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21.08.2012

07:26 Uhr

Warten auf den Regen

Deutsche Versicherer leiden unter der Dürre

VonAxel Höpner

Für viele Menschen in den USA ist die Trockenheit ein Desaster. Doch die Folgen der Dürre reichen auch bis nach Deutschland: Für Versicherer wie die Munich Re werden solche Ernteausfälle richtig teuer.

Vertrockneter Mais in Illinois: Agrarversicherungen sind ein interessantes Wachstumsfeld. dpa

Vertrockneter Mais in Illinois: Agrarversicherungen sind ein interessantes Wachstumsfeld.

MünchenSehnsüchtig warten derzeit nicht nur die Farmer in der Kornkammer Nordamerikas auf ein Ende der Trockenheit. Aber auch die Versicherungskonzerne beobachten die Wettervorhersagen gebannt. Die Agroversicherungs-Sparte der Munich Re musste wegen der ungewöhnlich langen Dürre-Periode für Ernteausfälle in den USA bereits 160 Millionen Euro zurücklegen. Das ist der bislang mit Abstand größte Schaden in dem Geschäft. Und doch setzt der Versicherer große Hoffnungen auf die Nische: "Das Potenzial ist noch riesig", sagte Karl Murr, Leiter der Agro-Sparte, dem Handelsblatt.

Denn das Marktpotenzial ist groß. "Wir glauben, dass die Agrarversicherung eine deutliche Steigerung erleben wird", sagt auch Joachim Crönlein, Chef der Allianz-Tochter Münchener und Magdeburger Agrarversicherung. Das Segment, das lange ein Nischendasein fristete, gewinne an Bedeutung. Crönlein verweist vor allem auf die zuletzt zum Teil rasant gestiegenen Nahrungsmittelpreise. Mit den Versicherungswerten steigen die Prämien - und damit der Markt.

Hinzu kommt als Treiber der Klimawandel. Nach Einschätzung der Experten von der Munich Re werden sich Wetterextreme in der Zukunft häufen. Damit ist auch verstärkt die Ernte der Landwirte in Gefahr. Ob nun die ungewöhnlich lange Dürre in den USA schon Folge des Klimawandels ist oder nur ein Wetterphänomen, ist offen. In jedem Fall wird das Bewusstsein für die Ernteausfallgefahr geschärft.

Nach Schätzungen in der Branche sind bislang nur etwa 20 bis 25 Prozent der Agrarproduktion weltweit gegen Naturkatastrophen versichert. Als vorbildlich gilt das Ernteversicherungssystem in den USA, das staatlich gestützt ist. Hier sind 105 Millionen Hektar versichert, gut 80 Prozent der genutzten Gesamtfläche. Die Netto-Beitragszahlungen lagen in der Erstversicherung bei knapp zwölf Milliarden Dollar, davon etwa 60 Prozent staatlich subventioniert.

Die Munich Re als Rückversicherer im Hintergrund erzielt denn auch 70 Prozent ihrer Prämien in der Agrarversicherung in den USA. Weltweit kommen die Münchener auf Einnahmen von etwa einer Milliarde Dollar und in der Rückversicherung auf einen Marktanteil von 25 Prozent.

Nach Einschätzung der Munich Re sind staatlich gestützte Systeme wie in den USA sinnvoll. "Das können wir als Versicherungswirtschaft nicht allein stemmen", sagte Murr. Wenn der Staat einen Teil des Risikos und der Prämien trage, blieben die Prämien bezahlbar für die Landwirte. Zudem werde so allen Bauern eines Landes der Zugang zum Versicherungsschutz ermöglicht - der ansonsten in besonders gefährdeten Regionen unbezahlbar wäre.

Kommentare (9)

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21.08.2012, 07:54 Uhr

liebes Handelsblatt, euer Ticker klemmt seit gestern, ich weiss nicht ob das bekannt ist.

Karsten

21.08.2012, 08:38 Uhr

Es war doch schon vor Jahren bekannt, dass die Landwirtschaft in den USA die Austrocknung des Landes vorantreibt und die Situation wird nicht unbedingt besser. Da gibt es ein paar Tage weniger Niederschlag und schon hat man seine Dürre. Die USA werden noch massive Probleme bekommen, wenn sie ihre Wasserwirtschaft nicht ändern.

Charbonnier

21.08.2012, 09:36 Uhr

Wer Monokultur in der Landwirtschaft betreibt muss sich nach Jahrzehnten nicht wundern, wenn solche Zustände dabei herauskommen. Die Dämlichkeit der amerikanischen Farmer und der US-Politiker ist nicht mehr zu überbieten.

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