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28.08.2012

10:27 Uhr

Versicherungen

Die Schutzengel am Filmset

VonSebastian Kirsch

Bei ZDF-Dreharbeiten schoss der Schauspieler Edgar Selge versehentlich einen Kollegen an. Die Produktion musste gestoppt werden. Das wirft den Drehplan durcheinander und kostet. Filmversicherungen übernehmen den Schaden.

Edgar Selge (hier bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2011) schoss bei Dreharbeiten versehentlich seinen Kollegen an. Seine Agentur ließ gegenüber der DPA erklären, dass er nach ausführlicher Einweisung davon ausgehen musste, dass die Pistole nicht geladen war. Es tue ihm unendlich leid. dpa - picture-alliance

Edgar Selge (hier bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2011) schoss bei Dreharbeiten versehentlich seinen Kollegen an. Seine Agentur ließ gegenüber der DPA erklären, dass er nach ausführlicher Einweisung davon ausgehen musste, dass die Pistole nicht geladen war. Es tue ihm unendlich leid.

DüsseldorfHotels werden gebucht, Kameras ausgeliehen, Schauspieler unter Vertrag genommen. Schon lange vor Drehbeginn wird das umfangreiche Budget für Filmproduktionen verplant. Wenn etwas schiefgeht, wie jetzt der Unfall bei den Dreharbeiten für einen ZDF-Krimi am Chiemsee, folgt oft ein ganzer Rattenschwanz an Mehrkosten.

Damit die Produzenten und Finanziers der Fernseh- oder Kinofilme nicht auf den Kosten sitzen bleiben, schließen sie eine Filmversicherung ab. Diese gibt es von speziellen Anbietern, wie der Deutschen Filmversicherungsgemeinschaft (DFG). Sie stellt als Assekuradeur, oder Versicherungsvertreter, nach eigenen Angaben rund 40 Prozent aller deutschen Filmpolicen aus. Dahinter stehen die großen Versicherungsunternehmen wie die Allianz zur Schadensdeckung. Die ist auch in den USA Marktführer mit ihrer Tochter Fireman's Fund.

Was Filmversicherungen abdecken

Completion Bond

Droht einem Film vor der Fertigstellung das Ende, könnte das einen großen finanziellen Verlust für die Geldgeber und Produzenten bedeuten. Die Versicherung sorgt bei Abschluss eines Completion Bonds dafür, dass ein Film in jedem Fall fertiggestellt wird –  auch mit eigenen Produktionsteams der Versicherung. Ist das nicht möglich, werden die Investitionen erstattet.

Errors und Omission

Diese Police ist hauptsächlich dann nötig, wenn die Filmrechte auf dem US- oder Weltmarkt gehandelt werden sollen. Wenn Filminhalte einmal zur Verletzung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten oder Verleumdung führen, sind die Kosten für Klagen, eine Rechtsstreit oder den Prozess abgesichert.

Filmpaket

Filmproduzenten bekommen üblicherweise von ihren Maklern eine Bündelpolice angeboten. Diese enthält unter anderem Versicherungsteile zur Deckung von Personenausfall, Schäden an Geräten und Requisite und des Filmmaterials. Auch eine Haftpflichtversicherung gehört zum Filmpaket.

Filmpaket - Personenausfall

Regisseure und Hauptdarsteller sind oft nicht zu ersetzen. Sollten sie kurzzeitig krank werden, sich verletzen oder für die Produktion ganz ausfallen, kann die Versicherung die entstehenden Schäden übernehmen. Oft entscheiden sich Produzenten dafür, nur die Schauspieler in den Hauptrollen zu versichern.

Filmpaket - Sachausfall

Werden Gebäude, Requisiten oder Dekoration beschädigt und halten den Filmdreh auf, deckt die Versicherung Mehrkosten ab und übernimmt die Ausfallkosten bei einem Drehstopp.

Filmpaket - Geräteversicherung

Ohne Kamera und Licht auch keine Action. Mit der Geräteversicherung werden Schäden am Equipment abgedeckt, für Produzenten wie Verleiher.

Filmpaket - Datenträger

Das Filmnegativ und der bereits entwickelte Film werden hier abgedeckt; auch die Speicherkarten bei der Produktion von Digitalfilmen. Selbst das Löschen eines Videobandes wird als Schaden anerkannt.

Kommt es zu einem Unfall, müssen Sachverständige wie Bernd Scherer den Hergang prüfen und die Fortsetzung der Dreharbeiten planen. Scherer ist seit mehr als 25 Jahren in der Filmbranche tätig. Er prüft auch den Unfall am ZDF-Set. Nach dpa-Informationen schoss Edgar Selge mit einer Gaspistole aus unmittelbarer Nähe auf seinen Schauspielkollegen, wie im Drehbuch geplant. Dass die Pistole mit einer Platzpatrone geladen war, wohl nicht.

Nach kurzer Behandlung im Krankenhaus konnte der verletzte Schauspieler Max Schmidt aber wieder entlassen werden. Versicherungstechnisch sei das kein großes Problem, sagt der Sachverständige Scherer. „Es wird lediglich ein Nachholpensum von knapp einem Drehtag anfallen.“

Ein verlorener Drehtag kann in Deutschland zusätzliche Kosten von 25.000 Euro bis zu 80.000 Euro bedeuten, je nach Aufwand. In so einem Fall setzt sich der Sachverständige mit dem Produktionsteam zusammen und versucht den Drehplan neu zu organisieren, um den Schaden möglichst gering zu halten. Auch die Produzenten haben in Deutschland eine Schadenminderungspflicht. Die Beine hochlegen und abkassieren, wenn ein Regisseur oder Darsteller erkrankt, können sie nicht.

Wollen sie aber auch nicht. Beide Seiten, Versicherer und Produzenten betonen die gute Zusammenarbeit im Schadensfall. Christian Becker, der mit seiner Produktionsfirma Rat Pack unter anderem Filme wie „Der Wixxer“ ins Kino gebracht hat, bestätigt: „Bei Schadensfällen, der Vermeidung, Behebung und Abwicklung läuft erstaunlicherweise alles Hand in Hand. In der privaten Haftpflicht ist das viel schwieriger.“ Auch von den sehr erfahrenen Sachverständigen könne er als Produzent oft noch dazulernen. Dennoch: nicht alle Risiken lassen sich versichern.

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