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15.01.2013

10:02 Uhr

Versicherungskonzern

Allianz hält trotz Hurrikan Sandy an Prognose fest

Der Wirbelsturm Sandy richtete an der Ostküste der USA Schäden in Milliardenhöhe an. Der Versicherer Allianz rechnet trotz der hohen Belastungen aber weiter mit einem satten Gewinn für das Jahr 2012.

Hurrikan Sandy verursachten an der US-Ostküste Schäden in Milliardenhöhe. dapd

Hurrikan Sandy verursachten an der US-Ostküste Schäden in Milliardenhöhe.

MünchenDer weltgrößte Versicherungskonzern Allianz hat ungeachtet hoher dreistelliger Millionenbelastungen durch den Wirbelsturm Sandy in den USA seine Gewinnprognose für 2012 bestätigt. Der geschätzte Gesamtschaden für die Allianz durch Sandy belaufe sich auf 590 Millionen Dollar (455 Millionen Euro), erklärte der Konzern in München.

Dennoch erwarte die Allianz weiterhin ein operatives Ergebnis von mehr als neun Milliarden Euro für das vergangene Jahr. Hurrikan Sandy hatte Ende Oktober vor allem an der Ostküste der USA Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Insgesamt bezifferten sich die Schäden auf über 50 Milliarden Dollar.

Wetterbedingte Katastrophen in Nordamerika

Studie

In einer umfassenden Studie hat die Munich Re die Schäden durch Wetterkatastrophen wie Wirbelstürme oder Überschwemmungen untersucht. Die Analyse umfasst die Jahre 1980 bis 2011.

Schäden

Den Daten des Rückversicherers zufolge erreichte der durch Wetterkatastrophen in Nordamerika angerichtete materielle Schaden in dem Zeitraum 1.060 Milliarden US-Dollar (auf Preise im Jahr 2011 hochgerechnet). Das entspricht etwa 770 Milliarden Euro.

Versichert war etwa die Hälfte der angerichteten Schäden – 510 Milliarden US-Dollar (393 Milliarden Euro). Rund 30.000 Menschen kamen ums Leben.

Hurrikan Sandy

Hurrikan Sandy hat zwar Ende Oktober und Anfang November 2012 große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da er auch die Millionenmetropole New York erfasste. Doch mit einem versicherten Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe ist er nicht das größte Schadensereignis.

Größter Schaden

Der Ende August 2005 über New Orleans hereingebrochene Hurrikan Katrina (der die stärkste Stufe „5“ der Wirbeslsturm-Skala erreichte), richtete einen gesamtwirtschaftlichen Schaden in Höhe von 125 Milliarden US-Dollar an, davon war die Hälfte versichert. Über 1300 Menschen starben und damit ungleich mehr als durch Hurrikan Sandy im Jahr 2012 in New York und New Jersey.

Zunahme der Schadensfälle

In Nordamerika hat sich laut Münchener Rück die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen seit 1980 fast verfünffacht. In Asien vervierfachte sich die Zahl, in Afrika stieg sie um den Faktor 2,5, in Europa um den Faktor 2. Zur Zunahme trage der menschengemachte Klimawandel bei. Langfristig sei etwa mit einem Anstieg der Intensität tropischer Wirbelstürme zu rechnen.

Das Versicherungs- und Fondsgeschäft der Allianz ist im vergangenen Jahr gut gelaufen, schon in den ersten neun Monaten hatte sie ihr Betriebsergebnis um ein Viertel auf 7,2 Milliarden Euro gesteigert. Ihr Jahresergebnis veröffentlicht die Allianz am 21. Februar.

Am Montag hatte der Versicherer Talanx seine Belastung durch Sandy mit 306 Millionen Euro beziffert, wobei der Großteil auf die Tochter Hannover Rück entfällt. Auch Talanx sieht das Geschäftsergebnis dadurch nicht gefährdet.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

Mit Ausnahme der Münchener Rück sind die deutschen Konzerne auf den europäischen Markt ausgerichtet. Erstversicherer wie die Allianz haben große Teile der drohenden Zahlungsverpflichtungen aus Naturkatastrophen über Rückversicherer abgesichert. Sie müssen nun höhere Prämien zahlen, um diesen Schutz nicht zu verlieren.

Große ausländische Versicherer im Ausland trifft „Sandy“ weit härter: Der US-Versicherungsriese AIG hatte seine Schäden auf 1,3 Milliarden Dollar beziffert - so viel wie die drei größten deutschen Konzerne zusammen. Swiss Re hatte eine Zahl von 900 Millionen Dollar genannt. Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyds, auf dem rund 80 Syndikate im Wettbewerb stehen, rechnet mit bis zu 2,5 Milliarden Dollar; das wäre der drittgrößte Schaden in seiner 324-jährigen Geschichte.

Die Münchener Rück hatte Anfang des Jahres Alarm geschlagen. Metropolen wie New York, wo der Wirbelsturm im Oktober das Leben tagelang lahmgelegt hatte, könnten und müssten künftig besser vor den Folgen von Wetterkatastrophen und Sturmfluten geschützt werden, forderte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. „Dies wäre volkswirtschaftlich sinnvoll, und Versicherer könnten eine geringere Schadenanfälligkeit auch bei der Preisgestaltung berücksichtigen.“ Der Anstieg des Meeresspiegels im Klimawandel verschärfe die Gefahr von Sturmfluten. Dagegen müssten sich diese Regionen schützen.

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