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03.12.2014

13:51 Uhr

Allianz

Weniger Überschussbeteiligung im neuen Jahr

Die niedrigen Kapitalmarktzinsen haben die Lebensversicherer fest im Griff: Als einer der ersten Anbieter hat die Allianz jetzt bekannt gegeben, die Überschussbeteiligung in 2015 zu senken. Weitere dürften bald folgen.

Die Allianz Leben ist eine der wichtigsten Sparten des Allianz Konzerns. dpa

Die Allianz Leben ist eine der wichtigsten Sparten des Allianz Konzerns.

MünchenDeutschlands größter Lebensversicherer Allianz Leben zollt den niedrigen Zinsen auf sichere Kapitalanlagen Tribut: Allianz Leben senkt die Gesamtverzinsung auf klassische Lebens- und Rentenversicherung im kommenden Jahr von 4,2 Prozent auf 4,0, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Grund dafür seien die „nochmals stark rückläufigen Kapitalmarktzinsen“, hieß es in der Mitteilung.

Für die neue Produktlinie „Perspektive“, die auf eine lebenslange Garantie verzichtet, liegt die Verzinsung 0,3 Prozentpunkte höher. „Die Vier vor dem Komma steht. Damit setzen wir ein Zeichen“, sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber.

Die reine Überschussbeteiligung (laufende Verzinsung) sinkt für klassische Policen von 3,6 Prozent auf 3,4, bei der neuen Produktlinie ohne lebenslange Garantie von 3,7 auf 3,5 Prozent. Dazu kommen jeweils eine Beteiligung an den Bewertungsreserven und der Schlussüberschuss am Ende der Laufzeit.

Die Allianz ist einer der ersten Versicherer, die die Überschussbeteiligung für das kommende Jahr bekannt gegeben haben. Die Saison der Deklarationen ist damit eröffnet. Weitere Lebensversicherer folgen. Aufgrund der Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten wird es für Lebensversicherer immer schwerer, auskömmliche Renditen zu erwirtschaften.

Die wichtigsten Fragen zur Lebensversicherung

Wie funktioniert die Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung soll dagegen zugleich auch Altersvorsorge sein. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist die Bewertungsreserve?

Kauft eine Versicherung von den Kundenprämien eine Aktie für 100 Euro, bleibt ihr Buchwert in der Bilanz auch fünf Jahre später bei 100 Euro, auch wenn der Kurs auf 120 Euro gestiegen ist. Die 20 Euro Differenz zwischen Marktwert und Kaufwert ist die sogenannte Bewertungsreserve oder stille Reserve. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen die Hälfte der Bewertungsreserve an ihre Kunden auszahlen, deren Verträge auslaufen.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher haben sich auch deshalb für Kapitallebensversicherungen entschieden, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent, ab 1.1.2015 nun wird er auf 1,25 Prozent gesenkt.

Früher lag der Satz deutlich höher, in den 90er Jahren teils bei vier Prozent. Seit 2000 geht es bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen investieren. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber sehr niedrig.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen. Zu beachten ist, dass Bestandskunden in der Regel von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen – und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer dagegen stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. Ob diese Verluste von einer jetzt eventuell noch höheren Beteiligung an den Bewertungsreserven ausgeglichen werden, muss im Einzelfall berechnet werden. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat.

Mit den neuen Solvabilitätsregeln, die ab 2016 greifen, könnte sich mittelfristig etwas ändern. Fürs erste dürften die Renditen aber weiter zurückgehen. Erst im August diesen Jahres wurde beschlossen, dass für Lebenpolicen, die ab dem 1.1.2015 abgeschlossen werden, nur noch einen Garantiezins von 1,25 Prozent, statt bislang 1,75 Prozent, gelten wird.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

03.12.2014, 15:21 Uhr

Nicht nur Versicherungen leiden an der aktuellen Nullzinspolitik von Notenbanken und Regierungen.

Damit begonnen zu haben zur Bekämpfung der 08-Krise, mag noch hingehen.

Fortzufahren ohne über die Folgen mittel- bis langfristiger Nullzinspolitik im Zusammenhang mit Quantitive Easing sicher sein zu können, war und ist noch immer leichtsinnig bis explosiv gefährlich.

In Schweden hatte man 2012 die Zinsen wieder angehoben, weil Arbeitslosigkeit zurückging und das BSP anstieg.
Folge war die Rückkehr von Arbeitslosigkeit und Stagnation. Leider reagierten die Schweden sofort und fielen auf die Nullzinspolitik zurück, aus der sie nun kaum noch hinaus können.
Hätten sie durchgehalten, wären sie nun über den Berg, mindestens würde es nicht schlimmer.

Ohne die Rechnung bezahlen zu müssen, konnte noch nie ein großes Essen genossen werden: there is no free lunch.
Also muß es schmerzen, um grundsätzlich bessere Verhältnisse zu bekommen.

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