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07.11.2014

10:33 Uhr

Weniger Naturkatastrophen

Rückversicherer Swiss Re steigert Gewinn

Der Gewinn des Rückversicherers Swiss Re stieg im dritten Quartal um 14 Prozent. Für das Schlussquartal erwarten Experten allerdings einen Gewinn-Rückgang. Grund ist ein Verkauf an eine US-Versicherung.

Der Reingewinn der Swiss Re stieg im dritten Quartal um 14 Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar (986 Millionen Euro). Reuters

Der Reingewinn der Swiss Re stieg im dritten Quartal um 14 Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar (986 Millionen Euro).

ZürichDer Rückversicherer Swiss Re hat den Gewinn im dritten Quartal überraschend gesteigert. Der Konzern aus Zürich profitierte von der ungewöhnlich niedrigen Anzahl schwerer Naturkatastrophen.

Geholfen hat auch, dass Rückstellungen für Steuern aufgelöst werden konnten.

Der Reingewinn stieg im dritten Quartal um 14 Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar (986 Millionen Euro), wie die Schweizer am Freitag mitteilten. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt lediglich mit 891 Millionen Dollar gerechnet hatten. Auch an den Kapitalmärkten verdienten die Schweizer gut.

Die Zahlen kamen an den Märkten gut an. Vorbörslich wurden die Swiss-Re-Aktien um 2,2 Prozent fester indiziert. Das Ergebnis gab Spekulationen auf eine weitere Sonderdividende Auftrieb.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Swiss Re sieht sich auf Kurs zu seinen Finanzzielen. Angestrebt wird im Schnitt ein Gewinnanstieg je Aktie von zehn Prozent und eine Eigenkapitalverzinsung, die 700 Basispunkte über dem risikofreien Zinssatz liegt. Diese Vorgaben gelten noch bis 2015.

Neue Ziele hat der Konzern für Februar in Aussicht gestellt. „Die gute Performance verdeutlicht, wie wichtig eine enge Kundenbeziehung und ein differenziertes Dienstleistungsangebot in einem schwierigeren Marktumfeld sind“, sagte Swiss-Re-Konzernchef Michael Lies. „Unser engagierter Kundenfokus zahlt sich also aus, insbesondere unter anspruchsvollen Bedingungen, einem sich abschwächenden Markt und weiterhin ungewissen Wirtschaftsaussichten.“

In der Branche tobt seit einiger Zeit ein Preiskampf, seit Finanzinvestoren und Pensionskassen das Rückversicherungsgeschäft für sich entdeckt haben. Branchenprimus Münchener Rück ortete jüngst aber erste Anzeichen für eine Entspannung.

Die Prämieneinnahmen steigerte Swiss Re im abgelaufenen Vierteljahr um elf Prozent auf 8,31 Milliarden Dollar. Vor allem die größte Geschäftssparte Sachversicherung glänzte mit einem Gewinnbeitrag von 842 Millionen Dollar. Große Naturkatastrophen blieben aus und das Verhältnis von Schaden- und Verwaltungskosten zu Prämieneinnahmen lag bei niedrigen 76,7 Prozent.

Der Konzern aus Zürich legte als letzter der führenden Rückversicherer seine Zahlen vor. Der Rivale Münchner Rück stellt sich im kommenden Jahr auf mehr Gegenwind ein . Die Nummer drei, Hannover Rück, erwartet 2015 erneut einen leichten Gewinnanstieg.

Im Schlussquartal dürften der jüngst bekanntgegebene Ausstieg aus dem US-Lebensversicherungsgeschäft den Gewinn von Swiss Re mindern. Die Trennung von der Konzerntochter Aurora National Life werde mit einem Verlust von weniger als 200 Millionen Dollar zu Buche schlagen, wie es hieß.

Die Eidgenossen haben Aurora an die Reinsurance Group of America veräußert. Aurora betreibt das sogenannte Admin Re-Geschäft, in dem geschlossene Lebens- und Krankenversicherungsbestände abgewickelt werden.

Von

rtr

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