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01.09.2013

13:04 Uhr

Zurich-Versicherung

„Der großartige Ruf ist etwas getrübter“

Der Selbstmord des Finanzvorstandes der Zurich-Versicherung und der Rücktritt von Josef Ackermann schlagen hohe Wellen. Jetzt meldet sich der Zurich-Vorstandschef zu Wort – und bangt um den Ruf seines Unternehmens.

Josef Ackermann und der Vorstandschef der Zurich-Versicherung Martin Senn (rechts). dpa

Josef Ackermann und der Vorstandschef der Zurich-Versicherung Martin Senn (rechts).

Die Diskussion um den Selbstmord des Zurich-Finanzchefs Pierre Wauthier geht in eine neue Runde. Jetzt äußert sich der Vorstandschef des Versicherers. „Der Tod von Pierre Wauthier und der Rücktritt von Joe Ackermann haben den sehr guten Ruf der Zurich beeinträchtigt, das ist gar keine Frage“, erklärt Martin Senn in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung.

Üblicherweise gehört es nicht zur Tagesordnung, dass der Vorstand eines großen Finanzunternehmens sich bei einem Selbstmord eines Mitarbeiters in der Öffentlichkeit positioniert. Der Schweizer zeigt sich aber um den Leumund seines Unternehmens besorgt. „ Ich arbeite jetzt daran, dass wir diesen Reputationsverlust, diese Wolke, die sich über das Unternehmen gelegt hat, wieder wegblasen können“, sagt Senn. Der „weiterhin großartige Ruf“ sei „etwas getrübter“.

Das Leben von Josef Ackermann

Herkunft

Josef ("Joe") Meinrad Ackermann wurde am 7. Febr. 1948 in Walenstadt (Kanton St. Gallen) als Sohn eines Landarztes geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern, Karl und Daniel, im nahen Mels im Sarganserland auf.

(Quelle: Munziger.de)

Ausbildung

Von 1967 bis 1973 studierte Ackermann Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fachrichtung Bankwirtschaft) an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen. Anschließend war er dort als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Nationalökonomie tätig. 1977 promovierte er zum Dr. oec. Er ist Oberst der Schweizer Armee.

Start ins Berufsleben

Seine Berufskarriere begann Ackermann 1977 bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), bei der er eine steile und geradlinige Karriere durchlief. Wichtige Stationen seiner Laufbahn waren leitende Funktionen im Corporate Banking in New York, im Bereich Devisenhandel und Treasury in Lausanne und im Investment Banking bei der CS First Boston in London. Zuletzt leitete er den Bereich Multinational Services Schweiz in Zürich.

Berufliche Lebensplanung

Bereits 1990, als 42-Jähriger, rückte er in die Generaldirektion der Schweizerischen Kreditanstalt auf, 1993 wurde er deren Präsident. Als Präsident der SKA, der wichtigsten Tochtergesellschaft der mächtigen Schweizer Bank Credit Suisse (CS), war Ackermann nach CS-Chef Rainer E. Gut die unumstrittene Nummer zwei des Bankkonzerns. U. a. besorgte er die Integration der Schweizerischen Volksbank in die Credit Suisse Group. Dessen ungeachtet verließ A. im Juli 1996 etwas abrupt den Konzern und machte dafür Gründe der beruflichen Lebensplanung geltend, während in der Wirtschaftspresse vermutet wurde, Ackermann habe den Wettbewerb um den Vorsitz der neu strukturierten Credit Suisse Group gegen seinen Konkurrenten Lukas Mühlemann verloren. Ackermann äußerte aber auch Kritik am radikalen Umbau der Bankengruppe CS Holding zur Credit Suisse Group.

Wechsel zur Deutschen Bank

Im Herbst 1996 übernahm Ackermann bei der Deutschen Bank als Vorstandsmitglied zunächst den Geschäftsbereich Kreditrisiken, dann die Bereiche Marktrisiken, Treasury und Volkswirtschaft und schließlich den zukunftsträchtigen Bereich "Globale Unternehmen und Institutionen" (d. h. Großkundengeschäft und Investment Banking), der im Geschäftsjahr 1999 mehr als 60 Prozent zum Konzerngewinn der Deutschen Bank beitrug.

Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Als enger Vertrauter des Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper galt A., der den früheren Bankchef Alfred Herrhausen wiederholt als sein Vorbild nannte, zu diesem Zeitpunkt bereits als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge von Rolf-Ernst Breuer, der im Mai 1997 das Amt des Vorstandssprechers der Deutschen Bank übernommen hatte. Im Sept. 2000 wählte der Vorstand der Deutschen Bank Ackermann überraschend frühzeitig zu seinem künftigen Sprecher mit Wirkung ab Mai 2002. Begleitet von großem Medieninteresse löste Ackermann auf der Hauptversammlung am 22. Mai Breuer als Vorstandschef der Deutschen Bank ab.

Vertragsverlängerung

Am 1. Febr. 2006 verlängerte der Aufsichtsrat Ackermanns Vertrag - nun in der Funktion eines Vorstandsvorsitzenden statt Vorstandssprechers - bis zur Hauptversammlung 2010. Gestärkt ging Ackermann nach Beobachtermeinung auch aus einer Neuordnung von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai 2006 hervor: Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Rolf-Ernst Breuer übernahm der bisherige Finanzvorstand Clemens Börsig dessen Nachfolge.

Globale Finanzkrise

Insgesamt schrieb Ackermanns Bank im Krisenjahr 2008 erstmals in ihrer Geschichte rote Zahlen und verbuchte einen Verlust in Höhe von 3,8 Mrd. Euro, wobei in erster Linie die Investmentbanking-Sparte die Bilanz mit einem Jahresverlust von 8,5 Mrd. Euro belastete. Ackermann selbst verlor mit einem um 90 Prozent zurückgegangenen Jahresverdienst von 1,4 Mio. Euro seinen Platz als Topverdiener unter den DAX-Vorstandschefs.

Vetragsverlängerung bis 2013

Obwohl er noch bei der Jahrespressekonferenz im Febr. 2009 seinen Abschied für 2010 angekündigt hatte, nahm Ackermann im April 2009 überraschend das Angebot des Aufsichtsrats zur Verlängerung seines Vertrags als Vorstandsvorsitzender um drei Jahre bis 2013 an und beendete damit Spekulationen über den Aufsichtsratschef Clemens Börsig als seinen potenziellen Nachfolger. Im März 2009 hatte das Kontrollgremium eine Verdoppelung des Vorstands auf acht Mitglieder beschlossen. Neu in die Führungsetage gerückt waren dadurch u. a. Koinvestmentbanking-Chef Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen.

Abschied von der Deutschen Bank

Nach einem in den Medien breit kommentierten Machtkampf zwischen Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig um die Nachfolgefrage beschloss der Aufsichtsrat Ende Juli 2011 eine personelle Neuordnung des Vorstands ab Juni 2012, bei der aber nicht Ackermanns Wunschkandidat Ex-Bundesbankchef Axel Weber, der kurz zuvor bei der Schweizer Bank UBS zugesagt hatte, zum Zug kam. Als neue gleichberechtigte Kovorsitzende der Deutschen Bank wurden die beiden Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain ernannt, die von Ackermann allerdings - auch nach ihrer Ernennung - nicht ausdrücklich unterstützt wurden. Legendär wurde in diesem Zusammenhang seine Einschätzung: "Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen", die als Werbung für Weber und Abqualifizierung der internen Kandidaten interpretiert wurde.

Ackermann verabschiedete sich bei der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 von der Deutschen Bank. Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Paul Achleitner, bisher Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz.

Nach der Deutschen Bank

Nachdem Ackermann auf einen Verbleib bei der Deutschen Bank verzichtet hatte, wurde bald über seinen geplanten Wechsel an die Spitze des Verwaltungsrats des Schweizer Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich Financial Services AG, in dem er bereits seit 2010 als Vizepräsident tätig war, berichtet. Bei der Generalversammlung des Konzerns Ende März 2012 wurde Ackermann dann mit 82 Prozess der Stimmen erneut in den Verwaltungsrat des in Zurich Insurance Group AG umbenannten Unternehmens und in das Kontrollgremium der Tochter Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG gewählt und wurde anschließend zum Präsidenten beider Gremien bestimmt.

Ende August 2013 tritt er als Zurich-Präsident zurück, nachdem Finanzchef Pierre Wauthier Selbstmord begangen hatte. In Wauthiers Abschiedsbrief an den Versicherungskonzern wurde Ackermann als einziger Manager namentlich genannt, berichtete ein Insider.

Senn erklärt, nichts von einem möglichen Konflikt zwischen Ackermann oder Wauthier mitbekommen zu haben. Die Witwe des Finanzvorstandes hatte geäußert, dass Achermann ihren Mann unter Druck gesetzt habe. Senn berichtet freimütig über eine gemeinsame Reise nach London, eine Woche vor dem Selbstmord.

Beide hielten Präsentationen vor Investoren. „Pierre wirkte topfit. Ich habe nichts festgestellt, was auf irgendwelche Probleme hätte hindeuten können“, berichtet Senn. Sein Kollege soll „hoch kompetent“ gewirkt haben. Laut Umfragen soll er „global als einer der besten Finanzchefs“ gegolten haben. Wauthier sei „ integer“ und „bescheiden“ gewesen. Der Selbstmord sei nicht vorhersehbar gewesen: „Selbst wenn man einen Menschen gut kennt und eng mit ihm zusammenarbeitet, sieht man leider nie ganz in ihn hinein“, sagt Senn der NZZ.

Senn bestätigt, dass es in dem Abschiedsbrief um das Verhältnis zwischen „Herr Ackermann und Pierre Wauthier und um das Verhalten Ackermanns aus Sicht von Pierre Wauthier“ ginge.

Gestern hatte das Handelsblatt gemeldet, dass der verstorbene Finanzchef zwei Abschiedsbriefe hinterlassen hatte: „Einer war an die Familie gerichtet, ein zweiter aber an die Zurich Gruppe“, so ein Insider. Im Brief an den Konzern sei Ackermann als einziger Manager namentlich genannt.

Kommentare (10)

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bilanzJOJOjosef

01.09.2013, 14:19 Uhr

es ist hinreichend bekannt,daß der oberboss schwarz auf weiß ergebnisse benötigt,von der DEUTSCHEN BANK zu genüge bekannt,die eben schwarz auf weiß dastehen.

später werden dann zweistellige milliardenverluste draus,aber dann ist der beststeller wieder in seinen bergen

ackermann ,auch nur ein täuscher und aufschneider

VICTOR_KRUGER

01.09.2013, 15:08 Uhr

Einen Aufpasser, der seine Geburtstagssause mit der
Kanzlerin feiert und 25 Prozent wie ein Mantra
vor sich her trägt, sollte ein Unternehmen erst gar nicht
ins Boot holen.
Um den Ruf braucht es dann nicht zu bangen.

Tom

01.09.2013, 15:30 Uhr

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