haben die deutschen Versicherer an den Kapitalmärkten angelegt. Sie sind damit ein wichtiger Finanzierer von Unternehmen, Banken und Staaten. Doch die Anlageentscheidungen werden immer schwieriger: Wo kann man bei der Krise an den Finanzmärkten noch sicher und halbwegs rentabel das Geld der Kunden anlegen?

"Wir haben so etwas wie einen Anlagenotstand", sagt der Chef der Württembergischen Lebensversicherung, Norbert Heinen. Und auch der Schweizer Rückversicherer Swiss Re wird deutlich: "Das Rekordtief bei den Zinsen ist der größte Schock für die Branche in den letzten drei Jahren gewesen."

Wenn die Krise, aber auch neue Aufsichtsregeln das Anlageverhalten der Versicherer verändern, kann dies weitreichende Folgen für Staaten, Unternehmen und Banken haben. Die Versicherer stecken dabei in der Zwickmühle: Einerseits hält sie die Schuldenkrise vom Kauf mancher Staatsanleihen ab, entweder weil sie riskant sind oder wenig Zinsen bringen. Andererseits setzen die neuen Aufsichtsregeln Solvency II, die ab 2013 gelten werden, klare Anreize, eher in europäische Staatsanleihen zu investieren als in Bank- und Unternehmensanleihen oder Aktien.

Dieses Fazit zog die Ratingagentur Standard & Poor's: Die anstehende Einführung strengerer regulatorischer Rahmenbedingungen für Banken und Versicherungen würden wahrscheinlich die Kreditaufnahme für europäische Unternehmen stärker verteuern als für Unternehmen in den USA. "Aufgrund unserer Simulationen und bestimmter Annahmen kommen wir zu dem Ergebnis, dass die zusätzlichen Kosten für die Kreditaufnahme von Unternehmen in der Euro-Zone sehr hoch wären und sich zwischen 30 Milliarden und 50 Milliarden Euro pro Jahr bewegen könnten, wenn die Regulierungen umfassend umgesetzt sind", sagt Blaise Ganguin, Standard & Poor's Chief Credit Officer für Europa.

Eine 2-Euro Münze. dpa

Eine 2-Euro Münze.

"Die Folgen von Solvency II für den Markt für Unternehmensanleihen sind womöglich signifikant", urteilt auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Historisch gesehen, seien die Versicherer in diesem Bereich immer ein großer Investor gewesen. Sie hielten mehr als 30 Prozent der angebotenen Unternehmensanleihen, schreiben die Autoren, wobei sie unter Unternehmensanleihen auch Covered Bonds fassen, also mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckte Anleihen von Banken. Gerade für lang laufende und schlechter bewertete Unternehmensanleihen müsste künftig so viel Kapital vorgehalten werden, dass sie unattraktiv werden könnten, befürchten die Experten.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

30.09.2011, 15:36 Uhr

Ganz einfach. Chinesische Sachwerte, wie Solaraktien gibts zur Zeit für einen Kurs/Buchwert von 0,3 und einem KGV von 2.
Das ist faktor 5 unterbewertet im Vergleich mit Chinesischen und amerikanischen Aktien, die in den Schuldenwährungen $ und Euro gehandelt werden.

stef23

30.09.2011, 15:45 Uhr

...genau, Staaten sind nicht sicher. Und in einem intranspartenten Produkt, wie einer Lebensversicherung, wird von Anfang an der Erfog vereitelt. Staaten und Unternehmen haben Probleme sich am Leben zu erhalten, weil die Gesamtverschuldung immer weiter anwächst. Die Bürger schaffen ab einen gewissen Punkt, in Griechenland schon lange erreicht, es nicht mehr die Zinsen zu zahlen. Von der Tilgung der Gesamtschuld ist ohnehin nicht mehr zu sprechen. Sehr interessant ist hierzu das Buch Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem, welches genau aufzeigt, wie die Staaten in Verbindung mit Zentralbanken dafür sorgen, dass die Verschuldung nicht mehr wächst - sondern expolodiert. Sehr lesenswert. Der Autor stellt auch ein neues Wirtschaftssystem vor, welches ohne den Systemfehler Zins auskommen kann.

lowabras

30.09.2011, 16:07 Uhr

Toll, dann hat wenigstens dieser staatloch genehmigte Betrug endlich mal sein Ende in Aussicht. Sicher werden dann die Politmarionetten auch noch einen rettungsschirm fuer diese Verbrecher erfinden! Wenn nicht, so waere es ein Wunder!

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