Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2013

16:08 Uhr

Versicherungen

Schätzungen zu Hochwasser-Schäden überschlagen sich

ExklusivDie Schätzungen der Hochwasser-Schäden schnellen in die Höhe. Mehr als doppelt so stark wie bei der „Jahrhundertflut“ 2002 könnte es Versicherer treffen. Und eine Police zu kriegen, wird deswegen künftig noch schwerer.

Überflutete Fahrzeuge in Sachsen-Anhalt.

Überflutete Fahrzeuge in Sachsen-Anhalt.

DüsseldorfDas Hochwasser in Deutschland wird die Versicherungswirtschaft bis zu vier Milliarden Euro kosten. Darauf weist der Rückversicherungsmakler Aon Benfield aus Hamburg in einer Hochrechnung hin, deren Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen. „Der Schadenaufwand würde damit denjenigen durch das Hochwasser des Jahres 2002 überschreiten“, sagt Jan-Oliver Thofern, der bei Aon Benfield das Geschäft für Deutschland, Österreich und die Schweiz leitet, dem Handelsblatt.

Das Unternehmen modelliert anhand umfassender mathematischer Modelle für Erst- und Rückversicherer Risiken, die durch verschiedene Gefahren entstehen können. Den Konzernen hilft Aon Benfield so dabei, erwartete Schäden zu berechnen und Prämien zu kalkulieren. Das Hochwasser vor elf Jahren hatte die Branche in Deutschland 1,8 Milliarden Euro gekostet.

Thofern geht davon aus, dass durch das Hochwasser in diesem Jahr ein weitaus größeres Gebiet relevante Schäden aufweisen wird. „Interessant ist, dass auch Orte betroffen waren, die offenbar als vollumfänglich versicherbar galten“, sagt Thofern dem Handelsblatt. Dazu gehört zum Beispiel der Ort Deggendorf, der besonders stark überflutet worden ist. „Es könnte deshalb sein, dass nach diesem Hochwasser eine Neueinstufung bestimmter Risikoorte stattfinden wird.“

Versicherer schätzen Flut-Schäden

Allianz

Das Hochwasser in Deutschland wird die Allianz nach Analystenschätzungen etwas teurer zu stehen kommen als die Flut 2002. JP-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro vor elf Jahren.

(Stand: 10. Juni 2013)

Gartenbau Versicherung

Ein Spezialist unter den Versicherer: Dennoch wird die Gesellschaft wohl mehrere Millionen Euro an Schäden begleichen müssen. Allein in Sachsen sei mit einem Schaden von zwei Millionen Euro zu rechnen.

(Stand: 4. Juni 2013)

Gothaer Versicherung

Dem Unternehmen sind etwa 1000 Schäden gemeldet worden mit einem Schadensvolumen von etwa 20 Millionen Euro. Vorstandschef Thomas Leicht rechnet mit einem weiteren Anstieg auf das Niveau der Flut von 2002 – damals seien Schäden in Höhe von 30,2 Millionen Euro gemeldet worden.

(Stand. 7. Juni 2013)

R+V Versicherung

Bei der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken sind etwa 2.000 Berichte über Schäden eingegangen und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“.

(Stand: 6. Juni 2013)

Signal Iduna

Die Versicherung erwartet einen Schaden von bis zu 50 Millionen Euro und damit mehr als im Jahr 2002.

(Stand: 10. Juni 2013)

SV SparkassenVersicherung

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro auf Basis von insgesamt 7.500 Schadensmeldungen.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherungskammer Bayern

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden von 40 Millionen Euro.

(Stand: 5. Juni 2013)

Württembergische Versicherung

Das Unternehmen rechnet mit einem Schadenaufkommen von gut 50 Millionen Euro. 2002 hatten die Überschwemmungen an Oder und Elbe 44 Millionen Euro gekostet.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherter Schaden 2002

Deutschlandweit belief sich der versicherte Schaden des als Jahrhundertflut bezeichneten Elbe-Hochwassers vor elf Jahren auf 1,8 Milliarden Euro. In ganz Europa mussten die Versicherer damals nach Daten der Münchener Rück 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Versicherter Schaden 2013

Der Branchenverband GDV geht von Kosten aus, die über denen von 2002 liegen. Der Schaden würde in Deutschland also die Marke von 1,8 Milliarden Euro übersteigen. Experten des Dienstleister Aon gehen sogar von vier Milliarden Euro Schäden für die deutsche Versicherungswirtschaft aus. Die Ratingagentur Fitch erwartet immerhin 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

(Stand: 12. Juni 2013)

Für die Assekuranz wird es auf jeden Fall teuer. Die Württembergische Versicherung kalkuliert mit mindestens 50 Millionen, 2002 waren es noch 44 Millionen. Die Sparkassenversicherung geht von einer Belastung in Höhe von 40 Millionen Euro aus, verglichen mit rund 25 Millionen Euro beim Elbe-Hochwasser 2002. Die R+V Versicherung rechnet ebenfalls damit, dass die Summe von 60 Millionen Euro aus dem Jahr 2002 dieses Mal zu niedrig ist. Dasselbe gilt für die Gothaer, die damals 30,2 Millionen Euro an ihre Kunden auszahlen musste.

Es gebe einiges, was dieses Hochwasser von dem vorherigen unterscheide, sagte Aon-Benfield-Experte Thofern dem Handelsblatt. So seien gerade in Bayern seit 2002 viel mehr Hausbesitzer gegen Elementarschäden versichert, zu denen auch Hochwasser gehört. Dadurch steigt der Schadenaufwand für die Versicherer automatisch mit an. Bundesweit stieg die Zahl der Versicherungen gegen Elementarschäden seit 2002 von drei Millionen auf 5,5 Millionen. Das Bundesland sei dieses Jahr zudem anscheinend stärker betroffen als 2002, sagt Thofern.

Von Forderungen nach einer Pflichtversicherung für Hausbesitzer hält er nichts. „Viel besser wären ein optimierter Hochwasserschutz sowie eine noch intensivere Aufklärung über die Gefahren des Hochwassers.“ Es sei auch nicht hilfreich gewesen, das nach 2002 noch Baugenehmigungen für Objekte erteilt worden seien, die in den höchstgefährdeten Gebieten lägen. Und: „Wer sich nicht versichert, obwohl er es könnte, der muss wissen, dass ein Hochwasser nicht nur in Wahlkampfperioden auftreten kann.“

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.06.2013, 17:50 Uhr

Wenn auf Gewinn gerichtete Versicherer Hochwasser-Versicherungen nicht mehr zu bezahlbaren Preisen anbieten, sollte das nicht wundern.

Wenn Merkels Staat aber viele Milliarden Sicherheit für Pleitestaaten bereitstellt, aber für den Schutz vor Elementargewalten für Inländer nichts getan hat und für die Zukunft nur 100 Mio verspricht, sollte das Volk bei der Wahl seiner Parlamentsvertreter etwas genauer hinsehen.

ALLE

12.06.2013, 12:31 Uhr

Der Staat wird schon bezahlen, an den der keine Versicherung hat. Da stehen nachher bessere Häuser als zu vor, da muss man sich keine Sorgen machen.

Bei der nächsten Flut, geht dann das Spiel von vorne los.

Engy

13.06.2013, 17:33 Uhr

Sind denn die Mieten und Häuserpreis in den letzten 11 Jahren seit der letzten Flut aufgrund der Gefahr eines Hochwassers nicht günstiger gewesen als anderswo? Waren sich die jetzt Betroffenen der Gefahr nicht bewusst? Sicherich ist es schlimm alles durch eine Naturkatastrophe zu verlieren, aber wer vor der Gefahr die Augen verschliesst muss sich auch ab und zu mal an die eigene Nase fassen. Schliesslich gibt es etliche im Krisengebiet denen war die Versicherung nicht zu teuer. Warum sollten die jetzt bestraft werden wenn die nicht versicherten Ihren Schaden von der Allgemeinheit ersetzt bekommen? Und bitte, keine ²befristete Erhöhung" des Solidaritätszuschlages, das Geld landet dann später im Berliner Flughafen oder Schloss und die Befristung wird vergessen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×