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08.04.2013

19:51 Uhr

Versicherungsaufseher

Kein Grund zum Einlenken

Die europäischen Versicherungsaufsehen bleiben stur und lehnen Erleichterungen bei Investitionen in Infrastruktur- und andere langfristige Projekte ab. Die Aufsichtsbehörde EIOPA wies Forderungen aus der Politik zurück.

Der Praesident der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA), Gabriel Bernardino. dapd

Der Praesident der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA), Gabriel Bernardino.

FrankfurtDie europäischen Versicherungsaufseher lehnen Erleichterungen bei Investitionen in Infrastruktur- und andere langfristige Projekte ab. Die Aufsichtsbehörde EIOPA wies in einem am Montag veröffentlichten Papier Forderungen aus der Branche und aus der Politik nach geringeren Kapitalanforderungen etwa für Beteiligungen an jungen Unternehmen (Venture Capital) oder an ethisch orientierten Projekten rundweg zurück. Es gebe keine Belege dafür, dass solche Investments weniger risikoreich seien, als sie die Aufseher bisher in ihrem Entwurf für das Regelwerk „Solvency II“ eingestuft hätten.

Die Frankfurter EIOPA reagierte damit auf die Forderung der EU-Kommission, die Auswirkungen ihrer Regulierungspläne auf langfristige großvolumige Investitionen über mehr als zehn Jahre zu untersuchen. Die Versicherer spielen in der Finanzierung von Unternehmen und Großprojekten eine immer größere Rolle, weil immer mehr Banken als Kreditgeber ausfallen. Mit mehr als 7,7 Billionen Euro an verwalteten Geldern sind sie außerhalb der Bankbranche die größten Investoren in Europa.

Die teuersten Katastrophen 2012

Statistik von Swiss Re

Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.

Tornados im Mittleren Westen

Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.

Stürme in den Rockies

Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.

Hurrikan Isaac

Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.

Erdbebenserie in Italien

Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.

Dicke Hagelkörner auf St. Louis

Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.

Derecho-Sturmsystem

Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.

Schwere Stürme im Frühjahr

Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.

Dürre im Corn Belt

Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.

Sandy randaliert im Osten der USA

Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.

Die Regulierer der Assekuranz sehen sich im Zuge von „Solvency II“ nun dem Vorwurf ausgesetzt, diese Finanzierungsquelle für die Realwirtschaft abzuwürgen.

Der europäische Branchenverband Insurance Europe hatte erst Ende März davor gewarnt, diese Funktion zu gefährden. Der deutsche Versichererverband GDV wiederum bangt vor allem um die langfristigen Zusagen an die Lebensversicherten, wenn die Firmen der Branche keine ebenso langfristigen Investments mehr tätigen könnten.

Von

rtr

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