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25.04.2013

12:57 Uhr

Versicherungskonzern

Ergo-Mutter Munich Re startet stark ins Jahr

Der Versicherungsriese Munich Re verdient im ersten Quartal prächtig, da große Naturkatastrophen ausgeblieben sind. Die Lebensversicherungen der Tochter Ergo sollen flexibler werden.

Munich-Re-Chef Niklaus von Bomhard blickt optimistisch auf das Jahr. AP/dpa

Munich-Re-Chef Niklaus von Bomhard blickt optimistisch auf das Jahr.

MünchenDer weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat überraschend den besten Jahresauftakt seit langem verbucht. "Insgesamt dürfte das Ergebnis des ersten Quartals bei knapp einer Milliarde Euro liegen", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard auf der Hauptversammlung am Donnerstag in München. "Wir sind sehr gut ins laufende Jahr gestartet." Belastungen durch große Naturkatastrophen gab es nicht. Nach Daten von Thomson Reuters Starmine hatten Branchenexperten im Schnitt lediglich 821 Millionen Euro erwartet. Die detaillierte Quartalsbilanz wird am 7. Mai erwartet.

Die Größenordnung von knapp einer Milliarde Euro hatte die Münchener Rück zuletzt im Auftaktquartal 2007 geschafft, also vor Ausbruch der Finanzkrise. In den ersten drei Monaten 2012 hatte der Gewinn bei 782 Millionen Euro gelegen.

Vorstandschef von Bomhard warnte allerdings davor, den jetzt erreichten Ergebnissprung einfach auf das Gesamtjahr hochzurechnen: "Das Jahr ist noch lang." Nach den bisherigen Planungen peilt die Münchener Rück im laufenden Jahr annähernd drei Milliarden Euro an. "Nach dem guten Resultat des ersten Quartals sind wir zuversichtlich, unser Gewinnziel erreichen zu können." Im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit einem Gewinn von 3,2 Milliarden Euro sein ursprüngliches Ziel von 2,5 Milliarden deutlich übertroffen.

Die teuersten Katastrophen 2012

Statistik von Swiss Re

Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.

Tornados im Mittleren Westen

Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.

Stürme in den Rockies

Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.

Hurrikan Isaac

Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.

Erdbebenserie in Italien

Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.

Dicke Hagelkörner auf St. Louis

Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.

Derecho-Sturmsystem

Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.

Schwere Stürme im Frühjahr

Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.

Dürre im Corn Belt

Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.

Sandy randaliert im Osten der USA

Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.

An der Börse zogen die guten Nachrichten am Donnerstag nicht so richtig. Die Münchener-Rück-Aktie, die seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent zugelegt hat, stieg mit einem Plus von 0,3 Prozent kaum stärker als der Dax.

Während der Gewinn der Rückversicherungssparte in diesem Jahr auf 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro von zuletzt 3,0 Milliarden sinken soll, erwartet von Bomhard in der Erstversicherung rund um die Tochter Ergo unverändert eine Verdopplung auf 400 bis 500 Millionen Euro. Dazu sollen neue Lebensversicherungsangebote beitragen, die Ergo im Sommer auf den Markt bringen will. Sie sollen flexibler an wechselnde Lebensumstände angepasst werden können, kündigte das Unternehmen an, ohne weitere Details zu nennen.

Auch andere Lebensversicherer basteln an neuen Produkten, um sich für das schwierigere Umfeld zu wappnen: Wegen der niedrigen Kapitalmarktzinsen fällt es der Branche schwer, Anlagen zu finden, die über 30 Jahre attraktive Renditen abwerfen. Zudem wird es nicht leichter, die alten Garantien, die die Versicherer den Kunden noch in Hochzinsphasen gegeben hatten, zu erwirtschaften. Besserung ist für die gesamte Münchener Rück nicht in Sicht: "Die laufenden Erträge aus den Kapitalanlagen werden daher tendenziell weiter sinken", sagte von Bomhard.

Von

rtr

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