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02.04.2014

15:28 Uhr

Versicherungsunternehmen

Ergos Einnahmen sinken weiter

Die Zinsen sind niedrig, die Geschäfte mit Lebensversicherungen schwächeln, die Beitragseinnahmen gehen zurück: Ergo muss umsteuern und setzt auf Personaleinsparungen, Nischenprodukte und das Auslandsgeschäft.

Torsten Oletzky ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender von Ergo. dpa

Torsten Oletzky ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender von Ergo.

DüsseldorfNiedrige Zinsen und schwache Geschäfte mit Lebensversicherungen setzen dem Versicherer Ergo weiter zu. Nach bereits rückläufigen Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr rechnet Ergo-Chef Torsten Oletzky daher auch 2014 mit Einbußen um etwa 100 Millionen auf etwa 18 Milliarden Euro. Beim Gewinn nannte er am Mittwoch in Düsseldorf eine Spanne von 350 bis 450 Millionen Euro, bezeichnete diese Schätzung aber als konservativ.

Den schwierigen Rahmenbedingungen will die Tochter der Münchener Rück unter anderem mit weiteren Einsparungen beim Personal beikommen. „Wir haben geplant, zwischen 2014 und 2018 jährlich 200 bis 300 Arbeitsplätze möglichst über natürliche Fluktuation zu streichen“, erklärte Oletzky. Zudem soll Ergo über Nischenprodukte wachsen wie etwa Event- und Kunstversicherungen, Kautionsversicherungen und Industriepolicen im Ausland. Auch das Auslandsgeschäft, etwa in China und Indien, soll ausgebaut werden.

Ergo hatte 2013 trotz der um 2,3 Prozent auf 18,1 Milliarden Euro geschrumpften Beitragseinnahmen den Gewinn um 50 Prozent auf 436 Millionen Euro gesteigert, wovon 200 Millionen als Dividende an die Münchener Rück gehen. Der Versicherungskonzern mit seinen Sparten Lebens-, Kranken-, Industrie- und Schadenversicherungen profitierte unter anderem von einer Steuerrückzahlung. Zudem hatten 2012 Restrukturierungsaufwendungen das Ergebnis belastet.

Die Ergo nahm in Deutschland bei den Lebensversicherungen 20 Prozent weniger ein als 2012. „Die Unsicherheit über die Zukunft der Lebensversicherungen vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen verunsicherte die Kunden“, erklärte Oletzky. Er kündigte an, mit weiteren neuen Lebensversicherungen gegenzusteuern. Erste Erfolge hätten sich bereits eingestellt.

Versicherer in Europa

Europa

Zahl der Unternehmen: 5078 (in 2008)

Beschäftigte: 956 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 1104 Milliarden Euro

Daten aus 2010

Deutschland

Zahl der Unternehmen: 582

Beschäftigte: 216 400

Bruttoprämien: 179 Milliarden Euro

Frankreich

Zahl der Unternehmen: 441

Beschäftigte: 147 400

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Italien

Zahl der Unternehmen: 242

Beschäftigte: 47 185

Bruttoprämien: 126 Milliarden Euro

Großbritannien

Zahl der Unternehmen: 1314

Beschäftigte: 117 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Niederlande

Zahl der Unternehmen: 268

Beschäftigte: 57 000

Bruttoprämien: 78 Milliarden Euro

Belgien

Zahl der Unternehmen: 145

Beschäftigte: 23 727

Bruttoprämien: 29 Milliarden Euro

Schweiz

Zahl der Unternehmen: 151

Beschäftigte: 45 659

Bruttoprämien: 40 Milliarden Euro

Spanien

Zahl der Unternehmen: 292

Beschäftigte: 47 779 (in 2009)

Bruttoprämien: 57 Milliarden Euro

Dänemark

Zahl der Unternehmen: 184

Beschäftigte: 16 773

Bruttoprämien: 21 Milliarden Euro

Schweden

Zahl der Unternehmen: 386

Beschäftigte: 20 414

Bruttoprämien: 28 Milliarden Euro

Im zweiten Halbjahr habe die Mitte 2013 eingeführte neue Police bereits elf Prozent der Sparten-Einnahmen ausgemacht. Wie Marktführer Allianz Leben gibt auch der Düsseldorfer Versicherer seinen Kunden bei den neuen Lebensversicherungen nicht mehr die üblichen lebenslangen Garantien und verspricht ihnen dafür mehr Rendite.

Den Versicherern fällt es angesichts der niedrigen Zinsen immer schwerer, langfristige Kapitalanlagen zu finden, die über 30 Jahre und mehr sichere Renditen in einer Höhe abwerfen, die für die Kunden attraktiv sind. Mit der kürzeren Garantien gehen sie dem Problem aus dem Weg. Zudem werden die Versicherten immer älter, was die Kalkulation zusätzlich erschwert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

08.04.2014, 20:21 Uhr

Was sagt die BaFin dazu?

Was passiert mit den Bewertungsreserven auf die fälligen Lebensversicherungsverträge?

Was sagt der Bundesfinanzminister zu den Aktivitäten der BaFin in Sachen einheitlicher Bewertungsmassstäbe in Banken und Versicherungen?

Greift er jetzt endlich durch oder macht er das Problem von der BaFin und maßgeblich von Frau König zu seinem eigenen Problem?

Herr Maas möge das Spannungsverhältnis lösen, die BaFin reorganisieren und dem Verbraucherschutzministerium unterstellen.

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