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22.08.2012

11:44 Uhr

Alte Sparbücher

Bei Reichsmark haben Sie Pech

VonLaura de la Motte

In vielen deutschen Häusern liegen in irgendwelchen Kartons oder Matratzen noch Jahrzehnte alte Sparbücher und Aktien. Vergessene Schätze. Viele Banken weigern sich, das Geld auszuzahlen. Was Sparer tun können.

Historische Wertpapiere der Volkswagen AG. dpa

Historische Wertpapiere der Volkswagen AG.

FrankfurtHier ein altes Tagesgeldkonto, dort ein Depot, in dem noch ein paar hoffnungslose Aktien ihr Dasein fristen, dazu noch ein Sparbuch, das ein Guthaben in D-Mark ausweist. Bei so manchem Anleger tummeln sich ein paar längst vergessene Schätze. Die gute Nachricht: Guthaben bei einer Bank können in der Regel nicht verfallen. Die schlechte: Manchmal versuchen die Institute trotzdem, sich vor einer Auszahlung zu drücken.

Grundsätzlich gilt: Nur weil der Kunde sein Geld oder seine Wertpapiere lange nicht angerührt hat, kann die Bank sie nicht einfach einbehalten. "Sparkonten dürfen auch "bewegungslos" sein, das heißt, es gibt keine Fristen, die eingehalten werden müssten. Das Guthaben verfällt nicht", sagt Tanja Beller, Sprecherin beim Bundesverband deutscher Banken.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Verschiedene Gerichtsurteile belegen dies. Sie zeigen aber auch, dass die Banken manchmal versuchen, die Kunden abzuwimmeln. So musste eine Frau vor Gericht einklagen, dass sie eine Auszahlung von ihrem Sparbuch erhält, das sie 38 Jahre lang nicht in Anspruch genommen hatte. Die Bank hatte alle Unterlagen nach Ablauf der handelsrechtlichen Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren vernichtet und sich auf eine Verjährung berufen, auch weil sie davon ausging, dass das Guthaben längst ausgezahlt worden sei. Solch einen Automatismus aber gibt es nicht. Das Gericht gab daher der Frau recht (Aktenzeichen: 2 U 12/04).

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Wichtig ist, dass der Kunde einen Nachweis über seine Forderung gegenüber der Bank hat - zum Beispiel ein nicht entwertetes Sparbuch. Die Bank wiederum müsste beweisen, dass die Forderung nicht mehr besteht, also das Guthaben ausgezahlt wurde. Verfügt sie nicht mehr über ausreichende Unterlagen, mit denen sie die Auszahlung beweisen kann, darf dies nicht zulasten des Kunden gehen, entschied zuletzt das Oberlandesgericht Frankfurt (Aktenzeichen: 19 U 180/10).

Kommentare (4)

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Panikorchester

22.08.2012, 14:48 Uhr

"Viele Banken weigern sich, das Geld aus zu zahlen." - "aus zu zahlen"? Darf eigentlich jeder beim Handelsblatt schreiben, wie er mag?

Account gelöscht!

22.08.2012, 17:50 Uhr

Bei Banken im Ausland sei man jedoch vorsichtig. Manchmal haben die eine "Dormant-Gebuehr", die in Rechnung gestellt wird, wenn das Konto fuer laengere Zeit keine Bewegung hat. Sinn dieser Gebuehr ist es, ein nicht genutztes Konto irgendwann auf 0 zu bringen, wonach es automatisch aufgeloest wird.

Auch ueber Mindesteinlagebestaende sollte man sich informieren, da beim Unterschreiten auch hier oft Gebuehren verrechnet werden. Mir ist trotz aller Vorsicht und Information einmal passiert, dass der Mindesteinlagebestand nachtraeglich wesentlich erhoeht wurde und ich dies nicht wusste. Mein Konto war wegen der verrechneten Spesen sehr bald ohne Bestand und aufgeloest.

Account gelöscht!

23.08.2012, 10:01 Uhr

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Der Fehler wurde behoben. Mit freundlichen Grüßen die Redaktion

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