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01.12.2016

19:42 Uhr

Versicherungen

In der Defensive

VonCarsten Herz

Die deutschen Versicherer kämpfen mit dem Nullzinsumfeld und alten Renditeversprechen. Doch an eine rasche, grundlegende Wende zum Besseren glaubt keiner der Experten auf der Jahreskonferenz des Branchenverbandes.

Um ihre Renditeversprechen auch im Umfeld niedriger Zinsen einhalten zu können, geht die Branche zunehmend mehr Anlagerisiken ein. dpa

Versicherer unter Druck

Um ihre Renditeversprechen auch im Umfeld niedriger Zinsen einhalten zu können, geht die Branche zunehmend mehr Anlagerisiken ein.

MünchenDie Diagnose ist ebenso knapp wie deutlich: „Der Niedrigzins droht zum Stabilitätsrisiko zu werden“, klagt Klaus Wiener aus der Geschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag auf dessen Jahreskonferenz "Volkswirtschaft und Finanzmärkte" in München. Der von der Politik und der Finanzaufsicht Bafin angeordnete Aufbau einer Zinszusatzreserve, in den die Versicherungsbranche weiter Milliarden Euro einspeisen muss, sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, erfolge aber unter ökonomischen Gesichtspunkten zu schnell. „Vielleicht gibt es nach der Bundestagswahl im September 2017 noch einmal einen Ansatzpunkt, um über die Modalitäten dieser Reserve neu zu sprechen“, hofft Wiener.

Allein im vergangenen Jahr hatten die Lebensversicherer zehn Milliarden Euro in den zusätzlichen Geldtopf stecken müssen. Er war bisher mit 32 Milliarden Euro gefüllt und soll sicherstellen, dass die Unternehmen ihre Versprechen aus Zeiten hoher Zinsen auch künftig noch erfüllen können. Allein im Jahr 2016 packten die Versicherer nach Berechnungen der Ratingagentur Assekurata weitere 14 bis 15 Milliarden Euro in den Topf. Für die Versicherer kommen diese Lasten zur Unzeit, denn das Niedrigzinsumfeld macht der Branche schwer zu schaffen.

Die größten Lebensversicherer in Deutschland (nach Bruttobeiträgen)

Platz 10

Nürnberger Versicherung

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 9

Bayern-Versicherung

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 8

Axa

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 7

Ergo

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 6

Generali

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: fünf Prozent)

Platz 5

Debeka

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 4

Zurich

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 3

Aachen Münchener

Marktanteil 2014: sechs Prozent (2013: fünf Prozent)

Platz 2

R+V

Marktanteil 2014: sechs Prozent (2013: sechs Prozent)

Platz 1

Allianz

Marktanteil 2014: 21 Prozent (2013: 19 Prozent)

Quelle

Quelle: Map-Report

Alle Angaben beziehen sich auf die verdienten Bruttobeiträge im Lebensversicherungsgeschäft.

Rund 35 Billionen Dollar an Vermögen werden die großen Versicherer bis zum Jahr 2020 laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft PwC insgesamt verwalten - Geld, das bisher vornehmlich in konservativen Anlageformen wie Staatsanleihen steckte. Das funktionierte in den vergangenen Jahrzehnten auch sehr gut. Viele Kunden durften auf deutlich mehr als nur den Garantiezins hoffen und dennoch blieb genug Geld für die Versicherer übrig, um auch den eigenen Aktionären gute Renditen zu bieten.

Doch seit die Zentralbanken rund um den Globus die Zinsen in den Keller geschickt haben, werfen Staatsanleihen und Pfandbriefe, in die Versicherer bisher hauptsächlich investiert haben, immer weniger ab - was es der Branche zunehmend schwerer macht, die hohen Zinsversprechen von bis zu vier Prozent aus Altverträgen zu erwirtschaften. „Wir erwarten, dass die lockere Geldpolitik der EZB noch für geraume Zeit fortgesetzt wird“, sagt Wiener in München vorher. So sieht die Branche den tiefsten Punkt des Tals der Null- und Negativzinsen in Europa zwar überschritten, rechnet aber nicht mit einer nachhaltigen Zinswende.

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