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07.07.2015

13:03 Uhr

Windparks und Autobahnen.

Versicherer wollen Lockerungen bei Investitionen

Versicherer hoffen auf eine Lockerung der EU-Regeln bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Die Versicherungsaufsicht will die Eigenkapitalquote deutlich verringern. Bislang liegt sie bei bis zu 59 Prozent.

Bislang müssen Versicherer bei der Finanzierung von Infrastruktur-Projekten wie Windparks tief in die Eigenkapital-Tasche greifen. dpa

Windpark

Bislang müssen Versicherer bei der Finanzierung von Infrastruktur-Projekten wie Windparks tief in die Eigenkapital-Tasche greifen.

FrankfurtDie deutsche Versicherungsbranche macht sich Hoffnungen auf einen leichteren Einstieg in Infrastruktur-Projekte wie die Finanzierung von Windparks oder Autobahnen. Der Vorschlag der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, unter bestimmten Bedingungen eine geringere Absicherung solcher Investitionen mit teurem Eigenkapital zu verlangen, könne Bewegung in die Diskussion bringen, sagte Axel Wehling, Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), am Dienstag.

„Die im Konsultationspapier vorgeschlagene Eigenmittelquote von 30 bis 39 Prozent ist aus unserer Sicht noch zu hoch – angemessen wären 20 bis 25 Prozent“, schränkte Wehling ein. Er wandte sich auch gegen zusätzliche Auflagen wie Stresstests für einzelne Projekte, die von der Aufsicht vorgeschlagen wurden.

Diese Objekte haben Versicherer gekauft

Dieterich Karree Düsseldorf

Am 14. August 2014 hat die Bayerische Versorgungskammer in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Düsseldorf zugegriffen – und ein Einkaufszentrum samt Wohnungen in einem angesagten Stadtteil erstanden. 282 Wohneinheiten ließ sich der Versicherer 70,5 Millionen Euro kosten. Quelle: EY

Potsdam Apartments

Und die Bayerische Versorgungskammer griff gleich ein weiteres Mal zu: Sie kaufte im Mai 2014 auch in Brandenburgs schicker Landeshauptstadt Wohnungen, die Potsdam Apartments. 138 Wohneinheiten kosteten 32,7 Millionen Euro.

Halensee Apartments

Die Apothekerversorgung Niedersachsen hat ebenfalls in Immobilien investiert, in die Halensee Apartments im hippen Berlin. Im September 2014 erstand der Versorger 217 Wohneinheiten.

Steglitzer Park Quartier

In Deutschlands Hauptstadt grassiert der Bauboom, das geht auch an Versorgern und Versicherern nicht vorbei. So kaufte die Pensionskasse der Bewag im November 2014 ebenfalls in Berlin (Steglitz) 120 Wohneinheiten für 24,4 Millionen Euro.

Mühsamstraße 54

Mühsam ist die Suche nach Immobilien sicherlich – auch für Versicherer. Die Dresdner Pensionskasse VVaG hat daher passend im März diesen Jahres in der Mühsamstraße in Berlin zugegriffen. 40 Wohneinheiten kosteten 23 Millionen Euro.

Phoenix Wohnen Dortmund

Als zweiter Versicherer in Nordrhein-Westfalen war die Arag Group in Dortmund aktiv. Im September 2014 erstand der Versicherungskonzern aus der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf dort 44 Wohneinheiten. Der Preis blieb unbekannt.

Dresden Apartments

Die Axa Group bleibt der einzige Versicherer, den es nach Sachsen verschlug – die Franzosen entschieden sich angesichts der freien Auswahl für die Dresden Apartments als Objekt der Begierde. 135 Wohneinheiten gingen im Oktober 2014 an die Pariser – Preis unbekannt.

Hanse Viertel Lüneburg

Auch was sich das Versorgungswerk der Zahnärztekammer das Hanseviertel Lüneburg kosten ließ ist nicht bekannt. Im November 2014 erstanden die Düsseldorfer die 127 Wohneinheiten in Nioedersachsen.

Green Six Frankfurt

Erst im Mai 2015 war die Hanse Merkur Versicherungsgruppe in Hessen aktiv. Das Wohngebäude mit dem schillernden Namen Green Six Frankfurt umfasst 196 Wohneinheiten. Die Hamburger ließen sich die Immobilie 20 Millionen Euro kosten.

Sonnengarten Apartments Glienicke/Nordbahn

Die Immobilie mit dem zugleich wohl malerischsten wie kompliziertesten Namen erstand erneut die Pensionskasse der Bewag. Im Dezember 2014 erwarb die Pensionskasse die Immobilie in Brandenburg. Die 40 Wohneinheiten mit dem sonnigen Namen kosteten 5,7 Millionen Euro.

Bisher müssen die Versicherer Infrastruktur-Projekte mit bis zu 59 Prozent Eigenkapital unterlegen – nach Ansicht der Branche ist das unangemessen. Die Versicherer monieren, dass das einem stärkeren Engagement in solche Projekte entgegenstehe. Sie sind händeringend auf der Suche nach langfristigen Anlageobjekten, die ähnlich sicher sind wie Staatsanleihen, aber mehr Rendite abwerfen. Kritiker glauben allerdings, dass es eher der Mangel an lukrativen Investitionsmöglichkeiten ist und weniger die Regulierung, die die Versicherer bremst.

Bei der EU-Kommission stieß die Branche auf offene Ohren. Denn die Politik sucht verstärkt privates Kapital für die Finanzierung von öffentlicher Infrastruktur. Deshalb hatte die EIOPA den Auftrag erhalten, die Kapitalanforderungen („Solvency II“) für solche Investments nochmals zu überprüfen, die Anfang 2016 in Kraft treten sollen.

Die Behörde hatte Ende vergangener Woche ein Konsultationspapier dazu veröffentlicht, im September sollen endgültige Vorschläge vorliegen. Der GDV rechnet damit, dass die Vorschriften frühestens im Sommer 2016 wieder geändert werden könnten.

Von

rtr

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