Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2013

17:45 Uhr

„Weltstandard“

Zurich-Chef fordert Eigenkapitalregeln für Versicherer

ExklusivWährend sich bei den Banken der Kapitalstandard „Basel III“ etabliert, herrscht bei den Versicherungen Wildwuchs. Das muss sich ändern, fordert Zurich-Chef Martin Senn – und bringt einen Zuschlag ins Spiel.

Zurich-Chef Martin Senn: „Regulatorische Fragmentierung können wir uns nicht auf Dauer leisten“. dpa

Zurich-Chef Martin Senn: „Regulatorische Fragmentierung können wir uns nicht auf Dauer leisten“.

ZürichMartin Senn, Vorstandschef der Schweizer Versicherungskonzern Zurich Insurance Group, fordert einen weltweit einheitlichen Kapitalstandard für die Versicherungsbranche. „Die Industrie braucht solch einen Weltstandard“, sagte Senn in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Die regulatorische Fragmentierung können wir uns nicht auf Dauer leisten.“

Bei den Banken haben sich die Eigenkapitalregeln „Basel III“ als Weltstandard etabliert. In der Versicherungswirtschaft dagegen herrscht noch Wildwuchs. Selbst in der EU ist die Einigung auf einen als „Solvency II“ bezeichneten Standard noch nicht in Sicht.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

Senn sieht nun in den geplanten Kapitalzuschlägen für systemrelevante Versicherer den Einstieg in ein weltweit einheitliches Regelwerk für die Assekuranz. Das Financial Stability Board (FSB) will eine Liste von Versicherern zusammenstellen, deren Zusammenbruch das gesamte Finanzsystem gefährden könnten. Um das zu vermeiden, sollen diese systemrelevanten Versicherer einen Extra-Kapitalpuffer vorhalten.

„Alle systemrelevanten Versicherer, egal aus welchem Land sie stammen, sollen einen Kapitalzuschlag vorhalten. Diese Zusatzreserve ist für mich der Einstieg in einen Weltstandard für Versicherer“, sagte Senn.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

13.07.2013, 19:56 Uhr

Den Einwand verstehe ich nicht.

Frau König, Präsidentin der BAFin kommt aus der Versicherungswirtschaft. Und ausgerechnet die Versicherer sollten kein Eigenkapital für eigene Risiken zurücklegen?

Das liegt offensichtlich daran, dass den Eigentümern eine Vorabdividende gesetzlich garantiert wird und die Versicherten das Risiko tragen. In diesem Verständnis ist die Argumentation von Frau König, die Versicherten um den Anspruch an den Bewertungsreseven zu enteignen, zu verstehen.

Die Versicherungswirtschaft hat es geschafft eine Lobbyistin auf den Sessel zu heben! Das muss korrigiert werden. Ihre "europäischen Absichten" sind zu unterbinden. Ein zweiter Fall Asmussen darf sich nicht wiederholen.

Account gelöscht!

24.07.2013, 12:26 Uhr

Ein einheitlicher Kapitalstandard? Den Gedanken finde ich grundsätzlich gut, da er meiner Meinung nach indirekt und nachhaltig die Interessen der Versicherungsnehmer schützt. Und vor allem würde es am Ende für alle kostengünstiger werden.

ABER: Wie soll das gehen? In unserer Welt gibt es Steuern, staatliche Versicherer und Kapitalzuschläge für ausländische Rückversicherer. Also völlig unterschiedliche Staatsinteressen.

Die Märkte und Aufsichtssysteme sind einfach noch zu unterschiedlich. Es gelingt ja noch nicht mal in Europa, einheitliche Solvenz- bzw. Eigenkapitalregeln für Versicherer einzuführen. Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wann Solvency II ursprünglich eingeführt werden sollte.

Und natürlich würden die großen Player von einem solchen Zuschlag langfristig profitieren. Ich glaube, dass wir nach Einführung von Solvency II noch viele Konsolidierungen sehen werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×