Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.11.2012

09:17 Uhr

Altersvorsorge

Der große Riester-Check

VonThomas Schmitt

Wer bietet die beste Riester-Rente? Versicherungen, Fonds, Bausparkassen und Banken verwirren Sparer mit zahlreichen Vorsorge-Varianten. Welches Produkt für wen geeignet ist und worauf Sparer achten sollten.

Was bringt die Riester-Rente im Alter? Die Kosten sind der entscheidende Faktor.

Was bringt die Riester-Rente im Alter? Die Kosten sind der entscheidende Faktor.

DüsseldorfDie hitzige Debatte um die Riester-Rente fördert ein großes Missverständnis. Es lautet: Angeblich hätten die Deutschen kein Vertrauen mehr in die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Die Verkaufszahlen scheinen dies zu belegen, denn sie gehen zurück.

Doch man kann die Statistik auch anders interpretieren: Mehr als zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente schauen die Deutschen wesentlich genauer hin, was hinter Riester steckt.

Altersvorsorge: So sicher sind Betriebsrenten

Altersvorsorge

So sicher sind Betriebsrenten

Versorgungswerke und Pensionskassen - lukrative Alternativen zur gesetzlichen Rente.

Die Sparer lassen sich nicht mehr von vorübergehenden Steuervorteilen und unverbindlichen Prognosen blenden, die ihnen übereifrige Vertreter aus der Versicherungswirtschaft vorrechnen, sondern achten in der Niedrigzinsphase immer stärker auf die Kosten der Produkte.

Die Folge: Die Deutschen lassen Versicherungsprodukte links liegen, kaufen Fonds vorsichtiger und setzen am liebsten auf Altersvorsorge in den eigenen vier Wänden. Dies zeigt die Absatzstatistik des ersten Halbjahres Unter dem Strich führt dies dazu, dass der Neuabsatz von Riester-Renten in diesem Jahr um ein Drittel sinkt.

Kernpunkte der Riester-Förderung

Idee

Förderung der privaten Altersvorsorge durch jährliche Zulagen und Steuervorteile

Quelle: LBS

Grundzulage

154 Euro pro Person

Kinderzulage

185 Euro je Kind, geboren vor 2008
300 Euro je Kind, geboren ab 2008

Steuervorteile

Sparer können ihre Einzahlungen als Sonderausgaben absetzen. Die Auszahlungen der Riester-Rente sind voll steuerpflichtig zum individuellen Steuersatz. Dieser dürfte im Alter jedoch niedriger sein als während des Berufslebens.

Voraussetzung

Für die volle Förderung müssen Einzahlungen in Höhe von vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres vorgenommen.

Obergrenze

Es werden maximal 2.100 Euro Einzahlungen gefördert.

Vorteil

Die geflossenen Zulagen reduzieren die erforderliche eigene Sparleistung.

Sozial

Die Förderung ist unabhängig von der Höhe des eigenen Einkommens.

Dies geht wahrscheinlich vor allem zulasten der Versicherungswirtschaft, weshalb diese Branche auch entsprechend betrübt ist: „Der Absatz von Riester-Verträgen wird 2012 voraussichtlich um 34 Prozent auf rund 620.000 Stück sinken“, schätzte der Verbandspräsident Rolf-Peter Hoenen jüngst.

Sein Urteil: ein „dramatischer“ Einbruch. Andererseits: Die Zahl der Riester-Verträge stiege damit auf immerhin rund 16 Millionen Stück, wovon die Versicherungsbranche rund zwei Drittel im Bestand hätte. Nachdenklich werden alle Akteure allerdings, wenn sie auf die niedrigen Summen der Riester-Sparer schauen.

Privat vorsorgen per Riester-Rente

Video: Privat vorsorgen per Riester-Rente

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Im Schnitt sind es 843 Euro, die für die private Altersvorsorge im Jahr zurückgelegt werden. Dabei kassieren die Sparer 316 Euro staatliche Zulagen. Dies berichtete jüngst die „Bild"-Zeitung unter Berufung auf den Alterssicherungsbericht der Bundesregierung. Fast die Hälfte der Riester-Sparer habe ein Einkommen von weniger als 20.000 Euro im Jahr. Fast zwei Drittel (61,3 Prozent) seien kinderlos. Fast jeder fünfte Riester-Vertrag sei schließlich von den Sparern ruhend gestellt, weil sie kein Geld mehr haben oder die Lust am "Riestern" verloren hätten.

Kommentare (27)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sparfuchs50

21.11.2012, 11:00 Uhr

Wohnriester ist die größte Volksverdummung: Auf Dränger der jammernden Bausparkassen, auch etwas vom Riesterkuchen haben zu wollen, wurde dieses Produkt erfunden.
Wer Wohnriester abschließt, verzichtet (oder kann sich nicht mehr leisten) meist auf eine zusätzliche Altersvorsorge. Folge: Außer der ges. Rente zahlt man für das Wohnförderkonto noch Steuern. Hier ist Altersarmut vorprogrammiert. Der Verkauf der Immobilie wird diese Situation dann nur retten. Da wir aber Bevölkerungsrückgang haben, wird der Verkauf in 20-30 Jahren mangels Käufer, meist nicht den gewünschten Kaufpreis erbringen.
Bei einer Scheidung (50% der Ehen werden vorz. geschieden)kommt es häufig zum Verkauf der gem. Immobilie.Folge, wenn nicht innerh. v. 4 Jahren etwas anderes gekauft wird, komplette Rückzahlung der gesamten Förderung. Für eine neue Altersvorsorge bleibt meist kein Geld (kurze Restlaufzeit, hohe mtl. Sparrate).
Noch schlimmer trifft es die, die sich dann doch keine Immobilie kaufen können (mang. Einkommen, wechselnde Arbeitsstellen, Zeitverträge, Arbeitslosigkeit usw.).
Wohnriester wird unter Inflationsrate mit 0,5% bis 1% Zins angespart. Wird im Arbeitsleben dann nicht gekauft/gebaut, wird das angesparte Geld durch die Bausparkasse in eine Versicherung investiert. Dort entstehen neue Abschlußgebühren....die arbeiten ja bekanntl. nicht umsonst.
35 Jahre Jahre 100 € mtl. sparen ergibt bei 0,5% Zins ein Guthaben von 46.000 € minus Gebühr Versicherung,
Riesterversicherungen ca. 3,5 % ergeben 82.200 € Guthaben, keine neue Gebühr, wer wird wohl die höhere Rente beziehen?
Diese Nachteile werden von insb. Bank/Sparkassenberatern überwiegend unterschlagen! Auch unsere tollen Verbraucherschützer ignorieren diese Probleme.
Der Verkauf gestaltet sich ganz einfach: Herr Kunde, sehen Sie mal, die Verbraucherschützer sagen, Wohnriester ist am besten....dann machen wir das doch auch am besten.
Und das Feindbild Versicherung fördert ja auch den Verkauf von Finanztest. Man will ja auch leben

silberbug

21.11.2012, 11:07 Uhr

moin allerseits,

wir können uns glücklich schätzen im Alter nicht alleine zu sein, denn die Leute die von ihrer angesparten Altersvorsorge nicht existieren können wir stetig anwachsen. Nur so als Bespiel gerechnet: Die 50.000 tsd Jahreseinkommen, Single ohne Kinder kommen bei mir nicht ganz hin, als Anhaltspunkt sind sie dennoch zu gebrauchen. Wenn ich dann die Aufstellung im Handelsblatt lese kann ich nur lachen, bei einer Inflation von 5 %( die haben wir deutlich, der Euro hat in den letzten 11 Jahren 50% Kaufkraftverlust verzeichnet) habe ich in 25 Jahren, denn dann bin ich 67, eine Lücke von 3.386 Euro. Wie soll der Kleinverdiener das denn bitteschön zur Seite legen ? Mieten und Gesundheitskosten die man selbst tragen muß werden genauso ansteigen. Sollte ich dann eine Rente von 850 Euro vor Steuern bekommen und noch etwas Privat geriestert haben, wird das dennoch nicht ausreichen. Ich frage mich nur woher soll denn die Rendite kommen, in der Dauerniedrigzinsphase, bei prekären Arbeitsverhältnisse und Lücken in der Erwerbsbiographie ? Das gewährt doch kein durchgängiges einzahlen in die Rentenkasse oder private AV. Ich habe mich davon verabschiedet und hoffe viele werden folgen, ich lege meine Erparnisse in Gold und Silber an, verringere meinen Konsum, investieren in meinen Geist, gehe meditieren und erfreue mich an der Natur. Denn das was uns hier als Altersvorsorge angeboten wird, ist in naher Zukunft eine Zwei Klassengesellschaft, eine mit und eine ohne Zähne.

Schwarzwald

21.11.2012, 11:13 Uhr

Ich kann nur eindringlich warnen einen Riester Vertrag abzuschließen ohne genau die Kosten zu kennen.
Mein Sohn schüttelt noch heute seinen Kopf über soviel Dreistigkeit und Frechheit über die sogenannten Verwaltungskosten bei einer Sparkasse im Südwesten der Republik.
Nicht nur dass die Höhe der "Vergütung" viel zu hoch ist neinn auch die Dynamík dieser Kosten ruiniert die Rentabililtät dieser Anlage völlig.
So wurden für 2011 Verwaltungskosten verlangt die weit über den staatlichen Zulagen lagen und einen Teil der Zinsen verschlangen.
Wenn man jetzt noch die Inflation abzieht dann ist die Riesterrente ein Draufleggeschaft - aber nur deshalb weil gierige Kreditinstitute diese Vertäge als Gelddrucḱmaschine ansehen.
Ich habe die Notbremse gezogen und den Vertrag gekündigt und in konservative Aktien angelegt die einmalig 9,9€ Kaufkosten verursachen und eine sehr gute Rendite abwerfen.
Die Politik hat völlig versagt bei der Kostenkontrolle ein Kniefall vor der Bankenlobby - anders kann man diese Vorgehenweise nicht erklären!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×