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18.12.2013

18:47 Uhr

Vor der Fed-Entscheidung

Alle Augen auf Ben

Heute hat Ben Bernanke seinen letzten großen Auftritt als Chef der US-Notenbank Fed. Der Termin hat es in sich: Wird er endlich verkünden, wann er die Anleihekäufe zurückfahren will? Die Vorzeichen sind widersprüchlich.

Das Ende seiner Amtszeit naht: Fed-Chef Bernanke.

Das Ende seiner Amtszeit naht: Fed-Chef Bernanke.

DüsseldorfFür Ben Bernanke ist dieser Mittwoch ein besonderer Tag. Zum letzten Mal wird der scheidende Chef der US-Notenbank Fed in dieser Funktion in Washington vor die Presse treten – und offiziell verkünden, wie die Zentralbanker künftig ihre Politik gestalten wollen und wie sie die wirtschaftliche Entwicklung in den USA einschätzen. Und sehnlicher denn je warten Investoren weltweit auf ein Zeichen, wann die Fed ihr milliardenschweres Konjunkturprogramm zurückzufahren gedenkt. Alle Augen sind auf Bernanke gerichtet, wenn er ab 20.15 Uhr deutscher Zeit spricht.

Kurz zuvor, um 20 Uhr, will die Notenbank zum Ende der zweitägigen Tagung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses ein Statement herausgeben (einzusehen hier). Darin, so hoffen Börsianer, erhalten sie Aufschluss über die Zukunft der Anleihekäufe und den Zeitplan zur Erhöhung des faktisch auf null gesenkten Leitzinses. Derzeit kauft die Fed jeden Monat Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf, um die langfristigen Zinsen zu senken und damit die Konjunktur zu befeuern. Rund drei Billionen Dollar haben die Währungshüter im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise in den Wirtschaftskreislauf gepumpt.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Im Frühsommer hatte Bernanke überraschend angedeutet, die Notenbank könne noch im Herbst mit dem so genannten „Tapering“ beginnen, der allmählichen Reduzierung des Programms. Doch dann überlegte es sich Amerikas oberster Währungshüter anders und ließ die Gelddruckmaschinen vorerst laufen. Grund waren entmutigende Wirtschaftsdaten und der ungelöste Dauerstreit von Demokraten und Republikanern um den US-Haushalt. Im Protokoll ihrer vorherigen Sitzung Ende Oktober hatte der Offenmarktausschuss die Öffentlichkeit lediglich wissen lassen, dass die Anleihenkäufe „in den kommenden Monaten“ zurückgefahren würden.

Die Fed folgt dabei ihrer selbst aufgestellten Gleichung: Je schwächer der Aufschwung der US-Wirtschaft, desto länger lässt Bernanke die Schleusen offen. Nun gab es zuletzt wieder Hoffnungssignale vom Arbeitsmarkt und im politischen Washington. Somit ist es wieder wahrscheinlicher geworden, dass die Fed an diesem Mittwoch den Anfang vom Ende des im Fachjargon Quantitative Easing (QE) genannten Ankaufsprogramms einläutet.

Die Arbeitslosenquote in den USA war im November um 0,3 Prozentpunkte auf sieben Prozent gesunken, den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Die Wirtschaft legte im dritten Quartal stärker zu als erwartet: Die Regierung korrigierte das Wachstum zwischen Juli bis September auf eine Jahresrate von 3,6 Prozent nach oben. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung nur um 2,5 Prozent gewachsen, im ersten Quartal um 1,1 Prozent.

Kommentare (4)

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ujvar

18.12.2013, 19:29 Uhr

der US Dollar wird stärker werden,er muss niemandem Rechenschaft legen und sitzt nicht auf einem Pulverfass aus griechischem Wein, Posto, Bordeaux und Chianti.

Account gelöscht!

18.12.2013, 19:38 Uhr

QE for ever.

Es wird nicht gekürzt, es wird drauf gesattelt.
"We live by QE, we Die by Qe"

Account gelöscht!

18.12.2013, 20:23 Uhr

Die Nachricht, dass das Tapering jetzt und in aller Zukunft ausbleibt, wird deshalb auch mit Papiergoldverkäufen an der COMEX orchestriert. Es ist so ein erbärmliches Laienschauspiel. Das Bernanke dabei aber immer noch so ein ernstes und betroffenes Gesicht machen kann ohne in lautes Gelächter auszubrechen, ist eine wahre Meisterleistung. :-)

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