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25.06.2015

08:11 Uhr

Altersvorsorge

Auf die gesetzliche Rente gepfiffen

VonAnke Rezmer

Deutsche Arbeitnehmer halten Zusatzvorsorge fürs Alter für wichtig. Private Vorsorge ist für sei am bedeutendsten, danach die Vorsorge über den Arbeitgeber, so das Ergebnis einer Umfrage. Nur an Fachwissen mangelt es.

Betriebliche Absicherung

Private Altersvorsorge: Warum der Gang zum Chef lohnt

Betriebliche Absicherung: Private Altersvorsorge: Warum der Gang zum Chef lohnt

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FrankfurtDie Menschen haben nun offenbar verstanden: Ihre gesetzliche Rente wird nicht mehr reichen für ein auskömmliches Dasein im Alter. Zusätzliche Vorsorge ist angesagt. Dabei setzen Arbeitnehmer in Deutschland am allerliebsten auf die private Altersvorsorge vor der betrieblichen Variante. Das könnte auch daran liegen, dass die meisten Arbeitnehmer zu wenig über die Vorsorge informiert sind, die ihnen ihr Arbeitgeber anbietet.

Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 1026 deutschen Arbeitnehmern des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag der niederländischen KAS Bank, einem Wertpapierdienstleister für Anbieter betrieblicher Altersvorsorge.

„Das Vertrauen der Menschen in die gesetzliche Rente scheint erschüttert“, resümiert Frank Vogel, Deutschland-Chef der KAS Bank. „Aber sie wollen Geld in Altersvorsorge investieren.“ So halten fast zwei Drittel der befragten Angestellten und Arbeiter private Altersvorsorge für eine geeignete Möglichkeit, ausreichend fürs Alter zurückzulegen. Gut die Hälfte gesteht dies auch der Vorsorge über den Betrieb zu.

Abgewatscht wurde dagegen die gesetzliche Rente: Nur 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer glauben daran, dass die so genannte erste Säule der Altersvorsorge für sie ausreicht. Dazu passt, dass 60 Prozent der Befragten mehr privat fürs Alter vorsorgen würden, wenn sie heute ihre Altersvorsorge neu ordneten. Knapp die Hälfte würde die betriebliche Vorsorge ausbauen.

„Immenses Potenzial“ spricht Vogel von der KAS Bank der betrieblichen Vorsorge zu – gerade auch, weil Arbeitnehmer diese staatlich und oft vom Arbeitgeber geförderte Form des Alterssparens nur als zweitwichtigste Vorsorgeart nennen. Warum ist das aber so? Wenn Finanzberater über das Sparen fürs Alter sprechen, empfehlen die Experten ihren Kunden stets, zunächst die Fördermöglichkeiten der betrieblichen Vorsorge auszuschöpfen.

Herausforderungen für die betriebliche Altersvorsorge

Lebenserwartung

Mehr als die Hälfte der von Forsa befragten Arbeitnehmer sehen als die größte Bedrohung der betrieblichen Altersvorsorge die steigende Lebenserwartung der Anwärter. Versicherer rechnen heute etwa mit Lebenserwartungen von bis zu 110 Jahren, um die Risiken voll abzubilden.

Niedrige Zinsen

Ebenfalls 58 Prozent der Befragten glauben, dass die Niedrigzinsen am Markt die betriebliche Altersvorsorge belasten. In der Tat führen Niedrigzinsen zu höheren Rückstellungen für alle Unternehmen, die direkte Zusagen an ihre Mitarbeiter gemacht haben. Hat ein Unternehmen sichere Vermögenswerte oder Versicherungen unter den Anlagen, so steigen sie im Wert langsamer als gedacht.

Sicherheit der Beiträge

Arbeitnehmer sorgen sich darüber hinaus darum, ob die Beiträge sicher sind, also auch wirklich vom Unternehmen geleistet werden können.

Gesetzliche Rente

Die gesetzliche Rente sinkt seit Jahren. Darüber hinaus wird sie nachgelagert immer stärker besteuert. Längst sind sich Experten einig, dass sie zum Leben nicht mehr reichen wird. Die betriebliche Altersvorsorge sollte einen Teil der Verluste aus der gesetzlichen Rente auffangen – eine Herausforderung, die 40 Prozent der Befragten sehen.

Komplexe Kapitalmärkte

Verrückte Welt: Aktien boomen, Anleihen verharren im Niedrigzinsumfeld, Schwankungen nehmen deutlich zu. Dass das Zusammenspiel der Kapitalmärkte zunehmend komplexer wird, beunruhigt 32 Prozent der Befragten. Die betriebliche Altersvorsorge macht das nicht einfacher.

Denn der Fiskus fördert das Sparen via Arbeitgeber durchaus gewichtig: So können Arbeitnehmer im diesem Jahr immerhin bis zu 2.904 Euro steuer- und sozialabgabenfrei ansparen, hinzukommen steuerfreie 1.800 Euro für Verträge ab 2005. Und oft zahlt der Arbeitgeber noch einen Teil der Beiträge.

Kommentare (17)

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25.06.2015, 09:16 Uhr

Was heißt das, auf die gesetzliche Rente gepfiffen. Die ist ein Witz und eine Farce für jeden Arbeitnehmer, die bei der Einzahlung von 1 € 78 Cent an Gegenleistung erhalten. Und die privaten Altersversorgungen sind bei einer Minirendite und einer nachgelagerten Besteuerung nicht das Allheilmittel die zukünftige Altersarmut zu stoppen.

Übrigens können die Beitragssummen für eine private Altersversorgung die eine sog. Versorgungslücke schließen sollen in aller Regel durch die AN nicht aufgebracht werden.
Die Angst vor Altersarmut lässt sich so leider nicht stoppen. Dafür dürfen die AN mind. 45 Jahre arbeiten um später mal 800 bis 1000 Euro Rente zu erhalten (Gegenwert nach heutiger Kaufkraft).

Matt Anderson

25.06.2015, 09:27 Uhr

Ich frage mich, warum das HB hier so unseriöse Werbung für die Versicherungen betreibt ohne wirklich richtig zu informieren? Die betriebliche Altersvorsorge ist nämlich seit Schröder und seine Dienstwagen-Affären-Ulla-Schmidt für den Arbeitnehmer nichts mehr wert. Ich habe meine betriebliche Altersvorsorge inzwischen gekündigt. Es gibt nämlich kaum noch eine Überschussbeteiligung. Jedoch muss man bei Auszahlung später mal rückwirkend die ca. 15% Krankenversicherungsbeitrag bezahlen. Selbst dann, wenn man sein Arbeitsleben lang schon den Höchstsatz an KV-Beitrag gezahlt hat. Heißt also, dass man auf eine kaum vorhandene Rendite auch noch draufzahlen muss. Einzig die Beteiligung des Arbeitgebers an der betrieblichen Altersvorsorge bringt einen kleinen Vorteil. Es ist eine Schande, dass in diesem Artikel hier kein einziges Wort darüber verloren wird. Und sich dann wundern, dass man "Lügenpresse" genannt wird.

Matt Anderson

25.06.2015, 09:38 Uhr

Für die, die nicht rechnen können: wenn im Alter die betriebliche Altersvorsorge fällig zur Auszahlung wird und dann eine schöne Summe von 40.000 Euro an den Neu-Rentner überwiesen werden müsste, dann werden ihm direkt ca. 15% also ca. 6.000 Euro davon abgezogen. Heißt also, man bekommt nur noch 34.000 Euro raus. Die Rendite ist futsch. Besonders schmerzhaft ist es, wenn man sein Leben lang den KV-Höchstsatz bereits gezahlt hat. Also man überhaupt nicht mehr zahlen konnte und musste. Und wenn man dann noch nie große Leistungen der Krankenkasse in Anspruch genommen hat und womöglich fast nie beim Arzt oder nie krankgeschrieben war. Das rückwirkende Kassieren der KV-Beiträge ist so ziemlich das niederträchtigste, was hier in Bezug auf Vernichtung der privaten Altersvorsorge passiert.

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