Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.05.2012

11:00 Uhr

Versicherungskonzern

Ein Riese auf dem Hosenboden

VonMichael Detering, Axel Höpner

Das Klima für die Allianz ist rauer denn je: Gewinne an den Kapitalmärkten werden immer schwieriger, Naturkatastrophen reißen große Löcher in die Kassen. Der Konzern muss nun an vielen Stellen gleichzeitig gegenhalten.

Das Eingangsschild des Allianz-Hauptgebäudes in München. ap

Das Eingangsschild des Allianz-Hauptgebäudes in München.

Frankfurt/MünchenSeine Emotionen zeigt Allianz-Chef Michael Diekmann in der Öffentlichkeit nun wirklich nicht gerne. Gerade noch hat der kühle Westfale gewohnt nüchtern die Bilanz der Allianz vorgelegt. Die Rede liest er vom Blatt ab. Doch ganz am Ende, da blickt er nach links hinüber, wo Finanzvorstand Paul Achleitner sitzt. Ein enger Wegbegleiter, gemeinsam haben sie die Allianz durch die Tiefen der Finanzkrise gesteuert. Diekmann nuschelt etwas von Dank für zwölf Jahre. "Die Freundschaft, die bleibt." Die beiden gehen aufeinander zu - fast umarmen sie sich gar, doch es bleibt bei einem linkischen Händedruck.

Es die Zeit der personellen Umbrüche bei der Allianz. Auf der Hauptversammlung heute übergibt Aufsichtsratschef Henning Schulte-Noelle den Stab an Helmut Perlet. Und Ende Mai wechselt Achleitner dann als Aufsichtsratschef zur Deutschen Bank. Mit Achleitner verliert Konzernchef Diekmann seinen wichtigsten Mann. Der Österreicher wacht über die rund 460 Milliarden Euro, die der Konzern für seine Versicherungskunden rund um den Globus an den Kapitalmärkten angelegt hat.

Allianz: Stärken und Schwächen

Gut gerüstet für schwierige Lage

Die Umstände könnten leichter sein für die Allianz: Die Staatsschuldenkrise sorgt für Unsicherheit. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben und es gibt immer mehr Naturkatastrophen. Doch Europas größter Versicherer ist vergleichsweise gut gerüstet. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Vermögensverwaltung

Der Versicherungskonzern verwaltete im Jahr 2011 Anlagen im Wert von fast 1,7 Billionen Euro. Das sind noch einmal neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Rund drei Viertel davon verwaltet der Konzern "für Dritte", also nicht für die eigenen Versicherungskunden. Mit diesem Geschäft erzielt die Allianz hohe Provisionserlöse.

Stärke: Ergebnis steigt

Die hohen Provisionserlöse führen dazu, dass das operative Ergebnis der Asset-Management-Sparte im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro anstieg. Die Sparte trug damit einen Großteil des Gewinns des Allianz-Konzerns bei. Gemessen am gesamten verwalteten Vermögen zählt die Allianz zu den größten Vermögensverwaltern der Welt.

Stärke: Gute Verteilung

Das Geschäft ist dabei seit Jahresbeginn auf zwei gleichberechtigte Anlageverwalter aufgeteilt: Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Zuvor war Pimco ein Tochterunternehmen von AGI. Nun ist der sehr erfolgreiche Anleihespezialist unabhängiger und kann eigenständig seine Fonds managen und vertreiben.

Stärke: Hohe Kundenzufriedenheit

Kaum ein anderer deutscher Konzern analysiert so genau, was seine Kunden denken und wie zufrieden sie sind. In einem Kundenbericht publiziert die Allianz nun regelmäßig die Ergebnisse. Auf einer Notenskala von eins bis fünf bekommt die Allianz von den Kunden für die Produkte durchschnittlich die Note 1,9 und für den Service die Note 2,3.

Stärke: Hohe Preise zu rechtfertigen

Eine hohe Zufriedenheit ist wichtig, weil der Konzern nur dann seine Preise rechtfertigen kann. Laut Bernd Heinemann, Marktmanagement-Vorstand bei der Allianz Deutschland, hat der Konzern noch zu wenig rundum begeisterte Kunden, die eine 1,0 vergeben.

Stärke: Viel Neugeschäft

Gerade solche Kunden sind wichtig, denn die Untersuchungen des Konzerns haben ergeben, dass die 20 Prozent der Kunden mit der höchsten Zufriedenheit im Schnitt mehr als doppelt so viel Neugeschäft bringen wie der Durchschnittskunde.

Schwäche: Deutsche Sachversicherung

Ausgerechnet der Heimatmarkt ist für die Allianz in der Sachversicherung ein Sorgenkind. Die Beitragseinnahmen der Allianz Versicherungs-AG, in der die Sachversicherung gebündelt ist, waren auch 2011 leicht rückläufig (siehe Grafik). Dass es Probleme bei der Profitabilität gibt, zeigt die Schaden-Kosten-Quote von 102,2. Nur bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Schwäche: Kfz-Versicherung

Vor allem die wichtige Kfz-Versicherung schwächelt. Die Zahl der versicherten Autos sank 2011 nochmals um 50?000 auf 8,12 Millionen Fahrzeuge. Marktführer ist die Huk-Coburg (8,7 Millionen Fahrzeuge). "Was die Autoversicherung angeht, hat die Allianz ungünstigere Kostenstrukturen als die Konkurrenz", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

Schwäche: Starke Konkurrenz

Die Huk-Coburg kann dank ihrer automatisierten Prozesse billigere Tarife anbieten. Der neue Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß will die Profitabilität steigern und baut die Sparte um. Mit Preiserhöhungen nimmt die Allianz auch weitere Marktanteilsverluste in Kauf, wenn dadurch das Geschäft wieder mehr Gewinn abwirft.

Schwäche: Das Bankgeschäft

Die Allianz vertreibt neben dem Versicherungsgeschäft auch Bankprodukte. Doch das Geschäft läuft nicht rund. Der Umsatz ging 2011 leicht auf 567 Millionen Euro zurück, die Sparte schrieb einen operativen Verlust von 68 Millionen Euro. Auf dem deutschen Markt ist die Allianz mit der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und der Allianz Bank aktiv. 2011 schrumpfte das Ergebnis der OLB nach Steuern um rund 68 Prozent auf 16,9 Millionen Euro.

Schwäche: Hohe Risikovorsorge

Sie musste viel Risikovorsorge für wacklige Schiffsfinanzierungen bilden. Die Allianz Bank - formal eine Zweigniederlassung der OLB - schrieb vor Steuern 1,8 Millionen Euro Verlust. Sie tut sich schwer mit der Neukundengewinnung.

Die Lage, sie ist herausfordernd für den weltgrößten Versicherungskonzern. Die Niedrigzinsphase kann noch Jahre andauern, die Staatsschuldenkrise ist noch nicht ausgestanden, Naturkatastrophen richten immer größere Schäden an. Doch der Konzern ist bilanziell gut gerüstet, hat die Risiken bei Anlagen und Beteiligungen in den vergangenen Jahren systematisch reduziert. Nun gilt es, wachsam zu bleiben - und die Baustellen, die es vor allem in der Sachversicherung noch gibt, endlich zu schließen.

Das schwierige Umfeld prägte schon das vergangene Jahr: Der Gewinn der Allianz halbierte sich auf 2,8 Milliarden Euro nahezu. Damit lag der Marktführer im Branchentrend. So musste die Generali, die Nummer drei in Europa, ähnlich starke Einbußen hinnehmen. Der Gewinn der Italiener sank um knapp 50 Prozent auf 856 Millionen Euro. Nur der größte europäische Konkurrent, die französische Axa, stand besser da. Sie polierte das Ergebnis mit Beteiligungsverkäufen auf. Der Gewinn stieg so um 49 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro.

Hauptursache für die Einbußen bei der Allianz: Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen in Höhe von 573 Millionen Euro sowie auf Anlagen im Finanzsektor. Allein bei der Beteiligung an der Commerzbank verbuchte man Belastungen von mehr als einer halben Milliarde Euro. Immerhin: "Die Kapitalanlage läuft trotz alledem immer noch besser als bei vielen Konkurrenten", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

Versicherungsriese: Für die Allianz geht es aufwärts

Versicherungsriese

Für die Allianz geht es aufwärts

Die Allianz hat das Jahr deutlich stärker begonnen als 2011.

Doch weitere Risiken schlummern in der Bilanz: Der Konzern hält italienische Staatsanleihen im Wert von rund 26 Milliarden Euro. Oft ist die Rede von Italien als "zweitem Heimatmarkt". Zwar ist Italien nicht Griechenland, zudem dürfte der Konzern sein Engagement abgesichert haben. Doch kritische Analysten sehen hier schon ein Risiko. Noch anfälliger ist nur die italienische Generali. Sie hat knapp 46 Milliarden Euro Staatsanleihen des Heimatlands.

Allianz: Gut geführt - gut gerüstet

Video: Allianz: Gut geführt - gut gerüstet

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

xyz

01.12.2012, 19:14 Uhr

Der Raumenergie-Motor von Prof.Dr.Claus Wilhelm Turtur ist
zbs. eine riesige Anlagemöglichkeit, doch keiner wird auf ihn
aufmerksam. Sonderbar das sich niemand mit diesem Mann in Verbindung setzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×