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26.03.2016

15:40 Uhr

Altersvorsorge

Betriebsrenten in der Niedrigzinsfalle

Großzügige Pensionszusagen der Vergangenheit werden für viele Unternehmen zur Belastung. Die Niedrigzinsen zwingen sie, dafür immer mehr Geld zurückzulegen. Das hat auch Folgen für die Beschäftigten.

Die Niedrigzinsen setzen auch die Betriebsrenten unter Druck. dpa

Abgesichert ins Alter dank Betriebsrenten?

Die Niedrigzinsen setzen auch die Betriebsrenten unter Druck.

Frankfurt am MainDie Niedrigzinsen hinterlassen deutliche Spuren in den Unternehmensbilanzen. Firmen müssen wegen der Zinsschmelze immer mehr Geld für die Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen. Viele Unternehmen versprechen daher keine konkreten Leistungen mehr, sondern sagen lediglich zu, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen. Das Zinsrisiko tragen die künftigen Pensionäre.

Was ist das Problem?

Pensionszusagen sind erst in Jahren fällig. Maßstab für die Berechnung von Pensionslasten ist die Rendite von Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Sinkt die Rendite der Anleihen, steigt der in der Bilanz anzusetzende Gegenwert der Pensionsverpflichtungen. Dafür gibt es einen Rechnungszins.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. Von Januar bis März 2015 machte der Posten einen Anteil von 39,7 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. Von Januar bis März 2015 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 37,4 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 ging die Quote auf 3,0 Prozent zurück.

Aktien und sonstige Anteilsrechte

Das in Aktien investierte Vermögen und der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen der deutschen Haushalte sind gestiegen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. Im ersten Quartal 2015 lag der Anteil bei 10,8 Prozent.

Aktienfonds

Die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit gewonnen. 9,4 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte von Januar bis März 2015 in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Wie wird der Zins berechnet?

Für Konzerne wie Dax-Unternehmen, die ihre Bilanz auch nach dem internationalen Standard IFRS aufstellen, ergibt sich der Rechnungszins vereinfacht gesagt aus dem Durchschnittswert der Marktrendite von Unternehmensanleihen mit guter Bewertung. Der Rechnungszins nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) wird monatlich von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht.

Wie haben sich die Pensionsverpflichtungen entwickelt?

Bei den Dax-Konzernen sanken sie im vergangenen Jahr nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Mercer von etwa 372 Milliarden Euro auf 362 Milliarden Euro. Von einer durchgreifenden Entspannung kann nach Einschätzung von Branchenbeobachtern allerdings keine Rede sein. Das Problem: Die Niedrigzinsjahre seit 2012 gehen immer stärker in die Durchschnittsberechnung ein, Hochzinsjahre fallen heraus. Für den Mittelstand sei vor allem der Sinkflug des HGB-Rechnungszinses Grund zur Sorge, sagt Mercer-Versicherungsmathematiker Thomas Hagemann.

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