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11.04.2016

16:28 Uhr

500-Euro-Schein

EZB-Expertin steht zum Cash

VonThomas Hanke

Doris Schneeberger leitet die Bargeld-Abteilung der EZB. Sie stellt sich gegen die Meinung von Kriminalitätsbekämpfern – und sieht keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Banknoten und Kriminalität.

Viele mögen Bargeld, weil es einfach zu nutzen ist und im Gegensatz zu alternativen Zahlungsmitteln keine Sorgen mit Blick auf den Datenschutz auslöst. dapd

Geldnoten

Viele mögen Bargeld, weil es einfach zu nutzen ist und im Gegensatz zu alternativen Zahlungsmitteln keine Sorgen mit Blick auf den Datenschutz auslöst.

ParisBeruht die ganze Debatte über eine angeblich sinnvolle Einschränkung der Nutzung von Bargeld mehr auf Vorurteilen und Emotionen als auf sachlichen Informationen? Den Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank zufolge gibt es jedenfalls „keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Kriminalität und Bargeldnutzung oder auch zwischen dem Umfang der Schattenwirtschaft und Bargeld“, sagte Doris Schneeberger, Leiterin der Abteilung Banknotenmanagement in der EZB, auf einer Konferenz über die Zukunft des Bargelds am Montag in Paris.

Derselbe Nicht-Zusammenhang gelte für die Verwendung von Noten mit hohem Wert wie dem 500-Euro-Schein. Frankreich hat die Obergrenze für Bargeldzahlungen auf 1000 Euro gesenkt, Deutschland erwägt eine Obergrenze. Italien hat sie gesenkt, dann aber wieder von 1000 auf 3000 Euro erhöht. Aus der Politik kommen Forderungen nach Abschaffung der 500-Euro-Note. Für die europäische Polizeiorganisation Europol ist jedoch Bargeld als gängiges Mittel bei der Geldwäsche.

 

Was gegen Bargeld spricht

Die Anonymität...

...des Bargeldes ermöglicht es, ohne elektronische Spuren kriminelle Geschäfte abzuwickeln oder Steuern zu hinterziehen.

Die Zinslosigkeit

...des Bargelds ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Das sehen einige Ökonomen kritisch, da es die Möglichkeiten der Geldpolitik beschränkt. Schon bei einem Zins von minus 0,75 Prozent soll es billiger sein, Bargeld vollversichert im Tresor lagern zu lassen, anstatt es als Bankguthaben vorzuhalten.

Die Kosten des Handlings...

...von Barzahlungen können für manche Empfänger deutlich höher sein als alternative Bezahlformen.

Die Schattenwirtschaft mache in einem Land wie Schweden einen größeren Teil des Bruttoinlandsproduktes aus als in Deutschland, der Bargeldeinsatz sei aber wesentlich geringer, führte Schneeberger aus. Manche Akteure geben dort bereits die Losung von der „bargeldlosen Wirtschaft“ aus.

Auch in anderen Ländern zeige sich keine Korrelation zwischen der Bedeutung des Bargelds im Zahlungsverkehr und dem Umfang der Kriminalität. Schneeberger zog deshalb die Berechtigung der Debatte über das Bargeld im Kontext der Kriminalitätsbekämpfung in Zweifel: „Kriminelle nutzen auch Autos und Handys, aber niemand denkt deshalb ernsthaft daran, deren Gebrauch einzuschränken.“ Man müsse sich daher die Frage stellen, „ob es sich lohnt, die Verwendung von Bargeld zu verringern.“

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Die Verwendung der 500-Euro-Note haben im Kontext der Lehman-Krise und der Griechenland-Krise jeweils stark zugenommen, erläuterte Schneeberger. Das weise darauf hin, dass diesem größten Euro-Schein wohl vor allem die Funktion zukomme, in Zeiten des Zweifels an der Solidität des Bankensystemse persönliche Vermögenswerte zu sichern. „Die Wertaufbewahrungsfunktion des Bargeldes ist legitim und sie gewinnt an Bedeutung“, stellte die EZB-Expertin fest. Alain Gerbier von der Banque de Franc bestätigte, dass insgesamt die Nachfrage nach Bargeld in der Euro-Zone wie auch in Frankreich steigt. Die jährliche Wachstumsrate liegt in Frankreich bei 6,1 Prozent (bezogen auf den Wert), in der Eurozone bei 5,1 Prozent. „Wir sind zuversichtlich, was die Zukunft des Bargeldes angeht.“

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

11.04.2016, 16:53 Uhr

Dämliche Phantomdiskussion. Genauso wenig wie ich mir jemals darüber Gedanken machen muss, wie ich an Eintracht Tickets für Champions League Heimspiele gegen Barcelona oder Real Madrid herankomme wenn sie Deutscher Meister werden, muss man sich auch niemals Gedanken über ein komplettes Bargeldverbot machen.

Nur, wenn es den " 500er " aber nicht mehr gibt, wie bezahlt man(n) dann o.g. Ticket auf dem Schwarzmarkt ......

Herr Tom Schmidt

11.04.2016, 17:02 Uhr

Ohhhh.... die Dame kommt mit Argumenten!!!!?????!!!! Dann sehen wir mal wie lange es dauert bis sie aus persönlichen Gründen zurücktritt. Und wenn das nicht erfolgen sollte, lernt man ja an der Schule für den Wirtschaftskrieg wie man jemand diskreditiert....

Rainer von Horn

11.04.2016, 17:04 Uhr

Frau Schneeberger hat Recht. Was ist das denn für eine Notenbank, die die ausgegeben Bargeldnoten abschaffen will? Das einzige GESETZLICHE Zahlungsmittel? Vertrauensbildend ist das jedenfalls nicht und kriminelle Subjekte werden sich jedenfalls nicht an irgendein gesetzliches Bargeldlimit halten und weichen dann auf andere Währungen bbzw. Vermögensgegenstände aus. Aber mit der Bargeldabschaffung zielt man ja auch nicht auf Kriminelle ab, sondern auf unbescholtene Bürger.

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