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07.03.2013

10:39 Uhr

Versicherungen

Hannover Rück will Rekorddividende zahlen

Der Katastrophenspezialist Hannover Rück hat so viel verdient wie noch nie - trotz niedriger Zinsen und des Hurrikans „Sandy“. Die Dividende steigt daher deutlich. Davon profitiert vor allem der Versicherer Talanx.

Ulrich Wallin, Vorstandsvorsitzender der Hannover Rück. dapd

Ulrich Wallin, Vorstandsvorsitzender der Hannover Rück.

HannoverDie Hannover Rück hat 2012 einen Rekordgewinn eingefahren. Der Überschuss stieg von 606 Millionen auf 858 Millionen Euro. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer steckte die Belastungen durch Hurrikan "Sandy" in den USA damit locker weg. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich 836 Millionen Euro erwartet.

Wegen des starken Gewinnanstieg wird die Dividende deutlich erhöht. Pro Aktie sollen nun 2,60 (2,10) Euro ausgeschüttet werden. Davon profitiert vor allem Großaktionär und Börsenneuling Talanx. Der Konzern folgt damit den größeren Konkurrenten Münchener Rück und Swiss Re, die nach glänzenden Geschäften ihre Aktionäre mit ebenfalls deutlich höheren Dividenden beglücken.

Für das laufende Jahr geht Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin eher von einem Nettogewinn von 800 Millionen Euro aus, wie er bekräftigte. Er hatte zuletzt über einen zunehmenden Wettbewerb im Markt geklagt, der auf die Preise drücke.

Trotz des im Berichtsjahr weiter gesunkenen Zinsniveaus übertraf die Kapitalanlagerendite für die selbstverwalteten Kapitalanlagen mit 4,3 Prozent den Zielwert von 3,5 Prozent merklich. Die selbstverwalteten Kapitalanlagen wuchsen im Wesentlichen aufgrund der positiven operativen Mittelzuflüsse auf nunmehr 31,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresende. Inklusive der Depotforderungen erhöhte sich das Kapitalanlagevolumen des Versicherers auf 46,6 Milliarden Euro.

Wetterbedingte Katastrophen in Nordamerika

Studie

In einer umfassenden Studie hat die Munich Re die Schäden durch Wetterkatastrophen wie Wirbelstürme oder Überschwemmungen untersucht. Die Analyse umfasst die Jahre 1980 bis 2011.

Schäden

Den Daten des Rückversicherers zufolge erreichte der durch Wetterkatastrophen in Nordamerika angerichtete materielle Schaden in dem Zeitraum 1.060 Milliarden US-Dollar (auf Preise im Jahr 2011 hochgerechnet). Das entspricht etwa 770 Milliarden Euro.

Versichert war etwa die Hälfte der angerichteten Schäden – 510 Milliarden US-Dollar (393 Milliarden Euro). Rund 30.000 Menschen kamen ums Leben.

Hurrikan Sandy

Hurrikan Sandy hat zwar Ende Oktober und Anfang November 2012 große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da er auch die Millionenmetropole New York erfasste. Doch mit einem versicherten Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe ist er nicht das größte Schadensereignis.

Größter Schaden

Der Ende August 2005 über New Orleans hereingebrochene Hurrikan Katrina (der die stärkste Stufe „5“ der Wirbeslsturm-Skala erreichte), richtete einen gesamtwirtschaftlichen Schaden in Höhe von 125 Milliarden US-Dollar an, davon war die Hälfte versichert. Über 1300 Menschen starben und damit ungleich mehr als durch Hurrikan Sandy im Jahr 2012 in New York und New Jersey.

Zunahme der Schadensfälle

In Nordamerika hat sich laut Münchener Rück die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen seit 1980 fast verfünffacht. In Asien vervierfachte sich die Zahl, in Afrika stieg sie um den Faktor 2,5, in Europa um den Faktor 2. Zur Zunahme trage der menschengemachte Klimawandel bei. Langfristig sei etwa mit einem Anstieg der Intensität tropischer Wirbelstürme zu rechnen.

Wegen des schadenreichen Jahres 2011 hatte der Konzern höhere Preise durchsetzen können. Die Prämieneinnahmen stiegen daher unerwartet stark um 14 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Bis auf Hurrikan "Sandy" und die Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" blieben Großschäden dann aber aus. Das bedeutete: Die Schadenbelastung halbierte sich auf 478 Millionen Euro.

Die im Börsenindex MDax gelisteten Hannover-Rück-Aktien legten zwei Prozent auf 62,50 Euro zu. "Starke Zahlen", urteilte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Die Prognose für 2013 sei eher vorsichtig. "Dass Hannover Rück einen Teil der Dividende als Bonus deklariert, könnte ein bisschen enttäuschen, weil es impliziert, dass die drei Euro nicht aufrechtzuerhalten sind", erklärte DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel.

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Hannover-Rück-Chef Wallin hatte schon nach der Erneuerungsrunde im Januar, bei der die Prämien für das neue Jahr verhandelt werden, mehr Gegenwind festgestellt. Wegen des schadenarmen Jahres 2012 fiel es allen Rückversicherern schwerer, bei ihren Kunden - den Erstversicherern - höhere Preise durchzusetzen.

Für 2013 erwartet Hannover Rück auf Basis konstanter Wechselkurse deshalb ein verlangsamtes Wachstum der Prämieneinnahmen von rund fünf Prozent. 2012 hatte das Wachstum noch 9,5 Prozent betragen. Als Kapitalanlagerendite strebt das Unternehmen 2013 einen Wert von 3,4 Prozent an.

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