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21.07.2014

14:11 Uhr

Altersvorsorge

Absatz von Lebenpolicen bricht ein

VonJens Hagen

Der Branchenverband der Versicherer stellt neue Zahlen vor. Die Lebensversicherer verwalten zwar soviel Geld wie nie zuvor. Immer weniger Kunden möchten aber eine Police abschließen.

Rechenexempel: In Zeiten des Zinstiefs ist die Lebensversicherung kein Verkaufsschlager mehr. dpa

Rechenexempel: In Zeiten des Zinstiefs ist die Lebensversicherung kein Verkaufsschlager mehr.

Das Ritual ist jedes Jahr das gleiche. Mitten im Hochsommer, wenn die Temperaturen ihren Höhepunkt erreichen und die Schulferien in den meisten Bundesländern beginnen, stellt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) seine Jahresstatistik vor.

In diesem Jahr lässt ein Blick in das 34 Seiten dicke Heftchen „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2014“ nicht nur Branchenkenner aufhorchen. Denn im vergangenen Jahr ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge eingebrochen. 5,5 Millionen neue Verträge schlossen die Versicherten im vergangenen Jahr ab. Der Rückgang zum Vorjahr beträgt 13 Prozent. Wie der Einbruch auf die Branche wirkt, zeigt ein Blick auf die entgangenen Beiträge. Die Beitragssumme des Neugeschäfts sank um 20 Milliarden Euro auf 149 Milliarden Euro.

Besonders drastisch brach der Verkauf von Riester-Renten auf Basis von Lebenpolicen ein. Nur 453.000 neue Verträge wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das Minus zum Vorjahr beträgt rund 26 Prozent. Sogar der Gesamtbestand an Riester-Renten der Versicherer sank um rund 100.000 Verträge auf 10,8 Millionen. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise im Jahr 2007 schlossen noch mehr als zwei Millionen Kunden eine Riester-Rente bei den Lebensversicherern ab. „Offensichtlich gelingt es den Versicherern nicht, trotz neuer Konzepte mit ihren Produkten zu überzeugen", sagt Axel Kleinlein, Vorstand beim Bund der Versicherten. „Es spricht für die Klugheit der Verbraucher, wenn sie mehr und mehr Abstand zu den Angeboten der Versicherer nehmen. Umso mehr ist die Politik gefordert, vernünftige Lösungen zur Altersvorsorge zu forcieren.“

Auch wenn das verwaltete Kunden-Vermögen der Versicherten erstmals über 900 Milliarden einen Rekordwert erreicht, zweifeln viele Kunden an der Attraktivität der klassischen Lebensversicherung. „Wir raten von dem Abschluss einer Kapitallebenpolice aktuell ab,“ sagt Rita Reichard, Referentin für Versicherungen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Verbraucherschützer empfehlen stattdessen alternative Sparprodukte und raten dazu Risikoleben-Policen besser getrennt abzuschliessen. „Sinkende Garantiezinsen und mögliche nachteilige Regelungen bei den Bewertungsreserven verunsichern die Verbraucher“, sagt Reichard.

Die langsam sinkenden Kosten - die Verwaltungskostenquote sank 2013 zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent – kann die sinkenden Renditen im Zeiten des Zinstief kaum wettmachen. Auch die in Zeiten des Wirtschaftsbooms mit sinkenden Arbeitslosenzahlen um 0,16 Prozentpunkte zum Vorjahr sinkende Stornoquote von 3,32 Prozent bedeutet noch keine Entwarnung. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren und einer jährlichen Kündigungsquote von 3,32 Prozent würden nur vier von zehn Versicherten vorzeitig kündigen und auf einen großen Teil ihrer Rendite verzichten.

Die Stornoquote weise den niedrigsten Wert seit 1993 aus, rechtfertigt sich der GDV: „Im aktuell schwierigen Umfeld ist dies als Vertrauensbeweis der Kunden in ihre Lebensversicherung zu werten“. Der Verband erklärt weiter: „Die deutschen Lebensversicherer tragen bereits heute erhebliche Verantwortung für die Sicherung der Alterseinkünfte“. Im vergangenen Jahr wurden laut GDV Leistungen von mehr als 80 Milliarden Euro an die Kunden ausgezahlt. „Tag für Tag zahlen die Lebensversicherer damit über 200 Millionen Euro aus“, erklärt der GDV.

Kommentare (9)

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Herr Hans Karpf

21.07.2014, 13:03 Uhr

Vielleicht parken die Reichen ihre Bargeld in LV Verträgen. Hoffen das es sicherer ist, als auf der Bank. Nach Abzug der Verwaltungskosten, gibt es bei LV Verträgen auch Zinsen von Null Prozent.

Herr Markus Gerle

21.07.2014, 13:49 Uhr

Der Artikel ist doch eine positive Nachricht. D. h. doch, dass sich immer mehr Bürger Gedanken zu Finanzprodukten machen. Heutzutage würde ich auch keine LV mehr abschließen. Ich bin in der glücklichen Lage, über Altverträge zu verfügen, über die sich heute vermutlich der Versicherer ärgert.
Riester ist meiner Meinung nach staatlich legitimierter Betrug. Daher ist es außerordentlich positiv, wenn immer weniger Bürger darauf rein fallen. Und wenn ich mir meine fondsbasierte Versicherung nach Rürup so ansehe, so komme ich zu dem Ergebnis, dass ein Depot, welches man selbst managed wohl die bester Form für den Vermögensaufbau ist. Ob meine Einzahlungen in die Rürup-Versicherung sich auch nur ansatzweise rentieren, steht in den Sternen. Und wenn überhaupt lohnt sich Rürup nur für Leute, die den Spitzensteuersatz zahlen.
Also, eine seriöse Empfehlung kann heutzutage eigentlich nur darin bestehen, dass sich die Leute Wissen zu Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt aneignen und dann ein Depot am besten bei einer Direkt-Bank selbst kontinuierlich füllen.

Herr Woldemar von Stechlin

21.07.2014, 14:52 Uhr

"5,5 Millionen neue Verträge"

Heißt, dass immer noch 5,5 Mio. Menschen gerne dem Versicherungsdrücker eine fette Provision bescheren und dass immer noch 5,5 Mio. Menschen mit ihren Einlagen in die LV indirekt Staatsanleihen kaufen die in keinerlei Verhältnis zum Risiko stehen.

Manche lernen's halt nie....

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