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03.06.2015

10:24 Uhr

Vor der EZB-Ratssitzung

Draghis neue Sorgen

VonJan Mallien

Noch Anfang des Jahres sanken die Preise in der Euro-Zone deutlich. Doch dieser Trend hat sich schneller umgekehrt als viele erwartet haben. Für EZB-Chef Mario Draghi bringt dies vor der Ratssitzung ein neues Problem.

Börse am Mittag

EZB-Sitzung macht die Anleger nervös

Börse am Mittag: EZB-Sitzung macht die Anleger nervös

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FrankfurtMonatelang musste Mario Draghi zittern, wenn die neuesten Daten zur Inflation im Euro-Raum kamen. Trotz der sehr lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stiegen die Preise einfach nicht. Ökonomen sorgten sich vor einem Teufelskreis aus schrumpfenden Preisen und einer wirtschaftlichen Rezession.

Diese Sorge hat sich inzwischen weitgehend erledigt. Noch im Januar schrumpften die Preise in der Euro-Zone gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,6 Prozent. Nun ist die Inflationsrate im Mai erstmals in diesem Jahr wieder positiv. Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat kletterten die Preise um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für EZB-Chef Mario Draghi schafft der positive Preistrend allerdings ein neues Problem.

Notenbanken lockern Geldpolitik – Eine Chronik

Fallende Preise, schrumpfende Investitionen

Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Es folgt ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar:

Quelle: Reuters

4. März/15. Januar – Indien

Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

28. Februar/4. Februar – China

Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

24. Februar/20. Januar – Türkei

Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

23. Februar – Israel

Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

18. Februar – Botsuana

Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

17. Februar – Indonesien

Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

12. Februar – Schweden

Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

5. Februar/29. Januar/22. Januar/19. Januar – Dänemark

Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

4. Februar/7. Januar – Rumänien

Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

3. Februar – Australien

Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

30. Januar – Russland

Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

28. Januar – Albanien

Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

28. Januar – Singapur

Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

24. Januar – Pakistan

Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

22. Januar – EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

21. Januar – Kanada

Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

16. Januar – Peru

Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

15. Januar – Ägypten

Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

15. Januar – Schweiz

Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

1. Januar – Usbekistan

Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten. (zusammengestellt von Jamie McGeever, bearbeitet von Frank Siebelt, redigiert von Alexander Ratz.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1312 oder 030-2888 5168)

Analysten führen die positive Preisentwicklung nicht zuletzt auf die massive Intervention der EZB zurück. Seit März kauft sie für monatlich 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und Wertpapiere der Euro-Länder auf. Damit will sie die Inflation im Euro-Raum in Richtung ihres langfristigen Zielwerts von knapp zwei Prozent treiben. „Die EZB kann mit Recht behaupten, dass ihre Politik wirkt“, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Diese Politik habe den Wechselkurs des Euros gedrückt und so zu höheren Importpreisen beigetragen, so Weil. Je schneller aber die EZB Erfolg hat, desto eher rechnen die Märkte mit einem baldigen Ende der ultralockeren Geldpolitik. Bislang hat die EZB angekündigt, dass sie die Anleihekäufe mindestens bis September 2016 ausführen will.

Als im April die Inflationszahlen besser ausfielen als erwartet, löste das bereits ein Beben am Anleihe- und Devisenmarkt aus: Die Kurse von Bundesanleihen brachen so stark ein wie noch nie in so kurzer Zeit – und der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar kräftig auf.

Für Draghi sind die Spekulationen über ein baldiges Auslaufen der Anleihekäufe (Tapering) problematisch, denn sie können ihre Effektivität schwächen. Schließlich wirken sie sich vor allem über den Wechselkurs auf die Inflation aus. Wenn der Euro jedoch wieder aufwertet, verpufft dieser Effekt. Gleiches gilt am Anleihemarkt: Hier sind die Zinsen wegen der Tapering-Spekulationen gestiegen, was die Wirtschafts- und Preisentwicklung tendenziell schwächt.

Kommentare (18)

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Herr Lui Kators

03.06.2015, 11:00 Uhr

Die 246ste "Rote Linie", die 327ste "letzte" Chance, der 192ste "letzte" Schritt vor dem Abgrund, der 588ste gerissene Geduldsfaden, das 263ste "allerletzte" Ultimatum, das 151ste "endgültig letzte" Angebot: Jeder, der sein Kind so erzieht, schafft einen lebensunfähigen Asozialen.

Unfassbar, was für Nieten und Versager hier am Werk sind und den hart erarbeiteten Wohlstand Deutschlands verbrennen. Die Ignoranten selbst sind UND BLEIBEN natürlich bestens gepampert.

Weg mit diesem Euro, und weg mit dieser elenden EU!

Account gelöscht!

03.06.2015, 11:06 Uhr

Wieso soll denn Signore Draghi " Sorgen " haben ? Er hat doch alles richtig gemacht.

In Zeiten, in denen die Polit-Pappnasen nur dummes Zeug labern, hat er wenigstens Rückgrat bewiesen und gehandelt (Juli 2012 mit: " Whatever it takes " ... " and believe me it will be enough "). Die ureigenste oberste Priorität und wichtigste Aufgabe einer Notenbank ist es, die eigene Währung zu erhalten und zu schützen. Und gerade uns Deutschen, wo wir erwiesenermaßen die größten Profiteure und Nutznießer der Gemeinschaftswährung sind, damit einen riesen Gefallen getan.

Und das Gute ist ... Signore Draghi würde es jederzeit wieder tun. Darauf können wir Deutschen uns zu 100 % verlassen - völlig egal, welche unterbezahlten Politikernullen gerade das Sagen haben.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Sergio Puntila

03.06.2015, 11:12 Uhr

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei...

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