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10.09.2015

16:24 Uhr

Versicherungsmarkt

Lloyd's büßt Gewinn ein

VonKatharina Slodczyk

Der britische Versicherungsmarkt Lloyd's kämpft mit niedrigen Zinsen und schrumpfenden Gewinnen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, versucht Lloyd's auf anderen Märkten Fuß zu fassen.

Der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr sank um mehr als ein Viertel. Imago

Lloyd's

Der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr sank um mehr als ein Viertel.

LondonNiedrige Zinsen und Preisdruck durch zunehmenden Wettbewerb haben Spuren in der Halbjahresbilanz des britischen Versicherungsmarkts Lloyds’s hinterlassen. Der Vorsteuergewinn für die ersten sechs Monate ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 1,16 Milliarden Pfund (umgerechnet 1,63 Milliarden Euro) gefallen, wie Lloyd’s am Donnerstag bekannt gab.

Die Kapitalrendite ist um etwa ein Drittel auf 10,7 Prozent zurückgegangen. Die Schaden-Kosten-Quote, die Auswendungen für Schäden und Verwaltung ins Verhältnis zu den Beitragseinnahmen setzt, verbesserte sich leicht. Sie stieg um gut zwei Prozentpunkte auf 89,5 Prozent.

Lloyd’s ist kein klassisches Versicherungsunternehmen, sondern ein Markt, auf dem die Mitglieder Versicherungsrisiken handeln – zuletzt waren es 96 solcher Syndikate unter dem Lloyd’s-Dach. Um Zugang zu dem traditionsreichen Versicherungsmarkt zu bekommen, haben Konkurrenten aus den USA und Asien in den vergangenen Monaten Lloyd’s-Unternehmen übernommen.

Systemrelevante Versicherer laut FSB (2013)

1

Allianz

Sitz: München

Netto-Gewinn 2012: 5,2 Milliarden Euro

Umsatz: 106,4 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 1,85 Billionen Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA

Mitarbeiter: 144.000

Börsenwert: 53,8 Mrd Euro

Quelle: Reuters

2

AIG

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 2,6 Milliarden Euro

Umsatz: 50,13 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 287 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 63.000

Börsenwert: 53 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

3

Aviva

Sitz: London

Netto-Verlust 2012: 3,55 Milliarden Euro (wegen hoher Abschreibungen auf Beteiligungsverkäufe, vor allem in USA)

Umsatz: 39,68 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 319,19 Milliarden Euro (inklusive mittlerweile verkaufter Bereiche) S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 31.000

Börsenwert: 12,73 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

4

AXA

Sitz: Paris

Netto-Gewinn 2012: 4,15 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 1,1 Billionen Euro

Umsatz: 90,13 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 160.000

Börsenwert: 39,56 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

5

GENERALI

Sitz: Triest

Netto-Gewinn 2012: 90 Millionen Euro

Umsatz: 69,6 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 490 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A

Mitarbeiter: 80.000

Börsenwert: 22,5 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

METLIFE

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 0,9 Milliarden Euro

Umsatz: 52,04 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 364 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA-

Mitarbeiter: 64.000

Börsenwert: 40,8 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

PING AN INSURANCE

Sitz: Shenzhen

Netto-Gewinn 2012: 2,49 Milliarden Euro

Umsatz: 37,18 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen liegt nicht vor

S&P-Finanzstärke-Rating: nicht vorhanden

Mitarbeiter: 190.000

Börsenwert: 35,3 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

PRUDENTIAL

Sitz: London

Netto-Gewinn 2012: 2,56 Milliarden Euro

Umsatz: 34,78 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen 265,12 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA

Mitarbeiter: 26.000

Börsenwert: 34,22 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

9

PRUDENTIAL FINANCIAL

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 358 Millionen Euro

Umsatz: 864,7 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: über 760 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA-

Mitarbeiter: 48.000

Börsenwert: 27,9 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

So hat diese Woche der japanische Versicherer Mitsui Sumitomo den Kauf von Amlin für 3,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 4,8 Milliarden Euro) vereinbart. Die Japaner zahlen einen Aufschlag von 36 Prozent auf den Amlin-Schlusskurs von Montag. Der Preis entspricht dem 2,4-fachen des Buchwerts. Amlin ist damit unter den Lloyd’s-Syndikaten  das am höchsten bewertete Versicherungsunternehmen.

Analysten erwarten, dass die Konsolidierung in der Branche noch eine Weile anhält. Parallel dazu hat Lloyd’s aber jüngst Everest Re und damit ein weiteres Unternehmen unter sein Dach aufgenommen. „Wir sind vorsichtig, wenn es um neue Syndikate geht und akzeptieren nicht alle“, sagt Lloyd’s-Verwaltungsratschef John Nelson dem Handelsblatt, „aber wir heißen Bewerbungen von potenziellen Einsteigern willkommen, die etwas Neues bieten.“ Dazu gehören etwa Versicherer von Cyber-Risiken, wie Lloyds-Chefin Inga Beale in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters andeutete.

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Lloyd’s versicherte einst David Beckhams Beine, nun bietet er deutschen Firmen Policen gegen Cyberattacken an. Auch Munich Re und die Allianz wittern ein Milliardengeschäft. Doch bislang ist die Resonanz gering.

Um das Wachstum anzukurbeln, expandiert Lloyd’s zudem in Schwelländer und hat in diesem Jahr ein Büro in China und in Dubai eröffnet. Als nächstes ist voraussichtlich Malaysia dran. „Wir sehen uns auch Indien und die Türkei, haben aber verstärkt den afrikanischen Markt auf dem Radar“, so Nelson.

Von den jüngsten Turbulenzen in Schwellenländern, ausgelöst durch die schwächelnde Konjunktur in China, werde man sich davon nicht abhalten lassen. „Wir haben eine langfristige Sicht auf die Dinge“, betont Nelson. Und langfristig betrachtet gibt es Experten zufolge in diesen Märkten eine zunehmende Nachfrage nach Versicherungen.

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