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25.10.2012

06:16 Uhr

Versicherungskonzern

Ergo brachte Kunden um Millionen von Zinserträgen

ExklusivNeuer Ärger um die Ergo: Der Versicherungskonzern schichtete tausende Kunden von hoch- in niedrigverzinste Verträge um. Für den Vertrieb gab es hierfür die doppelte Provision. Der Revision war das Problem bekannt.

Durch ein schädliches Tauschgeschäft ist Kunden des Ergo-Konzerns viel Geld verloren gegangen. dpa

Durch ein schädliches Tauschgeschäft ist Kunden des Ergo-Konzerns viel Geld verloren gegangen.

DüsseldorfDer Versicherungskonzern Ergo hat seine Kunden nach Informationen des Handelsblattes durch so genannte „Umdeckungen“ um Zinserträge von mehreren Millionen Euro gebracht. Wie der Konzern dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte sind 4.952 Kunden der Sparten Victoria und Hamburg-Mannheimer betroffen. Sie wurden in Sonderaktionen des Vertriebs dazu verleitet, hochverzinste Lebensversicherungsverträge in niedriger verzinste Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr gegen Einmalbetrag (UBR-E) zu tauschen. Die Vertreter wurden für solche Umschichtungen mit doppelter Vergütung belohnt.

Dem Handelsblatt liegt ein Bericht der Ergo-Konzernrevision vor. Danach begannen die Umschichtungen im Juli 2009 bei der Ergo-Tochter Victoria. Innerhalb von nur vier Wochen generierten die Vertreter 42 Prozent des Jahresumsatzes mit UBR-E-Verträgen und stornierten hochverzinste Lebensversicherungen im Wert von 12,8 Millionen Euro. Deren durchschnittliche Restlaufzeit betrug 18 Jahre.

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Allein diese rund 2.300 betroffenen Kunden verloren über die gesamte Restlaufzeit gesehen Zinserträge zwischen 9,5 und 13 Millionen Euro. Ergo wollte zu der genauen Verlusthöhe für alle 4.952 Kunden keine Angabe machen. Im Revisionsbericht des Unternehmens ist neben dem Zinsverlust auch von steuerlichen Schäden für die Kunden die Rede.

Obwohl Kunden gesetzlich vor Fehlberatung geschützt sind, fand die Versicherung einen Weg, das schädliche Tauschgeschäft durchzuführen. Die Revision hielt fest: „Eine bedarfsgerechte Verkaufsberatung wurde in den obligatorischen Beratungsbögen nicht dokumentiert. Vielfach wurde vermerkt „Beratung gewünscht, auf Dokumentation wurde verzichtet“ und insofern waren die Inhalte der Beratungen nicht nachvollziehbar.“

Victoria-Vorstand Olaf Bläser verfügte mit Schreiben von August 2009, die Umdeckungen zu beenden. Doch zwei Monate später änderte der Konzern die Vorgaben: „Auf der Ergo-Vorstandsklausur vom 9./10.11.2009 wurde beschlossen, den Verkauf des Produktes UBR-E auch in anderen Vertriebswegen weiter zu forcieren“, heißt es im Revisionsbericht. Die Umdeckungen fanden dann 2010 und 2011 nicht nur bei der Victoria sondern auch der Schwestergesellschaft Hamburg-Mannheimer statt.

Laut eines Sonderprüfberichts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht haben Ergo-Kunden Anrecht auf Wiedergutmachung. In dem Bericht heißt es: „Verletzt der Versicherer eine der genannten Pflichten (Beratung & Dokumentation) aus §6 Versicherungsvertragsgesetz, so haftet er dem Versicherungsnehmer auf Schadenersatz.“ Ob sich ein einzelner Versicherungsvermittler darüber hinaus auch wegen Betruges strafbar gemacht hat, sei eine Frage des Einzelfalles.

Nach Angaben von Ergo wurden die insgesamt 4952 betroffenen Kunden bereits angeschrieben. Es hätten sich jedoch nur 47 von ihnen für eine Rückabwicklung der Verträge entschieden. Ein Sprecher sagte, man könne den Kunden die rationale und ökonomisch richtige Entscheidung nicht aufzwingen. Die Frage, ob allen Kunden die entgangenen Zinserträge mitgeteilt wurden, ließ Ergo unbeantwortet.

Von

iw

Kommentare (34)

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aruba

25.10.2012, 07:55 Uhr

Guten Tag,.... Eben sehe Ich dass das Handelsblatt von " Trollen " spricht. Waere es nicht moeglich dass Herr Kaiser und Kumpane; welche auch nichts Gutes im Schilde fuehren gemeint seien. Puffbesuche, Bestechungen, Urkundenfaelschungen kosten Geld. Wie sie sehen ist durch einen einfachen Anzug mit Krawatte aus einem Scheisskerl ein " ehrbarer Versicherungsvertreter " zu machen. Das selbe gilt auch fuer Baenker !,,,,,, Vorsicht. Ich rede von Baenkern..... Nicht von Bankiers. Bankiers,.. das war eine Berufsbezeichnug fuer Leute deren Job es war Geld zu verwalten;.... und nicht zu veruntreuen. Dieser Beruf ist ausgestorben,... und anstelle sind Scheisskerle / sogenannte Baenker / gerueckt. Sie sehen aus wie Herr Kaiser und benehmen sich auch so. Besten Dank.

DieGierigen

25.10.2012, 08:01 Uhr

Wie unterscheiden sich ERGO und Griechenland ?

Überhaupt nicht !

Der sog. kleine Mann ist der Depp !

Heinz

25.10.2012, 08:03 Uhr

Mein Eindruck ist, dass ERGO symptomatisch für eine ganze Branche ist - deshalb bitte nicht nur ERGO kritisieren.

Ich war Kunde bei einem großem Strukturvertrieb. Mein Vermögenberater deckte auch Verträge bei mir um. (Gut verzinste Lebensversicherung in Riesterrente mit Garantie, danch in Riesterrente Fondpolice, danach Rüruprente Fondpolice.) Für jeden Wechsel erhielt er neue Provisionen-die ich bezahlen musste. Schaden - mehrere Tausend €. Er schrieb im Protokoll "auf Kundenwunsch". Als ich es merkte wurde er bösartig. Die Versichung teilte mir mit, dass ich die Verträge doch unterschrieben hätte, also selbst schuld bin. Der Gründer des Vertriebs gehört übrigens zu den reichsten Deutschen. Ihr Artikel bestätigt meinen schlechten Eindruck von Versicherungen.

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