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01.04.2015

13:46 Uhr

3. Teil: Basisrenten im Vergleich

Das Rürup-Rentchen

VonSara Zinnecker

Der Steuer-Turbo macht Rürup-Renten vor allem für Selbstständige interessant. Trotzdem haben nur 1,9 Millionen eine Police. Eine Analyse zeigt, wie sich die staatlich geförderte Vorsorge im Zinstief schlägt.

Auch Rürup-Renten leiden unter den Niedrigzinsen. Imago

Was im Alter bleibt

Auch Rürup-Renten leiden unter den Niedrigzinsen.

DüsseldorfBert Rürup ist ziemlich zufrieden damit, wie die Sache mit seiner Basisrente damals gelaufen ist: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kommissionsvorschlag derart eins zu eins umgesetzt worden ist“, offenbart der Ökonom im Interview mit Handelsblatt Online. Das Ziel, eine Vollversicherung für Selbstständige zu schaffen, die keinem eigenen Versorgungswerk angehören, habe man erreicht.

Dass seine Rente im elften Jahr nach der Einführung nicht gerade als „Verkaufsschlager“ gewertet wird, stört ihn daher wenig. Obwohl faktisch jeder eine Basisrente abschließen könnte, stieg die Anzahl der Policen 2014 lediglich um 100.000 auf nun 1,9 Millionen.

Bert Rürup im Interview: „Die Lebensversicherer haben ein dickes Problem“

Bert Rürup im Interview

„Die Lebensversicherer haben ein dickes Problem“

Das Zinstief bereitet Bert Rürup Kopfzerbrechen. Im Interview erklärt der Ökonom, warum Sparkassen und Versicherer leiden, der Staat Zinsverluste dennoch nicht kompensieren sollte und was für eine Solidarrente spricht.

Rürup kennt die Klagen der Versicherungswirtschaft und Sparer. Die Basisrenten seien zu starr konzipiert, heißt es da oft. In der Tat können Vorsorger zwar recht flexibel in einen Basisrentenvertrag einbezahlen – und jährlich bis zu 22.172 Euro von der Steuer absetzen. Allerdings bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich das angesparte Kapital später auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Anspruch besteht nur auf eine lebenslange Rente. „Makler berichten davon, dass diese Tatsache potenzielle Basissparer regelrecht abschreckt. Die Versicherungswirtschaft dürfte sich mehr versprochen haben“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

„Wenn man die Basisrente flexibler gestalten und zum Beispiel ein Kapitalwahlrecht zulassen würde, würde sich das Produkt sicher besser verkaufen“, räumt auch Rürup ein. Trotzdem lehnt es der Erfinder der Rente ab, nachträglich etwas zu ändern – weder an der Ausgestaltung, noch an der Höhe der steuerlichen Förderung. „Mit der Basisrente sollte eine Gleichstellung erfolgen und keine Privilegierung der nicht in obligatorischen Systemen Abgesicherten. Insofern ist die Basisrente, so wie sie konzipiert ist, richtig konzipiert.“

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Was sich Vorsorge-Sparer erhoffen können, wenn sie heute eine Basisrentenvertrag abschließen, hat Morgen & Morgen für Handelsblatt Online analysiert. Die Auswertung bezieht sich in erster Linie auf die Effektivkosten der Basisrenten. Es sind die Kosten, um die sich die Rendite des Produkts jährlich mindert. Im Vergleich von Morgen & Morgen sind aber keine Gesamtrenditen ausgewiesen, weil bei Basisrenten keine Ausschüttung des Gesamtkapitals aus der Ablaufleistung möglich ist. Sparer können nur Renten vereinbaren. Die kürzeste vom Analysehaus betrachtete Ansparzeit für die Policen sind zwölf Jahre, die längste 30 Jahre.

Aktuell haben die allermeisten Versicherer verschiedene Policen im Angebot – trotz des eher schleppenden Absatzes. „Versicherer wollen Lücken im Portfolio vermeiden und dem Kunden möglichst alles anbieten können, wonach er verlangt“, erklärt Joachim Geiberger von Morgen & Morgen. Ob die Basisrente einen späten Schub bekommt, kann er nicht sagen.

Auszuschließen sei es aber nicht. Denn das Zinstief macht andere Sparformen – allen voran die Lebensversicherung – so unattraktiv wie nie. Der Rürup-Rente könnte es zugutekommen, dass ihr großer Vorteil weniger die Rendite des angesparten Kapitals ist, sondern eher die Steuervorteile sind, die Sparer zusätzlich mitnehmen können. „Ein großer Vorteil der Basisrente ist ihr Steuerturbo“, sagt Geiberger.

Kommentare (9)

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Herr Klaus-Dieter Schreck

01.04.2015, 14:21 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

01.04.2015, 15:05 Uhr

Die Politik hat uns das eingebrockt und der deutsche Michel zahlt es wie immer. Stattdessen steigen die Saläre der Politiker an, die sich um ihre Altersversorgung überhaupt keine Gedanken machen müssen. Die Bürger werden seit Jahren absgestraft und eine Ende ist nicht in Sicht. Die Krux wie immer, die einen sind verantwortlich und die Bürger dürfen es wie immer ausbaden. Soetwas nennt man dann Demokratie im 2100 Jahrhundert in Europa!

Vive la France!

Herr Michael Müller

01.04.2015, 16:16 Uhr

Warum wohl wird die Rürup-Rente nicht angenommen?

Da sollten sich die Politiker einfach in die Situation des Klientels versetzen und zur Abwechslung einmal "vorausdenken"!

Es lohnt sich einfach nicht, ist zu teuer, zu kompliziert und zu riskant! Da ist die Pension schon deutlich einfacher, zukunftssicherer und auch höher!

Schade, dass die Selbständigen nur "geschröpft" werden und keine bessere Altersförderung erhalten. Letztendlich sind sie es, die den Wohlstand unseres Staates vorantreiben, was man von unseren Beamten, Pensionären, Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern nicht behaupten kann.

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