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06.11.2014

10:52 Uhr

Zurich Insurance Group

Versicherer Zurich verdient weniger

Die Zurich Insurance Group konnte im dritten zwar an den Finanzmärkten gut verdienen, verfehlte aber die Erwartungen der Analysten. Der Gewinn fiel um 16 Prozent. Finanzchef Quinn glaubt auch weiterhin an Fortschritte.

Der Gewinn der Zurich Insurance Group ging im dritten Quartal zurück. dpa

Der Gewinn der Zurich Insurance Group ging im dritten Quartal zurück.

ZürichDie Zurich Insurance Group hat die Anleger mit einem überraschend starken Gewinnrückgang im dritten Quartal enttäuscht. Obwohl teure Großschäden ausblieben und Europas fünftgrößter Versicherungskonzern an den Finanzmärkten gut verdiente, stand unter dem Strich mit 928 Millionen Dollar um 16 Prozent weniger Gewinn.

Zurich habe deutlich weniger nicht mehr benötigte Schadenreserven auflösen können als vor einem Jahr, erläuterte Finanzchef George Quinn am Donnerstag. „Letztes Jahr war stark positiv und dieses Jahr hatten wir weniger als ein Prozent positiven Einfluss von Reserveauflösungen.“ Der Konzern musste auch überraschend viel Steuern zahlen.

Die Anleger hatten wie auch Analysten deutlich mehr Gewinn erwartet. Die Zurich-Aktien fielen um zwei Prozent auf 287,90 Franken und gehörten damit zu den schwächsten europäischen Versicherungswerten. Analysten waren im Schnitt von 1,06 Milliarden Dollar Quartalsgewinn ausgegangen.

Dass Finanzchef Quinn das Dividendenversprechen erneuerte, konnte den in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Kurs nicht stützen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende des Jahres eine attraktive Dividende zahlen werden", sagte Quinn. Zurich macht nach seinen Worten gute Fortschritte bei der vor knapp einem Jahr eingeleiteten Neuausrichtung. Allerdings bleibe noch viel zu tun und das Umfeld werde schwieriger, erklärte der Finanzchef. Mit einer Eigenkapitalverzinsung von 10,7 Prozent gemessen am Betriebsgewinn verfehlte Zurich die Zielspanne von zwölf bis 14 Prozent im Zeitraum Juli bis September. In den ersten neuen Monaten betrug die Quote 11,8 Prozent.

Skandale in der Versicherungsbranche

Problem

Das Image der Versicherungswirtschaft hat in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Skandalen gelitten.

Kritik

„Es ist fatal, dass eine solche konservative und auf Sicherheit setzende Branche immer wieder mit derartigen Skandalen belastet wird“, sagt Axel Kleinlein, der Chef des Bundes der Versicherten.

Budapest

Ein „Mordsspaß“ sei es gewesen, den die rund 100 Vertreter der Hamburg-Mannheimer (HMI) gehabt haben. So schildert die HMI-Mitarbeiterzeitschrift „Profil“ einen der größten Skandale der Versicherungsbranche: eine Sexorgie der besten Vertriebler von HMI. Die Gesellschaft, die zum Ergo-Konzern gehört, feierte 2007 in den Budapester Gellert-Thermen.

Jamaika

Lustreisen sind in der Versicherungsbranche keine Seltenheit. Von Ergo selbst recherchierte Berichte zeigen, dass Sexreisen eine gängige Belohnung sind. So flogen Versicherungsvertreter zum „Liebesabenteuer“ nach Mallorca oder Jamaika.

Rio

Vor gut zwei Jahren wurde bekannt, dass Wüstenrot 2010 seine besten Handelsvertreter nach Rio de Janeiro eingeladen hatte. Einige Vertreter nutzten die Einladung zu einem Besuch des Nachtklubs „Barbarella“ - anschließend nahmen mindestens drei Mitarbeiter des Wüstenrot-Außendienstes Prostituierte mit in ihr Hotelzimmer.

Kapstadt

Einen Trip nach Südafrika, der wenige Wochen nach dem Ausflug nach Brasilien stattfand, ließ sich Wüstenrot fast eine Million Euro kosten. 120 Handelsvertreter waren eingeladen worden und hatten in Kapstadt das Fußball-WM-Spiel zwischen Deutschland und Argentinien gesehen.

Sonderaktionen

Ergo sorgte auch mit umstrittenen Geschäftspraktiken für Schlagzeilen. Denn fast 5000 Kunden der Tochterunternehmen Victoria und Hamburg-Mannheimer wurden in Sonderaktionen des Vertriebs dazu verleitet, hochverzinste Lebensversicherungsverträge in niedriger verzinste „Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr gegen Einmalbetrag“ zu tauschen. Für die Versicherten war das ein schlechtes Geschäft, für die Vertreter nicht. Nur wenige Kunden hätten eine Rückabwicklung gewünscht, erklärte Ergo dazu.

Vertragsänderungen

Auch Wüstenrot hat Berater ermuntert, Kunden dazu zu bewegen, dass sie ihre hochverzinsten Altverträge vorzeitig kündigen. Nach Angaben des Unternehmens hatte die Aktion das Ziel, jedem Bausparer das beste Angebot für seinen aktuellen Bedarf zu machen. Doch bei einer vorzeitigen Kündigung verliert der Kunde seinen Anspruch auf die sogenannten Bonuszinsen.

Kosten

Fehlerhaft agierte Ergo darüber hinaus bei rund 12.000 Riester-Verträgen aus den Jahren 2005 und 2006. Sie wurden laut Ergo aus Versehen zu falschen Kosten abgerechnet. So zahlten Kunden 25 Prozent mehr als vereinbart. 

Gier

Der Versicherungsvertreter Mehmet Göker verkaufte mit seiner Firma MEG private Krankenversicherungen und kassierte dafür satte Provisionen. Er symbolisiert in Deutschland den gierigen Versicherungsvertreter, der nur an sich denkt. MEG brach zusammen, einige Versicherer blieben auf Millionen-Vorauszahlungen sitzen, Göker setzte sich ab in die Türkei. In Kassel droht ihm ein Prozess.

Zurich-Chef Martin Senn hatte den Aktionären im April versprochen, den Konzern wieder stärker auf Wachstum auszurichten und zu wenig rentable Geschäfte abzustoßen. Die Kosten sollen durch verschiedene Maßnahmen bis 2015 um 250 Millionen Dollar gesenkt werden.

Die Prämieneinnahmen steigerte Zurich im dritten Vierteljahr leicht auf 12,9 Milliarden Dollar. Die größte Sparte Schadenversicherung arbeitete auch dank wenig Großschäden mit einem Schaden-Kosten-Satz von 97,7 Prozent rentabler.

Der Münchener Rivale Allianz will am Freitag über die Geschäftsentwicklung berichten. Nach Einschätzung von Analysten dürfte Europas Branchenprimus mit Zuwächsen vor allem im Schaden- und Unfallgeschäft Einbußen in der Vermögensverwaltung wettmachen, die nach den Turbulenzen bei der Konzerntochter Pimco erwartet werden.. Die italienische Generali steigerte den Gewinn in den ersten neun Monaten überraschend deutlich und stellt ihren Aktionären eine Dividendenanhebung in Aussicht.

Von

rtr

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