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12.09.2011

14:47 Uhr

Wegen Zinstiefs

Rückversicherer hoffen auf höhere Preise

VonMichael Detering

Nach dem schweren Erdbeben in Japan und dem Hurrikan Irene an der US-Küste ist der Versicherer Hannover Rück optimistisch, die Preise erhöhen zu können. Doch die Konkurrenz bremst die Euphorie.

Naturkatastrophen wie Hurrikan „Irene“ und niedrige Zinsen setzten den Rückversicherern zu. AFP

Naturkatastrophen wie Hurrikan „Irene“ und niedrige Zinsen setzten den Rückversicherern zu.

Monaco/Monte CarloDer Hurrikan „Irene“ kostet die Hannover Rück deutlich weniger Geld als Marktführer Münchener Rück. Die Nettoschadenbelastung werde im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen, teilte der drittgrößte Rückversicherer der Welt am Montag beim Branchentreffen in Monaco mit. Die Münchener Rück hatte ihre Lasten zuletzt auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag geschätzt.

Die gesamten versicherten Schäden für die Branche beziffert die Münchener Rück auf sieben Milliarden Dollar. Damit wäre „Irene“ der achtteuerste Hurrikan seit 1980. Der Wirbelsturm hatte Ende August - als erster Hurrikan seit drei Jahren - wieder die US-Küste getroffen. Die schlimmsten Befürchtungen trafen allerdings nicht ein, vor allem die Metropole New York kam halbwegs glimpflich davon. Als der Sturm im Anmarsch war, hatten erste Expertenschätzungen versicherte Schäden von mehr als zehn Milliarden Dollar für möglich gehalten.

Die Hannover Rück erwartet bei der Erneuerung der Verträge mit den Erstversicherern zum 1. Januar 2012 höhere Preise auf breiter Front. "Wir erwarten durchschnittliche Preissteigerungen von drei bis acht Prozent", sagte der Chef der Hannover Rück, Ulrich Wallin auf einer Pressekonferenz in Monte Carlo. Dieser Wert beziehe sich sowohl auf den Markt allgemein als auch auf das Ziel der Hannover Rück.

In Monte Carlo trifft sich traditionell Anfang September die Rückversicherungsbranche, um mit ihren Kunden, den Erstversicherern, erste Verhandlungen über die Vertragsbedingungen zum neuen Jahr zu führen.

Wallin sieht gute Bedingungen, um nach vielen Jahren, in denen die Preise nicht erhöht werden konnten, nun bessere Konditionen auszuhandeln. "Zu Jahresbeginn mussten wir noch kämpfen, um die Preise stabil zu halten", sagte Wallis. Mit den teuren Katastrophen im ersten Halbjahr, insbesondere das schwere Erdbeben in Japan, habe sich das geändert. Versicherungen gegen solche Katastrophen wurden in den vergangenen Monaten bereits um die Hälfte oder gar 100 Prozent teurer. Auch in der Sach-, Haftpflicht- und Kfz-Versicherung zeichneten sich laut Swiss Re und Hannover Rück leicht steigende Prämien ab.

Hinzu komme die Unsicherheit an den Finanzmärkten, die die Rückversicherer belaste. Ein großer Teil der Erträge stamme aus Finanzanlagen. Wenn nun womöglich mit einer längeren Niedrigzinsphase gerechnet werden müsse, sei die Entwicklung im eigentlichen Versicherungsgeschäft umso wichtiger. "Wir brauchen dort eine Schaden-Kosten-Quote von unter 100 Prozent." Die Quote gibt an, inwieweit die Aufwendungen für Schäden und andere Kosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt sind. Nur bei Werten unter 100 Prozent ist das Kerngeschäft eines Versicherers profitabel. Durch die vielen Katastrophen in diesem Jahr liegen die meisten Rückversicherer aktuell darüber.

Wegen der niedrigen Zinsen für sichere Anlagen warnte auch der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re vor einer anhaltenden Branchenkrise. Die tiefen Zinsen seien der größte Schock der letzten drei Jahre. Sie seien weit bedeutender als die Naturkatastrophen von 2010/11. „Wenn sie nicht durch deutlich tiefere Schaden-Kosten-Sätze kompensiert werden, droht die Ertragskraft der Branche mit der Zeit zu erodieren“, sagte der für Vertragsabschlüsse zuständige Swiss-Re-Manager Brian Gray. Für die Aktien der Rückversicherer ging es unter dem Eindruck der griechischen Schuldenkrise deutlich nach unten. Das Swiss-Re-Papier rutschte bis zum frühen Nachmittag mit dem Markt um 5,80 Prozent ab, der Hannover-Rück-Kurs sank um 3,23 Prozent, und für Weltmarktführer Munich Re ging es um 2,52 Prozent nach unten.

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