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13.08.2015

17:04 Uhr

Vorbild China für Notenbanken

Das Überraschungsei der Währungshüter

VonKatharina Schneider, Stephan Scheuer, Holger Alich, Sara Zinnecker

Mit der Abschwächung des Yuan hat die chinesische Notenbank die Märkte weltweit in Aufruhr versetzt. Doch was die Chinesen können, das können andere Notenbanker schon lange. Sie lieben Überraschungen.

Yuan gibt weiter nach

Chinesische Währung stürzt ab

Yuan gibt weiter nach: Chinesische Währung stürzt ab

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Düsseldorf, Frankfurt, Peking, ZürichNotenbanker lieben es, die Märkte zu überraschen. Der Grund: Nur, wenn ihre Interventionen plötzlich kommen, erreichen sie ihr Ziel. Wenn sich Anleger, Banken und Unternehmen schon lange auf die geldpolitischen Eingriffe vorbereiten können, verpufft die Wirkung. „Das ist am Markt schon längst eingepreist“, heißt es dann.

Zu den zentralen Aufgaben aller Notenbanken gehört es, den Kurs ihrer Landeswährungen sowie die Inflationsrate im Blick zu behalten. Zwar sollen hauptsächlich die Marktkräfte das Auf und Ab der Währungen beeinflussen, doch wenn die Entwicklung der eigenen Wirtschaft schadet, schreiten die Zentralbanken ein. Ständig müssen sie abwägen, ob und wann ein solcher Eingriff gerechtfertigt ist. Sobald sie dann aktiv werden, ist ihnen die Aufmerksamkeit der Börsianer sicher.

Ein besonders großes Überraschungsei hat in dieser Woche die chinesische Notenbank aus der Tasche gezogen. Plötzlich wertete sie die Landeswährung Renminbi, auch Yuan genannt, ab. Damit hatte keiner gerechnet, denn die Währungshüter hatten den Kurs des Renminbi zum US-Dollar zuvor über Monate nahezu konstant gehalten.

Noch im April hatte der Internationale Währungsfond (IWF) gesagt, dass sich der Wechselkurs der chinesischen Währung nahezu auf einem ausgeglichenen Niveau befinde – Peking den Kurs also nicht mehr künstlich niedrig halte, um seinen Exporteuren Vorteile zu verschaffen. Vor diesem Hintergrund war die Abwertung des von der Zentralbank bestimmten Referenzkurses um rund 1,9 Prozent im Vergleich zur Vortagesvorgabe am Dienstag ein echter Knaller.

Chinas Notenbank ist bekannt für drastische Schritte. Sie steuert die schrittweise Öffnung der Finanzmärkte in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Erst seit 2005 lässt sie den Renminbi überhaupt etwas im Vergleich zum US-Dollar schwanken. Als ihr der Kurs zu stark stieg, schaltete sie sich im Juli 2008 ein und fixierte den Wechselkurs faktisch für fast zwei Jahre. Seit der erneuten Freigabe im Juni 2010 hat der Yuan mit wenigen Ausnahmen immer weiter an Stärke gewonnen – zumindest bis zum Anfang dieser Woche.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.


Mit der Abschwächung der Währung unterstützen die Chinesen ihre Wirtschaft, denn chinesische Waren sind im Ausland nun günstiger zu haben. Die Finanzmärkte hat das plötzliche Eingreifen allerdings kalt erwischt. Die Befürchtung der Börsianer: Wenn Chinas Wirtschaft schwächelt, könnte das die gesamte Weltwirtschaft bremsen. Weltweit kam es an den Aktienmärkten zu großen Kursverlusten. Der deutsche Leitindex Dax gab bis Mittwochabend mehr etwa sechs Prozent ab, der EuroStoxx 50 beinahe vier Prozent und auch an der Wall Street ging es für den Dow Jones einige Punkte nach unten.

Doch nicht nur die chinesische Notenbank ist für Überraschungen gut, für große Umwälzungen an den Märkten hat in diesem Jahr auch schon eine andere Notenbank gesorgt und dann gibt es da ja noch einen ganz besonderen Notenbank-Superhelden...

Kommentare (3)

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Herr Helmut Metz

13.08.2015, 17:24 Uhr

Man beachte: eine Währungs-Abwertung ist also ein Währungshüten. ;-)) Lächerlich...
In dem weltweiten kompetitiven Abwertungskrieg können "währungshütende" Notenbanken ihre Währungen nur sukkzessive zerstören.
Ultimative Folge dieser "Währungshüterei" wird eine globale Währungskrise aller maßgeblichen ungedeckten Papierwährungen sein.

Herr Manfred Zimmer

13.08.2015, 18:03 Uhr

Lassen wir Polemik außen vor:
Währungen sind manipulierbar, sind manipuliert.
Sie sind keine knappen Güter und für die Wertaufbewahrung ungeeignet.

Herr Tom Schmidt

13.08.2015, 18:22 Uhr

ein interessanter Artikel, wobei ich dem Autor nicht zustimmen kann, das der Überraschungseffekt Ziel der Notenbanker ist. Gerade im Fall der Schweiz war man ja nicht am Aufwerten des Franken interessiert. Aber da sind wir schon an einem entscheidenden Punkt: die Berichterstattung über unterschiedliche Notenbanken und ihre Politik ist sehr inkonsistent.

Bei der Schweiz z.B. wurde argumentiert, dass sie sich es nicht mehr leisten konnte, den Fanken niedrig zu halten. Und nach dem Aufwerten waren die Schweizer Devisenreserven in Franken natürlich weniger wert, was als großer Verlust dargestellt wurde.

China hingegen, machte dasselbe und schwächte die eigene Währung und lies sie kontrolliert über die Jahre etwas ansteigen (von Marktschwankungen kann dabei aber keine Rede sein!), in diesem Fall wird das aber argumentiert, als wäre das ganz einfach und ganz normal und ohne jedes Problem für China. Die letzten Tage erfolgte dann die Abwertung der chin. Währung, gleichzeitig wurde aber berichtet, dass China Dollar verkaufen würde. Die Abwertung muss aber mit dem Kauf verbunden sein!

Dann wurde argumentiert, die Börsen stürzten ab, weil ein Währungskrieg befürchtet wurde. Bisher hiess es immer die Börsen wären wegen dem vielen Zentralbankgeld so hoch wie sie sind. Im Falle eines Währungskrieges würde sich das ja nochmal beliebig verstärken, die Börsen also nochmal steigen.

Mir fehlt hier eine konsistente Berichterstattung, die die Gesamtlage und den einzelnen Notenbanken auf die Finger sieht und das erklärt und darlegt. Wobei das Handelblatt noch gut ist.

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