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27.03.2013

15:37 Uhr

Versicherung in der Krise

Ergo setzt den Stellenabbau fort

Die Niedrigzinsen setzen den Versicherungskonzern Ergo unter Druck. Vor allem in der Lebensversicherung schwächelt der Versicherungsriese. Ein weiterer Stellenabbau in den kommenden Jahren ist wahrscheinlich.

Ergo-Vorstandschef  Torsten Oletzky bleibt fünf weitere Jahre im Amt. obs

Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky bleibt fünf weitere Jahre im Amt.

KölnTorsten Oletzky ist kein Schön-Wetter-Manager. Der 46-jährige Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Versicherers Ergo hat in den vergangenen Jahren in seinem Konzern all das erlebt, was Kollegen aus seiner und anderen Branchen um alles in der Welt vermeiden wollen: Sex-Skandale, Kundenbetrug und nicht zuletzt lang anhaltende Kritik an seiner Person. Wenn Oletzky irgendwann beschlossen hätte, all das nicht mehr mitzumachen – irgendwo hätten da wahrscheinlich viele Verständnis gezeigt.

 

Der ehemalige Mc-Kinsey-Berater sieht das jedoch anders. Erst vorige Woche bestätigte der Ergo-Aufsichtsrat Oletzky für weitere fünf Jahre im Amt. Und obwohl das Ergebnis aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr eher dürftig aussieht, findet er in seinem Vorwort Platz für Positives: "Das Jahr 2012 war für Ergo kein leichtes Jahr, aber wir haben viele Themen gut vorangebracht."

Die Niedrigzinsen an den Finanzmärkten nagen weiter am Ergebnis der Versicherungsgruppe - nun müssen weitere Arbeitsplätze gestrichen werden. Neben dem bereits beschlossenen Abbau von 1350 Stellen im Vertrieb stehen auch bis zu 600 Stellen im Innendienst auf der Kippe. Der Düsseldorfer Konzern leidet unter einem schwachen Geschäft bei seinem Standbein Lebensversicherungen. Mit neuen Produkten soll der Abwärtstrend gestoppt werden. Im deutschen Heimatmarkt schrieb Ergo in der Lebensversicherung 2012 sogar rote Zahlen, wie aus der am Mittwoch in Düsseldorf vorgelegten Jahresbilanz hervorgeht. Neue Produkte sollen die Beitragseinnahmen in dem Bereich stabilisieren.

Ergo entdeckt weitere Lustreisen

„Kleine Clubreise“

Die Top-Five-Clubreise nach Mallorca (kleine Clubreise) hat in der Zeit vom 12.09. - 15.09.2005 stattgefunden und wurde von Herrn Lange in seiner Funktion als Leiter der HMI-Vertriebsorganisation begleitet.

„In HMI-Eigenregie organisiert“

Insgesamt werden angabegemäß je Jahr eine „große“ und zwei „kleine“ Top-Five-Clubreisen in Eigenregie von der Vertriebsdirektion HMI (VDHMI) organisiert, durchgeführt und über eigene Kostenstellen abgewickelt.

Leicht bekleidete „Mädels“

Als sie den Club betreten hätten, seien er und andere überrascht gewesen, weil im Tresenbereich leicht bekleidete „Mädels“ gestanden hätten. Einige, zu denen er gehörte, seien dann ca. nach einer Stunde zurückgefahren, andere seien dort geblieben.

„Aufwendungen für einen Bordellbesuch“

Aufgrund der vorliegenden Information ist es aus Sicht von REV (Revision) wahrscheinlich, dass mit den beiden von Herrn Lange eingereichten Bewirtungsbelegen über gesamt 2428 Euro Aufwendungen für einen Nachtclub/Bordellbesuch finanziert wurden.

„Mexxaton“

Auf beiden Belegen ist im Kopf der Name „Mexxaton“ vermerkt, bei dem es sich anscheinend um die Lokalität handeln soll, von der sie ausgestellt wurden. Auf dem Beleg über € 1508 ist zusätzlich das Datum „15.09.05“ vermerkt, während der andere kein Datum trägt. Weitere Angaben z.B. zum Aussteller befinden sich nicht darauf.

Lokalität vor Ort unbekannt

Eine Lokalität mit dem Namen „Mexxaton“ auf Mallorca haben wir weder bei unseren Internetrecherchen gefunden noch war sie der vor Ort vertrauten Reiseagentur bzw. dem Hotel oder Reiseteilnehmern bekannt.

Rechnung in den frühen Morgenstunden

Das Datum auf dem Beleg über € 1508 wäre allenfalls plausibel, wenn die Rechnung in den frühen Morgenstunden ausgestellt wurde, da am 15.09.05 der Abreisetag war.

Keine Aussage zu „Zweckformbelegen“

Wir haben am 10.06.2011 Herrn Lange telefonisch zu dem Vorgang befragt. Er erinnerte die Reise zwar, gab aber an, die Gruppe nicht in ein Bordell eingeladen zu haben. Zu den „Zweckformbelegen“ und dem Namen „Mexxaton“ könne er aber nichts sagen.

Vergleichbare Aktivitäten in Südamerika

Im Zusammenhang mit der Prüfung zu dem HMI-Sonderwettbewerb - Budapest 2007 („Party Total“) sind die auf den Gewinner- bzw. Teilnehmerlisten aufgeführten Personen von der Konzernrevision zur Teilnahme und ggf. weiteren Details befragt worden. Dabei ist von einer Person der Hinweis geäußert worden, dass es auf einer Wettbewerbsveranstaltung der HMI nach Südamerika zu vergleichbaren Aktivitäten gekommen sei.

„Swinger-Hotel“

Auf Nachfrage wurde der Hinweis dahingehend ergänzt, dass eine HMI-Geschäftsstelle in Frankfurt im Januar/Februar 2011 eine Wettbewerbsreise in ein „Swinger-Hotel“ in Jamaika durchgeführt habe.

Wettbewerbsreisen ins Hedonism II

Die von Herrn M. geleitete Geschäftsstelle in Frankfurt hat in den Jahren 2009 und 2011 jeweils Wettbewerbsreisen nach Jamaika in das „Swinger-Hotel“ Hedonism II (www.hedonism-resorts.de) durchgeführt.

Reiseziel für entsprechend Interessierte

Das Hotel ist gemäß Internet-Recherche ein bekanntes Reiseziel für entsprechend interessierte Personen.

Reiseunterlagen zur Genehmigung vorgelegt

Vor Buchung der Reise sind die Reiseunterlagen gem. Richtlinie zum Generalstrukturen-Reisewettbewerb (GRW) der abrechnenden Stelle PVH5HH per Mail zur Genehmigung vorgelegt worden.

Entscheidung für günstigste Variante

Von der Geschäftsstelle wurden insgesamt drei Angebote von unterschiedlichen Hotels eingeholt und es wurde mitgeteilt, dass man sich für die dritte, günstigste Variante mit der Hotelkombination Mariott am Time Square und dem Hedonism II auf Jamaika entschieden hatte.

Vor 25 Jahren im selben Hotel

Als Grund für die Buchung gab er an, dass seine erste Wettbewerbsreise vor 25 Jahren in dasselbe Hotel geführt habe.

Widersprach schon damals den Regeln

Nach allem, was Ergo heute bekannt ist, war diese Veranstaltung ein Einzelfall und widersprach schon damals den Regeln, die für die Organisation von Wettbewerbs-Reisen gelten.

„Playboy-Bunnys“ in der Anlage

Herr P. verwies darauf, dass sich zur selben Zeit das Magazin „Playboy“ mit „Bunnys“ zwecks eines Fotoshootings in der Anlage aufhielt.

Fotos oben ohne

In diesem Zusammenhang seien auch Fotos mit Teilnehmern und den Models (teilweise ohne Oberteil) aufgenommen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass diese Fotos an die Öffentlichkeit gelangten.

Vorstandschef Torsten Oletzky geht zwar davon aus, dass im Bereich Lebensversicherung/Altersvorsorge in Deutschland 2013 voraussichtlich eine leicht positive Zahl stehen kann. Der Verlust von neun Millionen Euro 2012 sei auch auf die Kosten des Stellenabbaus zurückzuführen. „Das ändert aber nichts daran, dass die Ertragslage in der deutschen Lebensversicherung im aktuellen Zinsumfeld absolut kritisch ist. Und dass tatsächlich sich, richtig gerechnet, kein Geld damit verdienen lässt“, betonte Oletzky. Die niedrigen Zinsen und das billige Geld seien für die Bankenrettung und hoch verschuldete Länder hilfreich. Sie bedeuteten aber keine gute Nachricht für Sparer und Versicherte.

Die Beitragseinnahmen brachen 2012 um 1,7 Milliarden Euro oder 8,4 Prozent auf knapp 18,6 Milliarden Euro ein. Davon gehen gut 1,2 Milliarden Euro auf den Verkauf von Töchtern, insbesondere der ausländischen Gesundheitsversicherer, zurück. Fast eine halbe Milliarde Euro weniger nahm Ergo in ihren bestehenden Aktivitäten ein. Die Einnahmen im Bereich Lebensversicherung und Altersvorsorge in Deutschland sanken 2012 um 4,1 Prozent auf knapp 4,6 Milliarden Euro. Im Neugeschäft beträgt der Rückgang bei laufenden Beiträgen 3,2 Prozent. Das Neugeschäft mit Einmalbeiträgen sank fast um ein Viertel. Man wolle nicht kurzfristig orientierte Anleger anziehen.

Für das laufende Jahr peilt Ergo einen Gewinn zwischen 350 bis 450 Millionen Euro an. 2012 war der Gewinn - wie bereits durch die Bilanz der Mutter Munich Re bekannt - um gut 17 Prozent auf 289 Millionen Euro geschrumpft. Rückstellungen für den Umbau des Vertriebs hatten den Gewinn mit 128 Millionen Euro belastet. Bei den Beitragseinnahmen erwartet Ergo 2013 ungefähr 18,5 Milliarden Euro und damit etwa ähnlich viel wie 2012. Die Zahl der Mitarbeiter sank im vergangenen Jahr um gut 1500 auf knapp 29 800. Die Zahl der hauptberuflichen Vertreter nahm um gut 1200 auf knapp 17 900 ebenfalls deutlich ab.



Kommentare (6)

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Account gelöscht!

27.03.2013, 16:08 Uhr

entlassen werden diejenigen, die andere den letzten Spar Cent abgenupft haben um selbst in Luxus zu Leben!

Account gelöscht!

27.03.2013, 16:53 Uhr

Blödsinn, ein Innendienstangestellter lebt nicht im Luxus. Das ist ein Job, wie jeder andere. Welches Weltbild haben Sie?

FunnyvanDannen

27.03.2013, 17:10 Uhr

Ergo Verischerungsgruppe

–> http://www.youtube.com/watch?v=Tj6pl5zZotU

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