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30.11.2011

14:32 Uhr

Versicherungen

Griechenland macht Versicherer bang

VonThomas Schmitt

Aufgrund der hohen Ausfallrisiken in Griechenland senken Versicherer ihre Schutzstandards für Exportwaren. Einzelne vermelden bereits gestiegene Zahlungsausfälle und wollen sich komplett aus der Region zurückziehen.

Lieferungen für Griechenland sind riskant. Ersten Versicherern wird das Geschäft zu heiß. ap

Lieferungen für Griechenland sind riskant. Ersten Versicherern wird das Geschäft zu heiß.

DüsseldorfDer Kreditversicherer Coface schränkt sein Geschäft mit Griechenland ein. „Wir haben unseren Kunden mitgeteilt, dass wir derzeit keine Limite auf Abnehmer in Griechenland zeichnen“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Bereits übernommene Deckungen gelten im Nachlauf noch 30 Tage. So haben Versicherungsnehmer etwas Zeit, um sich auf die neue Lage einzustellen und mit ihren Kunden zu sprechen.

Insgesamt sei das Verständnis groß, sagte der Sprecher, denn die Situation in Griechenland sei „nicht steuerbar“. Für deutsche Unternehmen bestehe in Griechenland ein sehr hohes wirtschaftliches und politisches Gefahrenpotenzial, das dem Versicherer „ein weiteres Engagement momentan nicht mehr ermöglicht“. Die wirtschaftliche und politische Situation sei nicht mehr überschaubar, die kurzfristige Entwicklung nicht vorhersehbar.

Die negativen Auswirkungen der Finanzprobleme auf die Unternehmen sind für Coface klar erkennbar: „Wir verzeichnen deutlich mehr Zahlungsausfälle in Griechenland mit zunehmender Dynamik.“ Die Risiken verschöben sich in den „hochriskanten Bereich“, und es gebe keine Anzeichen auf ein Abschwächen der negativen Bewegung - im Gegenteil.

Coface will so Warner und Schadenverhüter zugleich sein. Es gehe letztlich auch um das Geld der Kunden. „Wir können und wollen sie nicht sehenden Auges in unkalkulierbare Risiken steuern. Risiken müssen kalkulierbar bleiben. Das ist in Griechenland derzeit nicht mehr gegeben“, teilte Coface mit. Man fahre lieber eine klare Linie, als scheibchenweise zur weiteren Verunsicherung beizutragen.

Unternehmen, die ihre Warenlieferungen in das Land weiter sichern möchten, müssen sich also einen anderen Versicherer suchen. Das ist schwer, denn auch die Konkurrenten sind vorsichtiger.

Immerhin ist der Marktführer Euler Hermes wesentlich positiver gestimmt. Grundsätzlich wolle man Versicherungsschutz nicht pauschal für ganze Länder oder Branchen aufheben, sondern nur im Einzelfall Limite senken oder aufheben. Diese Politik begleite Euler Hermes mit einer angemessenen und stabilen Prämienpolitik. Dies gelte auch für Griechenland, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Die Entwicklung, die Bonität griechischer Abnehmer und deren Zahlungsverhalten würden sehr genau beobachtet. Im Vergleich zum Staat seien die griechischen Unternehmen dabei relativ robust.

Gleichwohl verringerte sich das bei der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG versicherte Volumen griechischer Abnehmer von Januar bis Oktober um etwa zwölf Prozent. Euler Hermes halte aber an einer vergleichsweise positiven Einschätzung des Währungs- sowie des sozialen und politischen Risikos fest, „weil wir nach wie vor davon überzeugt sind, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt“. Die Bewertungen bezüglich des zu erwartenden Wirtschaftswachstums und der finanziellen Stärke des Landes seien allerdings im kritischen Bereich. Euler Hermes geht für Griechenland von einem Wirtschaftswachstum für 2011 von minus 5,5 Prozent und für 2012 von minus 2,7 Prozent aus.

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