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02.07.2015

15:35 Uhr

Vorschlag zur Griechenland-Krise

Sollen wir die griechischen Sparer retten?

VonJan Mallien

Die griechischen Banken sind dem Ansturm verunsicherter Kunden nicht gewachsen. Um einen Bankrun zu vermeiden, hat der Frankfurter Ökonom Jan Pieter Krahnen heute einen kontroversen Vorschlag vorgelegt.

Griechische Einlagen bis 100.000 Euro sind nur durch die griechische Regierung gesichert. Reuters

Geldautomat auf Santorini

Griechische Einlagen bis 100.000 Euro sind nur durch die griechische Regierung gesichert.

FrankfurtDer Frankfurter Ökonom Jan Pieter Krahnen hat ein kontroverses Diskussionspapier zu Griechenland vorgelegt. Darin fordert er eine Garantie der Euro-Länder für die Einlagen der griechischen Banken bis zu 100.000 Euro. „Die Situation für das griechische Bankensystem dürfte dramatisch werden, wenn der Abfluss griechischer Spareinlagen ins Ausland und das Ausbleiben weiterer ELA-Kredite seitens der Zentralbank dessen Zahlungsfähigkeit bedrohen“, warnt Krahnen.

Das Geld für die Einlagengarantie solle aus dem Rettungsschirm ESM kommen. Für finanzielle Ausfälle des ESM haften die Steuerzahler der Euro-Länder entsprechend des Kapitalanteils ihres jeweiligen Landes.

Professor für Kreditwirtschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Jan Pieter Krahnen

Professor für Kreditwirtschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Der Vorschlag dürfte daher für Diskussionen sorgen. Der deutsche Bankenverband hat sich bisher vehement gegen ein gemeinsames europäisches Einlagensicherungssystem ausgesprochen. Die Idee stamme von Leuten, „die an die Fleischtöpfe wollen“, sagte einst der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer. Wenn der ESM einspringt würden allerdings nicht die Sparer aus anderen Euro-Ländern haften, sondern die Steuerzahler. Aber eine Umsetzung der Idee könnte den Weg zu einer europäischen Einlagensicherung ebnen.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Jüngst haben sich auch die Top-Verantwortlichen der EU in ihrem Zwei-Stufen-Plan für die Vertiefung der Euro-Zone für eine gemeinsame Einlagensicherung ausgesprochen. Autoren sind die fünf Präsidenten Jean-Claude Juncker (EU-Kommission), Mario Draghi (Europäische Zentralbank), Donald Tusk (EU-Ministerrat), Jeroen Dijsselbloem (Euro-Gruppe) und Martin Schulz (EU-Parlament). In dem Präsidenten-Bericht wird eingeräumt, dass dies „einige Zeit“ brauchen werde. Die deutschen Volksbanken und die Sparkassen haben bereits Kritik an dem Vorschlag laut werden lassen.

Eine gemeinsame Einlagensicherung sei der „gänzlich falsche Weg“, erklärte der Bundesverband der Volksbanken. „Es wäre brandgefährlich, wenn bei einer Bankenkrise wie der in Zypern auch Sparer in allen anderen Ländern kalte Füße bekämen und ihre Konten plünderten“, warnte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. „Die Gelder, die wir für die Sicherheit der Sparkassenkunden in Deutschland beiseite legen, dürfen nicht für Krisenbanken in anderen Ländern eingesetzt werden.“ In vielen Ländern sei die Einlagensicherung weniger entwickelt als in Deutschland.

Kommentare (26)

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Herr Karsten Schiefelbein

02.07.2015, 15:51 Uhr

In einem Punkt gebe ich Herrn Krahnen Recht (aber auch nur in diesem):

Es war tatktisch unklug, sich direkt in die griechische Politik einzumischen. Das konnte nur schiefgehen.

Ob ein Land seinen Laden durch Steuererhöhungen, mehr Effizienz oder durch Ausgabenkürzungen auf Vordermann bringt, muss diesem wirklich selbst überlassen sein.

Ansonsten sind die Aussagen für mich reiner Bullshit. Man denke an den Rüstungsetat, an den frühen Rentenbeginn und an üppige Staatsbedienstete.

Es gibt viele Menschen, die wirklich in Not sind und bei denen ich eine finanzielle Hilfe auch mit meinen Steuern gerne unterstütze.

Wenn hingegen ein Volk eine kommunistisch/rechtsextreme Regierungstruppe wählt und diese dann das Land erwartungsgemäß vor die Wand fährt, möchte ich dafür nicht haften, weder mit meinen Steuern noch mit meinen Spareinlagen.

Frau Ich Kritisch

02.07.2015, 15:53 Uhr

Sollen wir die griechischen Sparer retten?

NEIN!!

Herr Hans Glück

02.07.2015, 15:55 Uhr

Da sieht man die "Vergeistigung" der Ökonomen.Haben wir denn außer Prof. Sinn nur noch von der Wirklichkeit völlig losgelöste "Volkswirte" die eins und eins nicht zusammen zählen können?

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