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04.01.2012

12:45 Uhr

Versicherungsbranche

Naturkatastrophen sorgten 2011 für Rekordschaden

Die schweren Erdbeben in Neuseeland und Japan lassen die Versicherungsbranche ächzen. Insgesamt summieren sich die versicherten Schäden auf mehr als 100 Milliarden Dollar - ein neuer Rekord.

Allein in Japan summieren sich die versicherten Schäden auf rund 40 Milliarden Dollar. Der Gesamtschaden ist um ein Vielfaches größer. dpa

Allein in Japan summieren sich die versicherten Schäden auf rund 40 Milliarden Dollar. Der Gesamtschaden ist um ein Vielfaches größer.

MünchenEine solche Serie heftiger Naturkatastrophen gab es noch nie: Vor allem die verheerenden Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie die Überschwemmungen in Thailand und zahlreiche Stürme in den USA sorgten 2011 für Gesamtschäden von etwa 380 Milliarden Dollar, umgerechnet 291 Milliarden Euro, wie die Münchener Rück am Mittwoch mitteilte. Das ist nach den Daten des weltgrößten Rückversicherers mehr als das Doppelte wie 2010 und in etwa das Fünffache des 30-Jahres-Durchschnitts. Auch das bisherige Rekordjahr 2005, als der Hurrikan „Katrina“ die US-Südstaatenmetropole New Orleans verwüstete, wurde um fast zwei Drittel übertroffen.

Die Versicherungsbranche muss nach den Daten für 105 Milliarden Dollar geradestehen - ebenfalls ein Rekordwert. 2005, dem bisherigen Spitzenjahr, waren es 101 Milliarden Dollar, 2010 nur 42 Milliarden. „So eine Serie ereignet sich zum Glück nur selten“, sagte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek. „Wir haben es mit Ereignissen zu tun, deren Wiederkehrperioden bezogen auf den Ort des Ereignisses zum Teil bei einmal in 1000 Jahren oder sogar höher liegen.“

Trotz der immensen Belastungen haben die meisten großen Versicherer das Jahr, das zudem bei den Kapitalanlagen schlecht lief, halbwegs gut überstanden. In Deutschland musste die Münchener Rück zwar ihre ursprüngliche Gewinnprognose kappen, rechnet aber noch mit schwarzen Zahlen. Die Allianz, die weniger stark als die Rückversicherer auf große Risiken spezialisiert ist, hat den Aktionären für 2011 einen operativen Gewinn von 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Genaue Zahlen der Unternehmen werden im Februar erwartet.

Teuerste Naturkatastrophe im Jahr 2011 und aller Zeiten war das Erdbeben im März 370 Kilometer nördlich von Tokio, mit 9,0 der stärkste jemals in Japan registrierte Erdstoß. Vor allem der Tsunami nach dem Erdbeben sorgte für immense Schäden. Ganze Orte, Straßen und Bahngleise wurden weggespült, Hunderttausende Häuser zerstört, fast 16.000 Menschen getötet. Selbst ohne die Folgen des anschließenden Atomunglücks summierten sich die Gesamtschäden noch auf 210 Milliarden Dollar. Versichert davon waren bis zu 40 Milliarden Dollar. Atomschäden sind staatlich abgesichert. Laut Einschätzung der Münchener Rück hat es vermutlich im Jahr 869 das letzte Mal eine ähnlich verheerende Flutwelle im Nordosten des Landes gegeben, wo Tsunamis keine Seltenheit sind.

Kostspielig für die Assekuranzen war zudem das Februar-Erdbeben in der neuseeländischen Stadt Christchurch, die in den vergangenen Jahren immer wieder von Erdstößen heimgesucht wurde. Mit 6,3 war das Beben eigentlich gar nicht so stark, es ereignete sich aber in geringer Tiefe und nahe der City. Von den 16 Milliarden Dollar Gesamtschäden waren 13 Milliarden versichert - eine ungewöhnlich hohe Quote.

Normalerweise verursachen Wetterkatastrophen wie Hurrikane in den USA die größten Schäden. 2011 waren es aber vor allem die Erdbeben. Nichtsdestotrotz gab es auch schlimme Wetterphänomene wie die jüngsten Überschwemmungen in Thailand. Hier wurden neben unzähligen Häusern und riesigen landwirtschaftlichen Flächen auch sieben Industriegebiete mit Produktionsanlagen großer Konzerne überflutet. So war primär die Fertigung von Komponenten für Computer-Festplatten massiv beeinträchtigt. Ungewöhnlich heftig verlief zudem die Tornado-Saison im Süden und Mittleren Westen der USA. Hier summierten sich die versicherten Schäden auf rund 25 Milliarden Dollar, mehr als das Doppelte des Rekordwerts von 2010. Die Hurrikan-Zeit verlief mit Ausnahme von „Irene“ dagegen relativ glimpflich.

Von

rtr

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